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So war der „Polizeiruf 110“ aus München

Der brillante "Polizeiruf 110 - Frau Schrödingers Katze" verbindet Humor mit Sozialstudie - und flirtet mit der Quantentheorie.

Kommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) hilft eigenhändig bei der Suche nach Frau Schrödingers Katze. Was harmlos anfängt, wird ihr dritter, bisher schwierigster und schönster „Polizeiruf 110“-Fall.
Kommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) hilft eigenhändig bei der Suche nach Frau Schrödingers Katze. Was harmlos anfängt, wird ihr dritter, bisher schwierigster und schönster „Polizeiruf 110“-Fall. © BR

Von Rainer Kasselt

Wenn eine Katze Pandora heißt, kann die Geschichte nicht gut ausgehen. Man weiß ja aus der griechischen Mythologie, dass in der Büchse der Pandora alles Übel der Welt steckt. Folgerichtig löst die Suche nach der ausgebüxten Katze einer alten Dame tödliche Verwicklungen aus. Mittendrin die junge Streifenpolizistin Bessie Eyckhoff, die es gut mit der einsamen Frau meint und Vermisst-Steckbriefe plakatiert. Sie ahnt nicht, dass am Ende mehrere Tote zu beklagen sind und sie sich mitschuldig fühlen wird.

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Rettung durch Pfefferminzbonbons

Der Münchner „Polizeiruf 110 – Frau Schrödingers Katze“ pendelt zwischen schwarzer Komödie und tragisch-komischer Sozialstudie. Kino-Regisseur Oliver Haffner mag eigentlich keine Krimis und bedauert deren Überfülle im Fernsehen. Er erzählt in seiner ersten TV-Produktion eine leise und augenzwinkernde Geschichte über das „kriminelle Potenzial des Kleinbürgertums“. Frau Schrödinger ist eine herzkranke, freundliche Dame über 80. Sie lebt allein in einem hübschen Haus, das ihr ein geldgieriges Ehepaar und ein abgebrühter Notar abluchsen wollen. Der fiese Plan ihrer Ermordung scheitert an belebenden Pfefferminzbonbons.

Großartige Darsteller

Die Gerettete wird humorvoll und altersweise von der großen Münchner Darstellerin Ilse Neubauer gespielt. Besonderen Pfiff erhält der Film durch den Flirt mit Werner Heisenbergs Quantentheorie, die besagt, dass „alles mit allem verbunden ist“. Überdies spielt der Titel des Polizeirufs ironisch mit dem philosophischen Katze-in-Kiste-Experiment des Physikers Erwin Schrödinger von 1935. Autor Clemens Maria Schönborn übertreibt den Exkurs jedoch nicht und schildert realistisch, wie alte hilflose Menschen häufiger Opfer von Betrügern werden.

Furioses Finale

Bessie Eyckhoffs dritter Fall ist ihr bisher schwierigster und schönster. Was tun, wenn alles zugleich gut und schlecht sein kann? Sie bändelt mit dem charmanten Physiker Adam an und drängt den Schüchternen sanft, aber bestimmt ins Hotelbett. Eine berückende Szene. Die famose und facettenreiche Salzburger Schauspielerin Verena Altenburger zeigt die Figur als selbstbewusste, moderne Frau. Mit ihrer emotionalen und spontanen Art eckt sie bei den männlichen Kollegen an. Bessie lässt sich nicht beirren, folgt ihrer Intention und sorgt für ein furioses Finale samt Heimkehr von Frau Schrödingers Katze. Ende gut, fast alles gut. Der antiken Pandora zum Trotz.

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