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Grusel-Serie „Hausen“: Horror in der Platte

Corona-Kino für daheim: In der famosen neuen Sky-Serie „Hausen“ spielt Charly Hübner einen Hausmeister, in dessen Gebäuden es spukt.

Jaschek (Charly Hübner) will als Hausmeister noch einmal neu anfangen. Doch das Haus, das er betreut, lässt ihn nicht.
Jaschek (Charly Hübner) will als Hausmeister noch einmal neu anfangen. Doch das Haus, das er betreut, lässt ihn nicht. © LagoFilm/Sky

Von Andreas Körner

Häuser und Horror – im Film die perfekte Symbiose. Sich selbst öffnende und zuschlagende Türen, knarzende Dielen, wehend-dreckige Gardinen vor glaslosen Fenstern, Unheil spuckende Wasserhähne und die Heizungskeller und Dachböden erst! Häuser stehen seit Jahrzehnten für die steilsten, allerdings auch oft gesehenen Vorlagen des Grusels. Wobei man auch im Fernsehen und Heimkino den Teufel tun würde, darauf zu verzichten. In einer achtteiligen Serie des Leipziger Regisseurs Thomas Stuber wird das Haus jetzt zum Hauptdarsteller, zur Figur, zum Charakter. Der Titel ist adäquat: „Hausen“.

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Wie fahlblaue Zwillingstürme stehen sie im Nebel, diese aus Platten gebauten Hochhäuser in einer diffusen Landschaft. Natürlich ist Winter, freilich zieht es schon an den Briefkästen, als Jaschek (Charly Hübner) das Erdgeschoss betritt. Er ist der neue Hausmeister und kommt mit seinem 16-jährigen Sohn Juri (Tristan Göbel) und einem zurückliegenden Ereignis, das über den beiden hängt wie ein Schleier. Es gab da ein anderes Haus, ein Feuer, eine Ehefrau und Mutter, die tot ist. Der Umzug soll es für Jaschek und Juri richten. Doch der neue Ort richtet sich nicht nach ihnen.

Obwohl es die Gestrengen unter den Cineasten nicht gern hören mögen, sind es unterm Strich die Streamingplattformen, die mit ihren Eigenproduktionen den deutschen Film in seiner Genrevielfalt zu befreien versuchen. Erste Erfolge gibt es längst zu verkünden, „Hausen“ gehört jetzt unbedingt dazu. Horror, Mystery, Science-Fiction und Unalltägliches hat es schon in Konzeption und Finanzierung extrem schwer, soll das Werk im Kino laufen. Deshalb schleicht sich noch immer ein liebevoll gemeintes, aber kaum Selbstbewusstsein verkündendes „für deutsche Verhältnisse“ in die Rezeption.

Menschen hinter den Wänden

Thomas Stuber hat die Chance gegriffen. Nach den großartigen Milieustudien „Herbert“ und „In den Gängen“, dem feinsinnigen Vorwendesommerstück „Kruso“ und dem achten Fall von Ulrich Tukurs eigenwilligem Tatort-Kommissar Murot schien dieser Schritt zwingend. Stuber kann Horror, weil er das Genre, sich vor eingeführten Klassikern verneigend, mit Leben füllt. „Hausen“ ist spannend, unheimlich, angemessen unlinear erzählt und erstklassig besetzt.

An den Containern ging es los. Juri traf einen verwahrlosten Kapuzenmann, der bald zu Kater (Alexander Scheer) wird und damit zu einem echten Protagonisten. Neben Juri selbst, denn der Junge entwickelt im Laufe von acht Mal 60 Minuten Fähigkeiten. Er trifft auf die Echos von Menschen, die in Fluren, Wänden und dahinter existieren oder existieren könnten. Antworten sollten in einem guten Horrorfilm stets hinter den Fragen zurückstehen.

Die Bewohner des Hochhauskomplexes, ein Sanierungsfall höherer Bestimmung, haben ihre eigenen Geschichten. Einige davon werden angedeutet und verweisen auf Hier-und-Heutiges: der Kinderschänder und Klassikfan, der den Bach raufgeht, die vietnamesischen Ladenbetreiber, die sich erzdeutsch gebende Großsippe im 8. Stock, den der Familienvater gern als 88. (für „Heil Hitler“) bezeichnet. Hunde, Katzen, Ratten – alle drin im Haus. Ein junges Paar, Cleo (Lilith Stangenberg) und Scherbe (Daniel Sträßer), schält sich dabei ein wenig vor die anderen, denn sie haben ein Baby, ein Blockkind ,wie es die anderen nennen.

Mit dem ersten Blockkind, das zum Echo wurde, hatte vor 30 Jahren das Wohl und Wehe dieser Menschen angefangen. Damals, als die Hausgemeinschaftsleitung im Hausgemeinschaftsraum noch was zu sagen hatte und der alte Erich noch die Wohnung verließ. Aha, enttarnt! Das Haus steht im Osten? Kann, muss nicht. Gedreht wurde trotzdem im ehemaligen Regierungskrankenhaus in Berlin-Buch.

Der Schacht als Schlund

Scherbe ist Junkie und verliert das noch namenlose Baby ausgerechnet an den Müllschlucker. Dort, wo er ansonsten seinen Stoff herbekommt, denn im Haus gibt es eine intakte Drogenstrecke. Aus einer zähschwarzen Flüssigkeit, die sich im reinen Sinne des Wortes durch die Handlung zieht, wird das Zeug gewonnen, im Müllschacht durch Werfer und Fänger verteilt. Der Schacht als Schlund und Speiseröhre, denn, wie gesagt: Es ist das Haus, das lebt.

Die Heizung muckert, der Fahrstuhl kommt ins Spiel und geht natürlich kaputt, Neonlicht flackert permanent, durch Lüftungsrohre brechen sich Geräusche Bahn, Backöfen sind Luken in Nebenleben, es qualmt und stinkt. Und Jaschek als Herr der Schlüssel wird merken, dass dieser Job mehr bieten soll als Katharsis.

In Kulissen und Effekten exzellent, akustisch brillant, auch durch die Musik von Bryce Dessner und David Chalmin sowie Schlusssongs von Nicolas Jaar bis Omega, ist „Hausen“ aufgrund fehlender Helligkeit eigentlich keine besonders treffliche Novemberserie. Doch, was ist schon trefflich an diesem November?

„Hausen“ ist abrufbar bei Sky

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