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Frank Schöbel wirft dem MDR Zensur vor

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat Songs gekürzt. Frank Schöbel vermisste eine Strophe, die sich ausgerechnet ums TV drehte. Es folgte eine Empörungsspirale.

Sänger Frank Schöbel, hier 2019 am Rande eines Auftritts im Boulevardtheater Dresden, fühlt sich vom MDR zensiert.
Sänger Frank Schöbel, hier 2019 am Rande eines Auftritts im Boulevardtheater Dresden, fühlt sich vom MDR zensiert. © Sebastian Kahnert/dpa

Eigentlich sollte die Schlagershow „Musik für Sie“ ein Trost in schweren Corona-Zeiten sein. Das Wunschkonzert läuft schon jahrelang beim MDR und wurde kürzlich neu gestaltet. Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen mitbestimmen, welche Lieder sie hören wollen. Das Thema der Ausgabe, die vorigen Freitag 20.15 Uhr lief: Freundschaft. Wichtiger denn je, weil viele Menschen sich gerade nicht treffen können, also sollte gute Stimmung her, so betonten es die Moderatoren Uta Bresan und Peter Heller. Die beiden sammelten im Studio live Zuschauergrüße und Musikwünsche ein. Eingespielt wurden Konserven-Clips aus dem Archiv. Anderthalb Stunden ging es quer durch die Schlager-Welt, es lief alles Mögliche von ABBA bis Roland Kaiser. Alle fröhlich? Fast.

Denn bei einigen hat die Show zu einem Wutanfall geführt. Noch während die Sendung lief, veröffentlichte Frank Schöbel einen zornigen Post auf Facebook. Auch ein Lied des Sängers wurde gewünscht: „Danke liebe Freunde!“ Veröffentlicht hat er das Lied im vorigen Jahr, „als er wie alle anderen Künstler in diesem Jahr sehr schwere Zeiten erlebte“. Der Song wurde in der MDR-Show ebenfalls als Clip eingespielt, allerdings fehlte etwas, eine Strophe im Mittelteil, die sich ausgerechnet ums Fernsehen dreht.

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Ein Auszug:

Machst du gemütlich Fernsehn an
was muss man manchmal sehn
schrein sich fremde Menschen an
schalt ab – danke schön

Vieles verlogen und nicht echt
Wo bleibt nur das Gefühl
Manches ist so ungerecht
Was für ein Spiel

Bei Facebook empört sich Schöbel über die Streichung: „Nur ratet mal warum?“, schreibt er. „Weil sie sich die Jacke angezogen haben. Das erinnert an DDR-Zeiten. (…) Egal, wir kämpfen weiter.“ Unter dem Post sammelten sich schnell Hunderte Kommentare. Viele vermuten „Zensur“. Es gibt Zeilen von Menschen, die Verschwörungen wittern und krasse politische Vergleiche ziehen: „Das sind ja reinste Stasimethoden“, „DDR 2.0“, „Wie in Nordkorea“, „Staatsfernsehen …, Zensur …, wir müssen das beenden, was uns vorgespielt wird. Schlafschafe, Verdummung … Frank, aufrecht bleiben und stark!“, „Diese Verbrecher bekommen alle ihre Strafe“.

Um die Kommentare im Netz kümmert sich niemand, auch nicht um Hetze oder Drohungen. Der Sänger schweigt seither dazu. Wenn man um ein Gespräch mit ihm bittet, kommt eine Absage von seiner Agentur. Schöbel wolle mit der Presse nicht über diesen Vorfall sprechen.

Aber wie war das nun mit seinem Song? Die Clips in der Sendung wirken auf den ersten Blick vollständig, zu sehen sind jeweils Anfang und Ende der Songs. Allerdings wird tatsächlich geschnitten, beim Schöbel-Lied fehlt die besagte Strophe. Einen Hinweis auf Streichungen gibt es nicht. Nachschauen kann man das Ganze nicht, die Show wird nicht in der Mediathek veröffentlicht. Das sei nicht möglich wegen der Live-Anrufe und gezeigter Fotos von Zuschauern, heißt es vom MDR.

MDR: Mehr Zuschauerwünsche erfüllbar

Der Sender erklärt auf Anfrage außerdem, dass Streichungen üblich seien. „In der Wunsch-Sendung ,Musik für Sie‘ werden viele Titel gekürzt, damit die Redaktion insgesamt mehr Titel in die Sendung nehmen und damit mehr Zuschauerwünsche erfüllen kann“, teilt MDR-Unterhaltungschef Peter Dreckmann mit. Gekürzt worden sei nicht nur Schöbel, sondern auch andere Lieder, von ABBA, Patrick Lindner und Maite Kelly.

Die Redaktion kuratiert also die Clips. Doch nach welchem Prinzip greift sie in die Werke ein? Dazu heißt es: „Der Anspruch der MDR-Unterhaltung ist es, durch die redaktionelle Bearbeitung den ,Gesamteindruck‘ des Songs nicht zu verändern.“ Man beachte „neben der musikalischen Bewertung“ auch „die ästhetische Titelumsetzung, wie abwechslungsreich der Song gedreht worden ist“. Und man versuche, das Gerüst des Songs zu erhalten, also „Strophe 1, Bridge und Strophe 3“. Eine zweite Strophe wie bei Frank Schöbel fällt also auch mal weg, so argumentiert der Sender.

Für den Sänger scheint der Vorfall so ungewöhnlich zu sein, dass er einen Wutausbruch bei Facebook hatte. Ob der MDR und Schöbel weiterhin Freunde sind? Zumindest sei der Sänger im Gespräch mit dem Sender, heißt es von seiner Agentur. Er wolle die Sache persönlich klären.

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