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Hallo Hauptprogramm - Jan Böhmermann kommt zurück

Am Freitag startet Böhmermanns Satire-Sendung "ZDF Magazin Royale". Was will er mit der neuen Bühne anfangen? Ein Gespräch über Satire in Corona-Zeiten.

Jan Böhmermann, TV-Entertainer, sorgte unter anderem 2016 mit einem Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan für politische Wellen.
Jan Böhmermann, TV-Entertainer, sorgte unter anderem 2016 mit einem Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan für politische Wellen. © ZDF

Bevor Jan Böhmermann (39) wieder auftaucht, tauchte er erst mal ab. Die alten Social-Media-Kanäle des Satirikers sind offline. Stattdessen gibt es plötzlich den Kanal „realjanboehmermann“ beim Messengerdienst Telegram, der als sichere Plattform für Menschenrechtler, Whistleblower und Journalisten interessant ist – aber auch als Tummelbecken für Anhänger von Verschwörungstheorien gilt.

Vielleicht als Vorbote für seine neue Show „ZDF Magazin Royale“, die am Freitag Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ im Spartensender ZDFneo ablöst. Ein Gespräch über seinen Weg zum „Licht“, Grenzen seiner Show und woran ihn die Pandemie erinnert.

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Herr Böhmermann, was hat es mit dem Kanal „realjanboehmermann“ auf sich?

Das ist mein neuer Telegram-Kanal. Ich habe das Licht gesehen. Folgen Sie mir, wenn Sie wissen möchten, was dahintersteckt.

Die letzte Ausgabe Ihres „Neo Magazin Royales“ lief Ende 2019. War gut oder schlecht, in der Corona-Zeit nicht auf Sendung gewesen zu sein?

Letztlich war das ganze letzte Dreivierteljahr eine große Promo-Phase für unseren Sendungsstart. Jetzt kann ich ja verraten: Das war alles von langer Hand geplant. Wir haben damals sehr aufwendig in Wuhan ein Virus in die Welt gesetzt, damit wir am 6. November sagen können: Leute! Riesen-Fake! Willkommen im ZDF!

Es gab Zeiten, in denen man Ihnen das zugetraut hätte. Was aber unterscheidet das alte vom neuen „Magazin“?

Der große Unterschied ist, dass wir – nachdem wir lange nur geübt haben – jetzt wirklich in den Fußstapfen von Gerhard Löwenthal und seinem „ZDF-Magazin“ wandeln. Wir werden ein antikommunistisches Bollwerk gegen den Verfall der Bundesrepublik sein! Im Ernst: Die Sendung wird etwas fokussierter und kürzer. Wir sind thematisch stärker aufgestellt.

Löwenthal fahndete mit dem „ZDF-Magazin“ nach „schadhaften Stellen in der Demokratie“ – auch Ihr Anspruch?

Tatsächlich habe ich mir auch die ersten Sendungen von Löwenthal angeschaut. Und der Anspruch ist exakt der gleiche. Nur, dass wir ein bisschen lustiger sind.

Dann rechnen Sie mit Gegenwind.

Gegenwind ist mein zweiter Vorname. Das ist die Werkseinstellung von all dem, was mein Team und ich seit Jahren machen.

Es bleibt aber eine Unterhaltungsshow, man darf da schon lachen, oder?

Absolut! Ich bin auch nichts anderes als ein Unterhalter. Ich habe nur den Nachteil, dass ich vor vielen Jahren eine journalistische Ausbildung genossen habe.

Verspüren Sie Druck, weil Sie nun im Hauptprogramm sind? Das haben Sie eingefordert. Sie müssen jetzt liefern.

Wenn mein Team und ich in den letzten Jahren etwas gemacht haben, dann war es liefern. Die Frage ist nur: Was wird geliefert? Am Liefern liegt es nicht. Wir werden auch mit der neuen Sendung zwischen „Scheiße“ und „Richtig gut“ pendeln.

Was ist der Vorteil für Sie, dass Sie jetzt im großen Hauptprogramm laufen? Die Sichtbarkeit? Dass Oma stolz ist?

Für meine Omas – ich habe mehrere – ist es auf jeden Fall wichtig. Die wollen endlich mal abends, wenn sie noch mal raus müssen, im ZDF ihren Enkel sehen. Und tatsächlich ist es so, dass sehr viele Menschen die „heute-show“ gucken. Wir folgen dann direkt danach. Ich sag es mal so: Im Internet lief es für das „Neo Magazin Royale“ schon immer gut, im Fernsehen waren wir ein bisschen an die Grenzen von ZDFneo gebunden. Die fallen jetzt weg.

Die Vorbereitung fiel in Zeiten, in denen persönlicher Kontakt gemieden werden sollte. War das kompliziert?

Es ist ein großes Glück, dass wir einen Job haben, bei dem es zwar schön ist, in einem Raum zu sitzen und sich lustig Bälle hin und her zu schmeißen. Aber den kann man im Zweifel auch von zu Hause aus erledigen. Das ist in Corona-Zeiten ein ganz, ganz großes Glück. Der einzige Nachteil ist, dass wir eigentlich eine Sendung hätten, in die Publikum gehört und ein 16-köpfiges Orchester spielen soll, inklusive Bläser, die als Aerosol-Schleudern gelten. Wie das in den ersten Ausgaben aussehen wird? Es kann sein, dass wir improvisieren müssen.

Wie würden Sie die Stimmung im Land so allgemein beurteilen?

Ich bin Jahrgang 1981 und habe noch Zivildienst geleistet. Ich würde die Zeit, die wir gerade erleben, als kollektiven Zivildienst betrachten, von dem man weiß, dass er noch eine Weile geht. Man wird zwangsweise zu etwas verpflichtet, was nicht das normale Leben ist – man weiß aber, dass es irgendwann auch vorbei sein wird. Ich glaube sogar, der Zeitraum ist ungefähr wie mein Zivildienst, das waren 15 Monate. Dass es innerhalb dieser Zeit Höhen und Tiefen gibt, ist auch klar.

Kann man über Corona Witze machen?

Das muss man sogar. Es gilt: Eine Tragödie über lange Zeit kann nur in Komödie enden. Und auch Schmerz lässt sich am einfachsten in Comedy umwandeln. Er ist der Treibstoff für alles.

Schlagersänger Michael Wendler beschuldigte die TV-Sender, Pandemie- gleichgeschaltet zu sein. Ist Ihre Branche anfällig für Verschwörungsideen?

Ich kann mir schon vorstellen, dass man nach Wochen in der Corona-Isolation bei Telegram Dinge finden kann, die einen vom Weg abbringen können. Und ich glaube, dass ich als aufgeschlossener, naiver Showbusiness-Typ schon anfälliger dafür bin, weil ich sowieso nah am Wahnsinn gebaut bin. Vor allem, wenn man keinen hat, der sagt: „Hör’ mal auf jetzt!“.

Sie haben oft Realität und Erfindung vermischt. Kann das in Zeiten von Verschwörungstheorien ein Mittel sein?

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Nein. Das Thema Fake ist auserzählt. So was würde ich nicht mehr machen.

Interview: Jonas-Erik Schmidt (dpa)

„ZDF Magazin Royale“ läuft ab dem 6. 11. freitags nach der „heute-show“. In der ZDF-Mediathek ist die aktuelle Folge am Sendetag schon ab 20 Uhr abrufbar.

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