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Kabel1 schickt Party-Kids ins Kloster St. Marienthal

Am 14. und 21. Oktober laufen zwei weitere Folgen von "Ab ins Kloster - Rosenkranz statt Randale". Warum die Nonnen mitgemacht haben und wie das Echo ist.

Sarah, Elli und Johnny vor dem Kloster St. Marienthal. Ihre Eltern haben sie zu einer "Erziehungskur" ins Kloster geschickt, ohne Handy, Schminke, Party, Alkohol und Zigaretten - eine Herausforderung.
Sarah, Elli und Johnny vor dem Kloster St. Marienthal. Ihre Eltern haben sie zu einer "Erziehungskur" ins Kloster geschickt, ohne Handy, Schminke, Party, Alkohol und Zigaretten - eine Herausforderung. © © Kabel Eins/Claudius Pflug

Die Klischees zu Beginn der Kabel1-Serie "Ab ins Kloster - Rosenkranz statt Randale" sind so dick wie die Schminke auf den Gesichtern der Jugendlichen: Drei aus der Spur geworfene Teenager - Elli, Sarah und Johnny - rattern mit ihren Rollkoffern über den Weg, der entlang der Neiße zum Kloster St. Marienthal führt.

Mit Attributen wie "tiefste Provinz" oder "abgeschieden von der Zivilisation" wird das Kloster St. Marienthal in die Sendung eingeführt. Als die drei optisch auffallenden jungen Leute - Johnny trägt ein leopardengemustertes Minikleid und Langhaarperücke, Sarah stapft als Punk mit löchrigen Strumpfhosen und schrill gefärbtem Haar daher - am Kloster ankommen, könnten die Gegensätze zur Klosterwelt nicht drastischer sein. Kann ein solches Format für das Kloster St. Marienthal gut gehen?

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Äbtissin Elisabeth Vaterodt weiß, dass sich diese Frage aufdrängt. Auch sie und ihre Mitschwestern haben sich genau das gefragt, bestätigt sie im Gespräch mit der SZ. "Das Fernsehteam hat schon im Sommer 2020 angefragt, aber ich habe die Mail lange nicht beantwortet", erinnert sich die Äbtissin. Aber die Filmleute waren hartnäckig. "Ich habe das dann mit den Schwestern besprochen - beim Thema Fernsehen herrscht meist nicht die große Begeisterung, weil es auch mit den Klausurvorschriften schwierig ist", erklärt sie. Das Echo sei geteilt gewesen unter den Schwestern. Ausschlaggebend für den Entschluss "Gut, wir wollen es versuchen" war am Ende unter anderem, dass auch die Zisterzienserinnen des Klosters Marienkron in Österreich sich an der Sendung beteiligten.

St. Marienthals Äbtissin Elisabeth Vaterodt steht gemeinsam mit einigen Mitschwestern im Mittelpunkt der Serie um Jugendliche ohne Halt. Mit dabei ist auch Schwester Franziska, die bereits im Kloster fünf Jahre lebte, derzeit aber in einer entfernteren Ge
St. Marienthals Äbtissin Elisabeth Vaterodt steht gemeinsam mit einigen Mitschwestern im Mittelpunkt der Serie um Jugendliche ohne Halt. Mit dabei ist auch Schwester Franziska, die bereits im Kloster fünf Jahre lebte, derzeit aber in einer entfernteren Ge © © Kabel Eins/Claudius Pflug

Dreharbeiten nach Corona-Pause im März

Gedreht wurden Sequenzen für die insgesamt drei Folgen der dritten Staffel im März. Äbtissin Elisabeth Vaterodt bestätigt, dass der Termin wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben worden war. Dann aber logierten Kamerateam und die drei Teenager eine Woche im Kloster beziehungsweise im Klostergelände. "Wer die Jugendlichen sind, haben wir erst am Tag der Anreise bei den kurzen Video-Vorstellungen gesehen", schildert die Äbtissin. In der Filmsequenz sagt sie zu Schwester Mechthild kurz nach dem Betrachten der "Lebensläufe" sichtlich nachdenklich: "Kann man nur hoffen, dass der liebe Gott uns die richtigen Worte in den Mund legt."

Dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, sieht die Äbtissin durchaus so. Der Frage, was im Leben dieser jungen Menschen wohl schiefgegangen sein mag, sei man durchaus näher gekommen. Dabei legt die Äbtissin Wert darauf, dass die Szenen echt und nicht nach einem festgelegten Drehbuch abgelaufen seien. Aber natürlich habe man manche Szenen mehrfach drehen müssen, weil verschiedene Kamera-Einstellungen nötig waren. Und doch: "Wenn da Tränen geflossen sind, haben sie wirklich geweint", konstatiert sie.

