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Deutschland & Welt

Fernseh-"Profilerin" muss Expertenkritik hinnehmen

Eine Frau, die in einer True-Crime-Serie als "Profilerin" zu Wort kommt, wurde von einem Experten als unseriös bezeichnet. Vor Gericht wurde nun entschieden.

Arbeitsmaterialien in der Rechtsmedizin.
Arbeitsmaterialien in der Rechtsmedizin. © René Meinig

Frankfurt a.M. Eine für das Privatfernsehen tätige sogenannte "Profilerin", die in einer TV-Serie echte Verbrechen und Verbrecher analysiert, muss die Kritik eines Kriminologen an ihren Analysen hinnehmen. Eine Beschwerde der Frau auf Unterlassen der kritischen Aussagen des Experten sei zurückgewiesen worden, teilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) am Mittwoch mit. Die Frau war zuvor bereits mit Eilanträgen vor dem Landgericht Frankfurt gescheitert. Die Entscheidung ist nicht anfechtbar.

Die Kritik kam laut Gericht vom Direktor der zentralen Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder für kriminologische Forschungsfragen, der sich auf Anfrage einer großen deutschen Tageszeitung im Rahmen eines kritischen Artikels über die "True-Crime-Fernsehsendung" äußerte. Unter anderem habe er dort die Arbeit der "Profilerin" als "in höchstem Maße unseriös" bezeichnet und erklärt, sie habe "mit wissenschaftlich fundierter ... Herangehensweise nichts zu tun".

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Bei den Aussagen des Experten handele es sich um zulässige Werturteile, die im Kontext des Artikels auch keine Schmähkritik oder Formalbeleidigung darstellten, argumentierte das OLG. Der Schutz des Persönlichkeitsrechts der Antragstellerin überwiege nicht das Recht des Antragsgegners auf freie Äußerung seiner Meinung. Die kritischen Anmerkungen hätten dazu gedient "die Allgemeinheit darüber aufzuklären, dass die Darstellungen im Rahmen der Fernsehserie nach Ansicht des Antragsgegners wissenschaftlichen Standards nicht genügen".

Der Fachmann habe sich als Wissenschaftler im Rahmen eines redaktionellen, kritischen Artikels geäußert. Er habe damit weder für sich selbst noch für die von ihm geleitete Forschungseinrichtung werben wollen. Sein Fokus habe vielmehr auf der redaktionellen Unterrichtung der Öffentlichkeit gelegen. Deswegen liege auch kein wettbewerblicher Unterlassungsanspruch vor. (epd)

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