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"Höhle der Löwen": Dresdner scheitern mit Geld-Pflaster

Auch wenn das "Body-Wallet" bei den TV-Investoren bei Vox durchfiel, glauben die Erfinder weiter an den Erfolg. Der Ansturm nach der Show macht ihnen Hoffnung.

Axel Kosuch (l.) und Christian Schranz aus Dresden wollten die Investoren in der "Höhle der Löwen" für ihre Geldbörse zum Aufkleben begeistern.
Axel Kosuch (l.) und Christian Schranz aus Dresden wollten die Investoren in der "Höhle der Löwen" für ihre Geldbörse zum Aufkleben begeistern. © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Dresden. Ob er sich den Auftritt überhaupt im Fernsehen zumuten soll? Christian Schranz zweifelte. Zu sehr fürchtete der Dresdner, das Filmteam könnte die ganze Sache ins Lächerliche ziehen. Am Ende guckte er doch und wurde positiv überrascht, wenngleich er das nackte Ergebnis ja schon vorher kannte.

Am Montagabend zur besten Sendezeit konnte man Schranz und seinen Geschäftspartner Axel Kosuch dabei beobachten, wie sie den Investoren in der "Höhle der Löwen" auf VOX ihre Erfindung anpriesen: eine wasserfeste Geldbörse aus Vlies, die auf die Haut geklebt wird. Damit könne jeder sein Geld oder seine Kreditkarte am Strand oder beim Konzert sicher verwahren, so die Idee.

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Aufgezeichnet worden war der Auftritt bereits vor einem Jahr, doch erst jetzt erfuhren Millionen TV-Zuschauer von den besonderen Pflastern. In den vergangenen Jahren sind in Briesnitz bereits einige Zehntausend Stück davon produziert worden. Zu kaufen gibt es das Body-Wallet derzeit für zwei bis drei Euro pro Stück auf der Website des gleichnamigen Unternehmens.

Georg Kofler (M.) testete das Geld-Pflaster gleich vor Ort, und amüsierte damit seine Kollegen Carsten Maschmeyer (l.) und Nico Rosberg.
Georg Kofler (M.) testete das Geld-Pflaster gleich vor Ort, und amüsierte damit seine Kollegen Carsten Maschmeyer (l.) und Nico Rosberg. © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

"Mir ist klar, dass das noch zu teuer ist", sagt Schranz, der sich selbst als Privatier bezeichnet und seinen Lebensunterhalt seit Jahren mit den Mieteinnahmen seiner Immobilien finanziert. Durch eine deutliche Aufstockung der Produktion und einen weitgehend automatisierten Herstellungsprozess könne der Preis aber deutlich gedrückt werden.

Von den TV-Investoren wünschten sich die Dresdner nun 100.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Interessiert lauschten die Löwen und Georg Kofler testete das Pflaster sogleich an seinem behaarten Unterschenkel. Das kann allerdings schmerzhaft enden, wie er erfahren musste. Die Pflaster sollten nur auf unbehaarte oder rasierte Stellen oder auf Textilien geklebt werden, betonen die Erfinder.

Kofler überzeugte das nicht. "Ich kann da keinen Mehrwert und kein Geschäft erkennen", sagte er. "Ich bin raus". Der frühere Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg zeigte dagegen größeres Interesse, so ein Pflaster im Strandurlaub zu nutzen. Allerdings sei das nicht sein Fachbereich.

Auch die Models halfen am Ende nicht. Keiner der Investoren ergriff die Chance.
Auch die Models halfen am Ende nicht. Keiner der Investoren ergriff die Chance. © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Die Hoffnung der Dresdner schwand weiter, als auch Carsten Maschmeyer den Kopf schüttelte, nachdem er auf sein Bauchgefühl gehört und beim Gedanken an eine Beteiligung Schmerzen verspürte. Unternehmer Ralf Dümmel lobte die innovative Idee ausdrücklich, störte sich aber an den hohen Forderungen der Gründer. Auch er lehnte ab und überließ Dagmar Wöhrl das Schlusswort, die so freundlich wie deutlich feststellte, keine Begeisterung für das Produkt zu empfinden.

Kein Deal also für Christian Schranz und Axel Kosuch, die ihr Scheitern in der Show tapfer hinnahmen. "Es sollte nicht sein", sagte Schranz im Gehen. Dennoch sei er zuversichtlich, dass sich das Body-Wallet gut verkaufen werde.

Website brach zusammen

Am Tag nach der Ausstrahlung der Sendung ist bei Schranz nichts mehr von Enttäuschung zu spüren. "Einen Investoren im Boot zu haben, hat Vorteile, aber sicher auch Nachteile", sagt der 54-Jährige.

Gelohnt habe sich der Auftritt in der Sendung letztlich auch ohne Deal. "Schon in der Nacht kamen unzählige Bestellungen rein", sagt er. Zeitweise sei gar ihre Website zusammengebrochen. Die Anfragen kämen nun aus allen Richtungen. Auch Vertreter aus der Werbemittel- und der Pharmabranche hätten bereits Interesse angemeldet.

Natürlich wüssten die beiden, dass es in den kommenden Wochen und Monaten nicht von allein so weitergehen wird. "Die Corona-Krise hat uns schon mächtig ausgebremst", räumt er ein. "Wir sind ja vom Tourismus, von Konzerten und Festivals abhängig."

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Mit der ausklingenden Pandemie wollen sie nun aber "richtig angreifen" - oder die Firma bei nächster Gelegenheit verkaufen.

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