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Heller, bunter, realistischer – die neuen TV-Trends

Die weltweit größte Messe für Unterhaltungselektronik zeigt, dass Fernseher viel mehr können als schöne Bilder zaubern.

Sonys neue Spitzenmodelle der Bravia-Reihe setzen auf aufwendige Bild- und Tonoptimierung mit künstlicher Intelligenz.
Sonys neue Spitzenmodelle der Bravia-Reihe setzen auf aufwendige Bild- und Tonoptimierung mit künstlicher Intelligenz. © Sony/dpa

Von Till Simon Nagel und Andrej Sokolow

Was 2021 bei neuen Fernsehern gut, wichtig oder verzichtbar ist, erfährt man in diesem Jahr per Videostream. Denn pandemiebedingt findet die weltweit größte Fachmesse für Unterhaltungselektronik CES statt im Casino von Las Vegas im Netz statt. Das neue Modelljahr hält spannende technische Details für TV-Nutzer bereit.

Besseres Bild

Das Zauberwort heißt Mini-LED. Größer als die extrem hochpreisigen Micro-LED, aber kleiner als bisherige Leuchtdioden, sollen die Mini-LED mehr Farbe und Kontrast auf die Bildschirme bringen. Die kleinen bunten Leuchtpunkte sind zwar nicht so hell wie bisherige LED, dafür gibt es viel mehr von ihnen. Das sorgt im Ergebnis für genauso viel oder gar mehr Licht und viel klarere Farbabstufungen.

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Ein Beispiel: ein besonders helles Objekt vor dunklem Hintergrund. Auf aktuellen Fernsehern strahlt meist Licht in die dunkle Fläche über – sogenanntes Blooming. Mini-LED sollen diesen Effekt minimieren und den in dieser Hinsicht überlegenen selbstleuchtenden OLED-Displays noch näher kommen. Ob das in der Praxis klappt, können TV-Zuschauer mit dem nötigen Budget in diesem Jahr unter anderem bei den neuen Oberklassemodellen von Samsung, LG oder TCL überprüfen.

Bis die Technik in die Brot-und-Butter-Klasse kommt, wird es noch ein wenig dauern. Fernseher sind inzwischen längst nicht mehr reine Abspielgeräte, sie verfügen auch über zahlreiche Möglichkeiten zur Bildverbesserung. Ganz neu ist das nicht, aber nun soll es noch besser werden. So etwa bei Samsung, Panasonic oder Sony. In den neuen Spitzenmodellen ihrer Bravia-Reihe lässt Sony den Fernseher auf gewisse Art mitschauen. Künstliche Intelligenz sorgt dann für ein optimiertes Bild.

In den neuen Spitzenmodellen von Sonys Bravia-Reihe sorgt künstliche Intelligenz für ein optimiertes Bild.
In den neuen Spitzenmodellen von Sonys Bravia-Reihe sorgt künstliche Intelligenz für ein optimiertes Bild. © Sony

Wenn etwa Gesichter ins Bild kommen, wird die Software sie besonders gut ausarbeiten, vor allem die Augen. Außerdem greift sie auf spezielle Datenbanken zur besseren Darstellung von Texturen wie etwa Fell oder Stein zurück. Auch dafür erkennt das System, welche Objekte oder Lebewesen in welchen Lichtverhältnissen zu sehen sind.

Die Basis dafür liefert ein neuer Chip: Der „kognitive Prozessor XR“. Er soll auch beim Upscaling von Video auf 8K-Auflösung helfen, also dem Hochrechnen von Bildmaterial in die hohe Auflösung des Fernsehschirms. Weil das sehr viel Rechenleistung erfordert, identifiziert der XR-Prozessor Bildbereiche, auf die Zuschauer besonders achten und die deswegen vorrangig optimiert werden.

Realistischerer Klang

Man stelle sich vor: Eine Biene fliegt quer über den Fernsehbildschirm und der Summton ist immer dort, wo sie gerade herumschwirrt. Samsung und Sony zum Beispiel werben bei ihren Spitzenmodellen genau damit. Sonys XR-Chip etwa analysiert die Position des Klangs im Bild, damit der Ton richtig platziert wird. Sony entwickelte bei den neuen Modellen die Technologie weiter, bei der das Display selbst als Lautsprecher-Membran dient.

Samsungs Neo-QLED-Fernseher setzen auf Hintergrundbeleuchtung mit Mini-LED-Technik.
Samsungs Neo-QLED-Fernseher setzen auf Hintergrundbeleuchtung mit Mini-LED-Technik. © Samsung

Bei Samsung heißt die entsprechende Technik Object Tracking Pro, die neuen Fernsehgeräte können dazu auch etwa Sprache klarer ausspielen oder Störgeräusche – wie einen laufenden Staubsauger – erkennen und den Ton anpassen. Und, so das Versprechen: Das soll nicht nur mit speziell aufbereitetem Material funktionieren, sondern mit allen Filmen und Serien.

Schneller spielen

Der Fernseher ist längst auch Ort für etliche Stunden Videospielzeit. Und wie am PC gibt es auch hier noch diverse technische Möglichkeiten, ein kleines Stückchen schneller als die Gegenspieler zu sein.

