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Fernbus-Chef will Dresden verklagen

Seitdem der Halt vor dem Neustädter Bahnhof verboten ist, fehlen dem Bus-Unternehmen Berlin Linienbus die Passagiere.

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© René Meinig

Sarah Grundmann

Vor dem Neustädter Bahnhof bot sich am Donnerstagnachmittag ein ungewohnter Anblick: Am Schlesischen Platz machte ein Fernbus des Unternehmens Berlin Linienbus halt. Fahrgäste durften allerdings nicht einsteigen. Denn das Fahrzeug war nur zum Protest angerollt. Protest dagegen, dass die Stadt der Firma seit Juni die Haltestelle in der Neustadt gestrichen hat. Einziger Halt in Dresden ist seitdem auf der Bayrischen Straße am Hauptbahnhof. Das verärgert auch die Anwohner.

„Ich habe den Fernbus häufig genutzt, um nach Berlin zu pendeln“, sagt Max Maier. Denn der Neustädter studiert in der Bundeshauptstadt, lebt aber in seinem Geburtsort Dresden. „Die Abfahrt am Schlesischen Platz war immer sehr praktisch. Ich habe von der Louisenstraße fünf Minuten zum Bus gebraucht und war nach drei Stunden in Berlin.“ Seitdem die Abfahrten gestrichen wurden, hat der Student das Angebot nicht benötigt. Nun macht er sich aber seine Gedanken, wie er in Zukunft pendeln soll. „Ich werde wahrscheinlich auf eine Mitfahrgelegenheit oder auf Flixbus umschwenken“, so Maier. Denn das ebenfalls aus Berlin stammende Konkurrenz-Unternehmen darf auf der anderen Seite des Neustädter Bahnhofs – an der Hansastraße – noch bis 2023 halten. Das hat Berlin Linienbus bereits gespürt.

„Am Schlesischen Platz sind zwischen 30 und 35 Prozent unserer Fahrgäste eingestiegen“, sagt Geschäftsführer Karsten Schulze. „Sie kommen nun leider nicht zum Hauptbahnhof, um weiter mit uns zu fahren. Dort ist die Fahrgastzahl konstant geblieben.“ Woran das liegt, kann Schulze nicht mit Sicherheit sagen: Die meisten würden wohl, wie Max Maier, zu Mitfahrgelegenheiten und dem Konkurrenz-Unternehmen wechseln. „Uns jeglichen Halt in Dresden-Neustadt zu verbieten, während ein Wettbewerber das noch viele Jahre lang darf, ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt der Geschäftsführer. Er prüft deswegen, rechtliche Schritte gegen die Stadt einzuleiten.

Doch auch an einem Kompromiss ist das Unternehmen weiterhin interessiert. „Wir hatten uns mit dem Regionalverkehr Dresden schon auf eine Alternative geeinigt, wollten einen neuen Halt am Albertplatz einrichten“, so Schulze. Doch auch das lehnte die Stadt ab. Die Möglichkeiten sind da, aber scheinbar kein politischer Wille. Das ist schade, weil es auf den Rücken der Neustädter ausgetragen wird. Trotzdem ist Berlin Linienbus weiter um einen Dialog bemüht. So wurden alle Fraktionen sowie Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) angeschrieben und um ein Gespräch gebeten. Eine Rückmeldung gab es bislang nicht. Die Unterstützung der FDP ist der Firma aber schon einmal sicher.

Denn die Neustädter Ortsbeirätin Benita Horst und die Jungliberale Aktion Dresden hatten die Protestaktion organisiert. „Fernbushaltestellen gehören zu einer notwendigen Infrastruktur. Das Thema hat die Stadt komplett verpennt“, so Horst. Für sie ist es an der Zeit, zu handeln: „Alternativen müssen her – und zwar in der Neustadt.“ Doch auf SZ-Anfrage gibt die Stadt wenig Anlass zur Hoffnung.

„Kurzfristig werden keine neuen oder verlängerten Konzessionen am Standort Dresden-Neustadt genehmigt“, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Ob die Erlaubnis von Flixbus, die 2023 ausläuft, verlängert wird, werde indes noch überlegt. Droht der Neustadt also bald das komplette Fernbus-Aus? Für die Unternehmen und vor allem für die Neustädter wäre das keine zufriedenstellende Lösung. „Freie Fahrt für die Neustadt“ fordert Anwohner Max Maier am Donnerstagnachmittag mit einem Plakat.