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Feralpi arbeitet am grünen Image

Die neue Nachhaltigkeitsbilanz zeigt auch, wie unterschiedlich die Stahlarbeiter in Italien und Deutschland ticken.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Feralpi hat jetzt die aktuelle Nachhaltigkeitsbilanz vorgestellt. Dafür ist sogar Konzernchef Giuseppe Pasini aus Italien angereist. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wie ist es dem Unternehmen in den letzten zwei Jahren ergangen?

Riesa ist einer von vier Produktionsstandorten des italienischen Stahlkonzerns Feralpi Group. 2016 konnte die Unternehmensgruppe ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht auf rund 930 000 000 Euro steigern. Ebenso stieg die Stahlproduktion – um knapp acht Prozent. Mehr als 2,3 Millionen Tonnen Stahl wurden an den Feralpi-Group-Standorten im vergangenen Jahr produziert. In Deutschland gehört Feralpi Stahl nach eigenen Aussagen zu den zwölf größten Stahlproduzenten des Landes.

Was wird in Riesa verarbeitet – und für wen?

Der Baustahl, der in Riesa produziert wird, ist sozusagen ein Recycling-Produkt. Er entsteht aus Schrott. Nach Berechnungen von Feralpi Stahl kommen jährlich 20 000 Eisenbahnwaggons im Werk an. Aneinandergereiht ergeben diese 450 Kilometer – etwa so weit wie von Riesa nach München. Der Schrott wird im Stahlwerk geschreddert und eingeschmolzen. Im Walzwerk entstehen Stäbe, Ringe und Walzdraht. Beliefert werden nach Unternehmensangaben rund 300 Kunden in Deutschland sowie in Mittel- und Osteuropa.

Wer arbeitet bei Feralpi in Riesa und was bewegt die Mitarbeiter?

In Riesa arbeiten derzeit rund 650 Mitarbeiter im Stahlwerk, im Drahtwerk, im Stahlhandel und bei Feralpi-Logistik. In Ausbildung sind aktuell 33 Lehrlinge, die meisten davon direkt im Stahlwerk. Frauen sind in der Belegschaft stark unterrepräsentiert. Im gesamten Konzern waren 2016 6,3 Prozent der Belegschaft weiblich. Das Unternehmen würde gern mehr Frauen einstellen und erwägt daher „Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Frauen“.

Das Unternehmen befragt alle zwei Jahre die Mitarbeiter zu Themen wie Betriebsklima und Zufriedenheit mit den Chefs. In Riesa haben rund 65 Prozent der Belegschaft in diesem Jahr angegeben, zufrieden zu sein. Bei der letzten Befragung 2015 waren es noch mehr als 75 Prozent. Die Mitarbeiter an den italienischen Standorten sind allesamt zufriedener als ihre deutschen Kollegen. Auch mit ihren Vorgesetzten sind die Riesaer insgesamt unzufriedener. „Die Deutschen sind da immer etwas kritischer“, bemerkt dazu Werkleiter Frank Jürgen Schaefer.

Dies könnte damit zusammenhängen, dass Feralpi in Deutschland nicht nach dem Flächentarifvertrag Ost bezahlt. Gegenüber vergleichbaren Kollegen in anderen Stahlwerken wie etwa in Gröditz hinken die Riesaer, was die Löhne angeht, immer ein wenig hinterher. Jüngst haben die IG Metall und Feralpi aber einen neuen Haustarifvertrag ausgehandelt. Der Abstand zu den Kollegen, die nach dem Flächentarifvertrag entlohnt werden, hat sich dadurch verringert.

Befragt werden die Feralpi-Mitarbeiter auch zu ihrer Einschätzung lokaler Probleme. Dabei kam heraus, wie unterschiedlich das Problembewusstsein der Kollegen in Deutschland und Italien ist. Die Italiener bewerten lokale Probleme fast ausnahmslos drastischer als die Deutschen, etwa was Korruption, Kriminalität oder Umweltverschmutzung angeht. Einzig den Punkt niedrige Einkommen halten die deutschen Feralpianer vor Ort für ein größeres Problem als die Italiener.

Und was sagen die Anwohner?

Im Januar hat Feralpi eine repräsentative Telefonumfrage in Auftrag gegeben. Dabei kam zum Beispiel heraus, dass 80 Prozent der Befragten Feralpi vertrauen, dass alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Eine überwiegende Mehrheit (77 Prozent) ist zudem der Meinung, dass die Umweltbelastung, die vom Stahlwerk ausgeht, geringer geworden ist.

Wie dreckig ist das Riesaer Stahlwerk?

Ein Stahlwerk ist keine Zuckerwattenfabrik. So viel steht fest. Das Werk ist der größte Stromverbraucher der Stadt. Da sich der angelieferte Schrott nicht aus reinem Eisen zusammensetzt, werden nicht-eisenhaltige Materialien vor dem Schmelzen so gut es geht aussortiert. Die sogenannte Schrottreinigung sei in den letzten Jahren verbessert worden, so Frank Jürgen Schaefer. „Zudem wurde ein Entstaubungssystem zur Reduzierung diffuser Staubimmissionen installiert.“ Neu ist außerdem eine 120 Meter lange und zwölf Meter hohe Schallschutzmauer, die den Anwohnern Am Gucklitz helfen soll. Die Lkw-Flotte wurde auf Euro-6-Norm umgerüstet. Für diese und weitere Maßnahmen hat Feralpi zuletzt 2015 das Emas-Siegel bekommen. Die EU zeichnet damit Unternehmen aus, die kontinuierlich daran arbeiten, der Umwelt so wenig wie möglich zu schaden.