Panasonic setzt bei den neuen OLED-Modellen etwa auf einem Anzeigemodus mit dem vielsagenden Namen Game Mode Extreme. Er soll besonders schnellen Bildaufbau bieten, damit Spieler schneller reagieren können.
Panasonic setzt bei den neuen OLED-Modellen etwa auf einem Anzeigemodus mit dem vielsagenden Namen Game Mode Extreme. Er soll besonders schnellen Bildaufbau bieten, damit Spieler schneller reagieren können. © Panasonic

Panasonic setzt bei den neuen OLED-Modellen etwa auf einen Anzeigemodus mit dem vielsagenden Namen Game Mode Extreme. Er soll besonders schnellen Bildaufbau bieten, damit Spieler schneller reagieren können. Samsungs Game Bar bietet Spielern schnelle Konfiguration für ihre Titel und erlaubt auch die Anzeige von Ultrabreitbildformaten.

Neue Funktionen

Vier verschiedene Filme gleichzeitig auf einem Bildschirm? Gab es in „Zurück in die Zukunft“ und gibt es bald auch auf Samsungs für Normalnutzer nicht erschwinglichen Micro-LED-Schirmen. Die aktuellen Modelle in bezahlbaren Regionen erhalten dafür echte Hilfen – für Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung etwa. Die 2021er-Modelle erlauben eine Verschiebung von Untertiteln, damit nicht zentrale Bildelemente verdeckt werden. Bis 2022 wollen die Koreaner auch ihren Voice Guide verbessern. Er erleichtert sehbehinderten Menschen per Sprachführung die Bedienung ihrer Fernseher.

Bei LG gibt es in diesem Jahr eine frische Version der Fernsehsoftware webOS. Sie soll Zuschauern bessere Sehempfehlungen liefern, die auf ihren Vorlieben basieren. Dazu gibt es eine neue Fernbedienung namens Magic Remote mit mehr Schnellzugriffstasten für Streamingdienste oder Sprachassistenten. Und die Fernseher verbinden sich mehr mit anderen Ökosystemen. Sony etwa bietet nun auch Zugang zu Apples Smarthome-Lösung HomeKit an und unterstützt Bild- und Tonübertragung via Airplay2. Die Funktionen werden auch für einige Modelle von 2019 und 2020 verfügbar gemacht.

Mehr Nachhaltigkeit

Es ist nur ein kleiner Schritt, aber immerhin gibt es auch ein wenig Nachhaltigkeit. Samsungs neue Fernbedienung hat nun einen Akku und eine Solarzelle. Damit soll die Smart Remote auch durch Innenraumbeleuchtung geladen werden können. So sollen im Laufe des TV-Lebens etliche AAA-Batterien eingespart werden, die sonst auf dem Müll landen würden. Falls die Energiesparlampe im Wohnzimmer nicht genug Licht hergibt, lässt sich die Smart Remote auch per USB laden. Rund ein Viertel des Kunststoffs der Fernbedienung stammt übrigens aus recyceltem Plastik.

Samsungs neue Fernbedienung hat nun einen Akku und eine Solarzelle. Damit soll die Smart Remote auch durch Innenraumbeleuchtung geladen werden können.
Samsungs neue Fernbedienung hat nun einen Akku und eine Solarzelle. Damit soll die Smart Remote auch durch Innenraumbeleuchtung geladen werden können. © Samsung

Und noch ein Schrittchen: Samsungs TV-Verpackungen sind künftig nicht mehr bunt bedruckt und beklebt, sondern aus brauner Pappe mit weißen Textdruck aus Ökotinte. Per Schnittmuster lassen sich die Kartons von bastelwilligen Käufern zu Pappmöbel oder Spielgeräten umbauen, statt im Keller zu landen oder in der Tonne entsorgt zu werden.

Fernseher-Karton wird Katzenhaus. Samsungs neue TV-Verpackungen lassen sich zu Objekten für die Wohnung umbasteln.
Fernseher-Karton wird Katzenhaus. Samsungs neue TV-Verpackungen lassen sich zu Objekten für die Wohnung umbasteln. © Samsung

Höhere Flexibilität

Samsungs modulare Fernseher sind nach wie vor ein absolutes Nischenprodukt und werden es nach Unternehmensangaben zumindest in diesem Jahr auch noch bleiben. Die 2020 in Las Vegas vorgestellten TV-Kacheln zum Zusammensetzen bleiben vorerst Spezialanfertigungen. Für fünfstellige Beträge gibt es noch in diesem Jahr Micro-LED-Fernseher in 110 und 90 Zoll Größe, kleinere sollen folgen. Wegen seiner Größe wird der 110-Zoll-Schirm übrigens zusammengeklappt geliefert.

Der südkoreanische Elektronik-Konzern LG zeigte einen Fernseher, der in einem TV-Möbel zusammengerollt werden kann. Der Samsung-Rivale hat in seinem Livestream zudem das Konzept eines Smartphones präsentiert, das sich auf die Größe eines kleinen Tablets ausrollen lässt. Es wäre die bisher eleganteste Lösung für ein Falt-Gerät: Das Display verschwindet beim Zusammenschrumpfen auf Smartphone-Größe einfach im Gehäuse. Ob die Idee den Sprung von der Konzeptphase auf den Markt schafft, ist bisher unklar. Der Samsung-Rivale scheint allerdings bereits „LG Rollable“ als Marke anzupeilen. (dpa)

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