merken
PLUS Feuilleton

So war der neue "Polizeiruf" aus Halle

Der „Polizeiruf“ feiert „An der Saale hellem Strande“ 50 Jahre und startet neu durch mit viel Schauspiel und toller Szenerie.

Die Neuen im „Polizeiruf 110“ aus Halle: Kriminaloberkommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth, l.) und Kriminalkommissar Michael Lehmann (Peter Schneider).
Die Neuen im „Polizeiruf 110“ aus Halle: Kriminaloberkommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth, l.) und Kriminalkommissar Michael Lehmann (Peter Schneider). © MDR/Felix Abraham

Von Thomas Schade

Der Mord ist lange her. Vernehmungen, nichts als Vernehmungen, am Ende kein Täter. Doch Tristesse im neuen „Polizeiruf 110“ aus Halle? Weit gefehlt.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

„An der Saale hellem Strande“, so der Titel, erblüht profane Polizeiroutine zu bester Schauspielkunst. Zuständig für das gelungene Debüt sind fast ausnahmslos alle Macher vor und hinter der Kamera. Allen voran Autor Clemens Meyer und Regisseur Thomas Stuber. Beide sorgten 2019 mit „Angriff auf Wache 08“ für Aufsehen, als sie einen „Murot“-Tatort zum aberwitzigen Klassikermix aus Western, Horror und Action machten.

Nun erzählen sie souverän aus der „Polizeiruf“-Geschichte und beginnen zugleich ein neues Kapitel in der Reihe. Dafür erwacht das leer stehende Polizeigebäude am Hallorenring zur Kulisse. Im schmucklosen Büro könnten schon Peter Borgelt als Hauptmann Fuchs oder Jürgen Frohriep als Oberleutnant Hübner gesessen haben. Dokumentiert wird mit Diktiergeräten aus den 1990ern. Andreas Schmidt-Schaller, von 1986 bis 1995 in 33 „Polizeirufen“ Ermittler Grawe für DFF und MDR, taucht als Polizeirentner wieder auf. Gelungene Szenenbilder in Vintage-Optik sorgen für den Look eines Remakes, mit dem der neue Hallenser „Polizeiruf 110“ ins Leben tritt. „Nehm’se Platz, oder ham’se Angst?“. Selbst der erste Satz des neuen Chefermittlers könnte aus Vopo-Zeiten stammen.

Die Wahl der Ermittler, gelungen: Peter Kurth und Peter Schneider. Kurth wartet als KOK Koitzsch nach 40 Dienstjahren auf die Rente und feiert den „Tag der Volkspolizei“. Partner Michael Lehmann, Schwiegersohn vom alten Grave, Krankenpfleger, ist Seiteneinsteiger mit sozialer Ader. Das Raubein und der Softie lassen hoffen.

Unterhaltsam erledigen beide die ermüdende Routine. Nach einer Funkzellenauswertung befragen sie Leute, die einen Mord beobachtet haben könnten. Mit feiner Schauspielkunst zelebrieren die Kommissare ihre Vernehmungen zu hinreißenden, teils skurrilen Begegnungen. Heraus kommen Alltagstragödien, denen stets auch ein Quäntchen Komik innewohnt.

Weiterführende Artikel

"Polizeiruf 110" wird 50 mit neuem Team

"Polizeiruf 110" wird 50 mit neuem Team

Zum Jubiläum der ARD-Krimireihe "Polizeiruf 110" ermitteln starke Kommissare. Es geht ins heutige Halle und in die Historie der Krimiserie.

So entsteht ein fein gemixter Episodenfilm. Er überzeugt durch ausgezeichnete Gastdarsteller wie Herrmann Beyer, Cordelia Wege oder dem Dresdner Schauspieler Torsten Ranft. Nichts wirkt überfrachtet und es bleibt sogar Zeit für Privates wie Koitzsch’s Blind Date mit Lehrerin Monika, das er mit nackigem Hintern im Bett beendet. Ein Polizeiruf, des Jubiläums würdig.

Mehr zum Thema Feuilleton