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Schulfernsehen-Offensive von ARD und ZDF

Lernhilfe in Corona-Zeiten: Ab Montag bieten ARD und ZDF mehr Inhalte an für Schülerinnen und Schüler. Das ist zufriedenstellend – aber mehr nicht.

Nette Lach- und Sachgeschichten, aber: Eine Maus und ein Elefant machen noch kein richtiges Schulfernsehen.:
Nette Lach- und Sachgeschichten, aber: Eine Maus und ein Elefant machen noch kein richtiges Schulfernsehen.: © WDR

Die britische BBC hatte ihren Vorstoß zuerst angekündigt: Das staatliche Fernsehen Großbritanniens wird sein Angebot für Schüler ausbauen, um die Bildungseinrichtungen in Zeiten von Pandemie und Lockdown zu unterstützen. Auch in Deutschland erweitern die Öffentlich-Rechtlichen am Montag, über 30 Jahre nach Einstellung des flächendeckenden Schulfernsehens, ihr Angebot. Allerdings bis auf ARD Alpha, die ihre Lernhilfe schon seit März senden. nicht in den linearen Programmen, sondern nur online.

Bereits am Sonntag hat der Bildungskanal ARD Alpha auf Youtube begonnen, neue Lernvideos unter „alphaLernen“ zur Verfügung zu stellen, weitere sind in Vorbereitung. Zusätzlich weitet der bei ARD Alpha federführende Bayerische Rundfunk sein Angebot in der Mediathek aus. Bislang sind dort über 1200 Lernvideos zu sehen, sortiert nach Schulstufen und Fächern .

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Die MDR-Schulstunde siecht vor sich hin

Das ZDF beteiligt sich ebenfalls an der neuen Offensive des Bildungs-TV. Die Inhalte von „Terra X plus Schule“ in der Mediathek sowie auf Youtube wird erweitert, hinzukommen sollen wöchentlich neue Erklärvideos aus den Fächern Erdkunde, Biologie, Chemie und Physik. Außerdem wird der Kinderkanal von ARD und ZDF „Sonderprogrammierungen“ vornehmen, zunächst für die kommenden drei Wochen.

Auch online bieten SWR und WDR unter „Planet Schule“ Materialien an zu unterschiedlichen Fächern und Themenbereichen, sortiert nach Altersstufen, gut geeignet für den Distanzunterricht. Das Angebot des MDR, die „Schulstunde“ mit eher allgemeinen und wenig spezifischen Inhalten, siecht allerdings im Netz vor sich hin.

Unübersichtlicher Gemüsegarten

So begrüßenswert und wichtig diese Offensive ist; wirklich befriedigen kann sie – noch – nicht. Der Verweis auf die BBC, die ihre Schulprogramme ins reguläre Programm stellt statt nur ins Netz, wäre allerdings unfair. Denn in Großbritannien gibt es, anders als in Deutschland, keinen Föderalismus, auch nicht im Fernsehen. Hierzulande aber ist das Schulwesen derart unterschiedlich strukturiert, dass sich unmöglich bundesweit einheitliche und nutzbare Lernangebote zusammenstellen lassen. Auch die täglich drei Stunden lineares Schulfernsehen auf ARD Alpha sind zwangsläufig nicht spezifisch genug, um den Anforderungen mehrerer Schulstufen und -formen wirklich zu genügen.

Möglich wäre das nur in den Dritten, den Regionalprogrammen, aber gerade dort verbunden mit einem erheblichen Aufwand für die Landessender. Immerhin könnte zumindest einmal intensiv darüber diskutiert werden, ob der Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen nicht dennoch auch Schulfernsehen umfassen müsste, gerade in Zeiten einer Krise.

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Was weiterhin fehlt und auch ohnedem machbar und nötig wäre: eine zentrale Plattform von ARD und ZDF, auf der sich sämtliche Schul-Angebote bündeln, suchen und auch finden lassen. So aber findet auch die neue Bildungsoffensive in einem unübersichtlichen Gemüsegarten statt.

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