merken
PLUS Feuilleton

So spannend wird das Fernseh-Jahr

Viel Sport wie Mord, Murmeln statt Olympia, Comebacks und Abschiede

Zum 75. von Wolfgang Stumph ist der Star Ende Januar wieder als Stubbe zu erleben.
Zum 75. von Wolfgang Stumph ist der Star Ende Januar wieder als Stubbe zu erleben. © Robert Michael

Was für eine Überraschung: Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Quote. Zumindest erreichte sie mit ihrer 16. Neujahrsansprache am Silvesterabend in ARD und ZDF gut neun Millionen Zuschauer – ein Marktanteil von je um die 18 Prozent. In den Vorjahren lag sie bei etwa fünf Millionen. Und sie versprach: „In neun Monaten ist Bundestagswahl, zu der ich ja nicht wieder antreten werde. Dies ist deshalb heute aller Voraussicht nach das letzte Mal, dass ich mich als Bundeskanzlerin mit einer Neujahrsansprache an Sie wenden darf.“ Dabei ist das nicht garantiert: Schon einmal, 2017, hatte Merkel nach den gescheiterten Verhandlungen zu einer Jamaika-Koalition ihre Rede als nur geschäftsführende Kanzlerin gehalten. Dies könnte eventuell auch in zwölf Monaten noch einmal passieren.

Ansonsten bietet das Fernseh-Jahr neben den Standards wie den täglichen Krimis, Frage- und Kochshows eine Menge Experimente, Jubiläen, geänderte Formate, neue Showstaffeln und das Ende des erfolgreichen Dauerbrenners „Um Himmels Willen“ im Frühjahr nach fast zwei Jahrzehnten und 260 Episoden. Eine Auswahl dessen, was auf der Mattscheibe 2021 zu erwarten ist.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Ein Extra für Wolfgang Stumph

Ein großer Sachse wird gefeiert: Am Vorabend des 75. Geburtstags vom Dresdner Schauspieler Wolfgang Stumph sendet das ZDF am 30. Januar ein Special aus der „Stubbe“-Reihe. Dann ist auch Tochter Stephanie Stumph wieder mit von der Partie. In „Tödliche Hilfe“ wird sie als Journalistin um Hilfe bei der Aufklärung des Todes einer pflegebedürftigen Frau gebeten. Vater Stubbe, Kriminalist im Ruhestand, wird natürlich auch aktiv. Stumphs „Stubbe – Von Fall zu Fall“ war von 1995 bis 2014 als Krimireihe ein Straßenfeger.

Zuvor geht es mit Trash los. Das reguläre „Dschungelcamp“ wurde wegen der Corona-Pandemie in Australien abgesagt, und RTL wollte seine C- und D-Promis auch nicht in das internationale Ausweichquartier nach Wales schicken. Stattdessen gibt es ab 15. Januar eine in Deutschland produzierte Show. Die Idee dahinter: Ein Kandidat kann sich mit dem Sieg in der „Dschungelshow“ einen Platz im nächsten normalen „Dschungelcamp“ in Australien sichern. Dschungel-Doktor „Dr. Bob“ wird extra dafür eingeflogen.

Lars Eidinger kehrt als "Tatort"-Gast zurück

Dann geht es Schlag auf Schlag: Die inzwischen dritte Staffel der Serie „Charité“ um das berühmte Berliner Krankenhaus spielt in der Zeit um den Mauerbau 1961. Zu sehen ab Dienstag, 12. Januar, in drei Doppelfolgen im Ersten. Beim „Tatort“ tritt mit Stefanie Reinsperger eine neue Kommissarin im Dortmund-Team an. Im Frühjahr kommt das ganz neue Trio in Bremen mit Jasna Fritzi Bauer, Dar Salim und Luise Wolfram hinzu. In Kiel soll Lars Eidinger als „stiller Gast“ zurückkehren und im Laufe des Jahres der dritte Fall mit Heike Makatsch ausgestrahlt werden. Nach dem „Tatort“-Jubiläum im vergangenen Jahr wird der „Polizeiruf 110“ nun 50 Jahre alt. Dazu gibt es einen Extra-Krimi aus Halle an der Saale im Mai. Beim brandenburgischen Team hört Maria Simon am 31. Januar auf.

Auch gut zu wissen: Straßen- und Saal-Karneval fällt wegen Corona weitgehend aus. Der Südwestrundfunk und vier Mainzer Fastnachtsvereine bereiten dennoch den Klassiker „Mainz bleibt Mainz“ für den Freitag vor Rosenmontag vor – ohne Publikum vor Ort. Mit Blick auf Corona soll der 1973 eingeführte Zusatz „wie es singt und lacht“ wegfallen. Die seit über 50 Jahren übertragene Karnevalssitzung „Düsseldorf Helau“ fällt dagegen aus.

Interessant: Wohl sind fiktionale Eigenproduktionen bei RTL recht selten geworden, aber 2021 steht der Spielfilm „Boris Becker: Sein Weg nach Wimbledon“ in der Pipeline. Darin soll die Karriere der Tennis-Ikone nachgezeichnet werden – von seinen Anfängen bis zum ersten Wimbledon-Sieg als 17-Jähriger im Jahr 1985. Ansonsten wird es viel Sport live geben: aus leeren Stadien und Hallen sowie von den – wenn sie überhaupt stattfinden – um ein Jahr verschobenen olympischen Spielen in Tokio. Und, nach den schönsten Pseudostars und -talenten, gern auch wenig bekleideten C-Promis, will RTL nunmehr einen „Murmel-Champion“ küren. Die neue Show heißt „Murmel Mania“.

Neues vom „Bahnhof Zoo“

Und ganz klar verstärkt sich der Trend, dass man ohne Zugang zu Streamingdiensten spannende Filme, Reihen und Informationsformate verpasst: Beispiele: Ab 19. Februar zeigt Amazon Prime Video „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als Serie. Federführende Autorin ist Annette Hess, die bei „Weissensee“ und „Ku’damm 56“ schon viel Erfolg mit klug erzählten, historischen Stoffen vor Berliner Kulisse hatte. Nach dem Datingshow-Erfolg „Prince Charming“ für Schwule kommt laut RTL „auf vielfachen Wunsch von Publikum und Bewerbungskreis“ auf der Streaming-Plattform TVnow eine Show nur mit Frauen. Und in „Terra Vision“ greift Netflix eine Geschichte über den Beginn des Internets auf. Der Vierteiler unter anderem mit Mark Waschke zeichnet den Kampf junger Computerentwickler gegen den Giganten Google um die Erfindung des „Google Earth“-Algorithmus nach. (mit dpa)

Mehr zum Thema Feuilleton