Ein Beweis, dass sich die Jugendlichen in dieser Woche ebenso geöffnet haben wie die Nonnen, ist für sie eine Szene, die gar nicht gefilmt wurde. "Wir halten jeden Donnerstag Anbetung im Oratorium", erklärt die Äbtissin. Dabei herrsche eine halbe Stunde lang Stille. Das TV-Team und die Jugendlichen waren dabei und haben sich offenbar so geborgen gefühlt, dass sie sogar gebeten haben, das noch einmal zu wiederholen.

Jugendliche haben guten Kern

"Die Jugendlichen haben einen guten Kern", sagt Elisabeth Vaterodt, auch wenn es die Schwestern schon geschmerzt hat, dass sie beim Chorgebet früh um 5 Uhr nicht den nötigen Respekt gezeigt haben. Und doch haben sie Eindruck hinterlassen - vor allem der 19-jährige Mode-Guru Johnny, der sich nahezu das ganze Gesicht mit Botox hat aufspritzen lassen, um seinem Schönheitsideal zu entsprechen. Aber die Nonnen haben rasch gemerkt, dass er intelligent ist und sein Kreuz an der Kette bewusst trage, auch wenn er sich konfessionell nicht gebunden fühlt. Er habe sich auch nach den Dreharbeiten noch einmal bei den Schwestern gemeldet.

Neue Ordensmitglieder sind nach der Aktion zumindest aus der Reihe dieser Jugendlichen nicht zu erwarten. Darum sei es auch nicht gegangen, betont die Äbtissin. "Uns war wichtig, dass wir Zeugnis von unserem Glauben und Leben ablegen und dennoch zeigen, dass wir offen sind", sagt sie. Weder sie noch ihre Schwestern "legen Wert darauf, das zu wiederholen", stellt sie klar, aber "einmal am Puls der Zeit zu sein und zu sehen, warum junge Leute so sind, wie sie sind", sei eine wichtige Erfahrung gewesen.

Dass die Teilnahme "eine Gratwanderung" war, ist Elisabeth Vaterodt absolut klar. Sie ist froh, dass trotz des Formates die Sendung im Kern nicht reißerisch geworden ist. "Wir bereuen es nicht", sagt sie. Und nein, betont sie auf Nachfrage, man habe es nicht gemacht, weil Geld in Aussicht gestellt wurde: "Wir haben abgesehen für die Kosten der Unterbringung für das Team kein Geld bekommen", betont die Äbtissin.

Sehr gemischtes Echo in Region

Das Echo außerhalb der Klostermauern ist in der Tat gemischt. Diskutiert wird über den Auftritt des Klosters und der Schwestern in der Sendung aber eher hinter vorgehaltener Hand. Aus dem Freundeskreis der Abteil St. Marienthal e. V., der am vergangenen Wochenende ein Treffen hatte, heißt es auf Nachfrage bei der Vorsitzenden Maria Michalk, die Äbtissin habe von Dreharbeiten berichtet. Einige Mitglieder schienen die Sendung bereits zu kennen, andere eher nicht. Freundeskreis-Mitglied Matthias Schwarzbach, der in Ostritz lebt, aber nicht zum Treffen kommen konnte, hat Passagen gesehen: "Ich kann es nicht nachvollziehen und bin eher entsetzt, dass das Kloster da mitgemacht hat", sagt er.

Auch der für Ostritz zuständige Pfarrer Michael Dittrich bestätigt, dass das Thema nicht nur aber auch bei den Katholiken in aller Munde sei. Am Sonntag nach dem Gottesdienst habe er viel davon berichten hören, sagt er: "Bei den Meinungen gab es die ganze Bandbreite - die einen fanden es peinlich, die anderen haben sich beim Schauen der Sendung nach und nach entspannt und fanden es nicht schlecht." Viele haben die erste Folge der Sendung aber auch selbst gar nicht gesehen - wie Ostritz' Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) und auch beim Bistum Dresden-Meißen hält man sich zurück.

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In der Tat setzt sich die Klischeehaftigkeit des Einstiegs in der Sendung - in der es auch um andere Jugendliche in anderen Klöstern geht - nicht in dem Maße fort. Zumindest die Nonnen behalten ihre Würde, kommen nicht als Exoten über den Bildschirm. Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen, gibt es am 14. und am 21. Oktober, wenn der zweite und dritte Teil der Staffel ab 20.15 Uhr zu sehen ist.

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