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Ein Film räumt mit Mantel-und-Degen-Mythen auf

Eine neue TV-Dokumentation untersucht, wie der wahre d’Artagnan den Welterfolg „Die drei Musketiere“ inspiriert hat.

„En garde“ fordert der Held seinen Gegner auf, zu kämpfen. Dumas gefiel’s. Er ließ seine Musketiere besonders viel fechten.
„En garde“ fordert der Held seinen Gegner auf, zu kämpfen. Dumas gefiel’s. Er ließ seine Musketiere besonders viel fechten. © ARTE France

Vertraue den Medien: Als Alexandre Dumas 1844 seinen ersten Musketier-Roman geschäftstüchtig als Fortsetzung in einer Zeitung veröffentlichen lassen wollte, erhob der Chefredakteur Einspruch. Der Titel „Athos, Porthos und Aramis“ sei viel zu kompliziert. Er schlage „Die drei Musketiere“ vor. Dumas sagte zu: Es sei zwar absurd, weil es eigentlich vier Musketiere sind, aber absurd käme immer gut an.

Der Roman wurde ein Welterfolg, von Dumas fortgeschrieben und ist in über 100 Sprachen übersetzt sowie viele Male verfilmt worden. Durch Leinwandstars wie Douglas Fairbanks, Jean-Paul Belmondo und Gene Kelly erlangte vor allem der schneidige d’Artagnan Popularität. Was wenige wissen: Hinter dieser legendären Figur verbirgt sich, wie oft bei Dumas’ Helden, ein realer Mensch – Charles de Batz de Castelmore, genannt Comte d’Artagnan (um 1615 – 1673). Und dessen Biografie ist nicht minder faszinierend wie die des fiktionalen Doppelgängers, wie nun eine neue TV-Dokumentation verdeutlicht.

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Dokumentarfilm untersucht historische Zusammenhänge

Der kleinadlige Comte absolvierte unter Ludwig XIV. eine brillante Karriere als Kommandant von dessen Musketier-Garde. Er legte sich nicht, wie im Roman, mit den Schergen des Kardinals Richelieu an, sondern diente tatsächlich dessen Nachfolger, war Geheimkurier und Beschützer des Sonnenkönigs. Und er fiel im Krieg bei der Belagerung Maastrichts, aber nicht im Degenduell, sondern durch eine Musketenkugel.

Gestützt auf unveröffentlichtes Material aus Archiven untersucht der Dokumentarfilm die historischen Zusammenhänge. Er illustriert diese mit Filmausschnitten und nachgestellten Szenen, mit Gemälden und Radierungen der Epoche sowie Zeichnungen aus Dumas-Romanen.

Klar wird: Die eher trockenen Memoiren des Comte d’Artagnan nahm der Dichter als Rohmaterial. Er ging, wie er es im Vorwort zu den „Musketieren“ auch zugibt, großzügig mit der Wahrheit um. Der strahlende, stets zu Späßen aufgelegte Mantel-und-Degen-Held, wie wir ihn kennen, ist der Fantasie des Autors entsprungen. Wohl gehörte Fechten zur Ausbildung der Musketiere. Ihren Namen verdankten diese allerdings dem eingesetzten Vorderladergewehr.

Ungeachtet dessen: Speziell diese artistisch ausgebauten Fechtszenen begründeten später ein ganzes Leinwandgenre. Selbst den berühmten Wahlspruch der verschworenen Draufgänger-Gemeinschaft gab es nicht. „Einer für alle, alle für einen“ stammt einzig aus Dumas’ Feder.

„D’Artagnan, Musketier im Dienst des Sonnenkönigs“, am 10.4., 20.15 Uhr, 13.4., 15.10 Uhr und 18.4., 14.30 Uhr auf Arte sowie online bis 8.6. verfügbar.

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