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So war der "Tatort" aus der Schweiz

Der Krimi am Sonntag setzt auf Frauen, die sich nicht grün sind und dennoch prima zusammenpassen.

Keine Freundinnen: Es knirscht schön zwischen den beiden neuen „Tatort“-Ermittlern Tessa (Carol Schuler, l.) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher), die jetzt in Zürich Gangster jagen.
Keine Freundinnen: Es knirscht schön zwischen den beiden neuen „Tatort“-Ermittlern Tessa (Carol Schuler, l.) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher), die jetzt in Zürich Gangster jagen. © ARD

Nach acht behäbigen Jahren war Schluss für den „Tatort“ aus Luzern. Maue Quoten, brave Figuren und wenig Spannung prägten die Fälle. Ausnahmen wie „Die Musik stirbt zuletzt“ bestätigten die Regel. Umso größer die Erwartungen für den Neustart. Und der fällt beachtlich aus. Mit neuem, frischem Team wird nun in Zürich ermittelt. Der „Tatort: Züri brännt“ verwendet nur im Titel Schwyzerdeutsch, ist sonst gut verständlich. Der erste Fall erzählt ein „Verbrechen aus der Wohlstandsgesellschaft“, so Regisseurin Viviane Andereggen. Der Film schaut mit Originalaufnahmen kritisch zurück auf die 1980er-Jahre, als wütende Jugendliche auf der Straße protestierten. Der Züricher Stadtrat hatte Millionen Franken für das Opernhaus genehmigt und keinen müden Rappen für ein Jugendzentrum.

Vierzig Jahre später holt die Vergangenheit einige damalige Akteure ein. Die Kommissarinnen bekommen es mit einer mysteriösen Brandleiche zu tun. Für Aufregung sorgt ein Paket, das der Kriminalchef auf seiner Abschiedsparty erhält. „Bombe oder Pizza?“, scherzt er, dann rollt ein Totenschädel übers Parkett. Nach langem Hin und Her finden die Ermittlerinnen heraus, dass es sich um den Kopf der Polizistin Eva handelt, die als verdeckte Ermittlerin in die Demonstranten-Szene geschleust wurde und 1980 spurlos verschwand. Spätestens an dieser Stelle ahnt der krimigestählte Zuschauer, dass der smarte Reviervorsteher tief in den Mordfall verwickelt ist. „Die Bewegten von früher sind die Etablierten von heute“, sagt er vielsagend. 

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Wie es sich für den Krimi gehört, werden einige Verdächtige aufgefahren: der Ex-Freund der Polizistin, deren trauriger Bruder und ein untergetauchter Mitwisser. Im Zentrum der temporeich inszenierten Geschichte aber stehen die ungleichen Ermittlerinnen. Die brünette und unerfahrene Profilerin Tessa Ott stammt aus wohlhabendem Hause und wird von einer karrieristischen Staatsanwältin protegiert. Ihre blonde und zielstrebige Kollegin Isabelle Grandjean kommt aus einfachen Verhältnissen.

Es knirscht schön zwischen beiden. Isabelle wird von Anna Pieri Zuercher lässig und mit französischem Akzent gespielt. Sie stellt die Jüngere an, behandelt sie herablassend. Doch Tessa, von Carol Schuler rebellisch und emotional angelegt, kann sich clever behaupten. Auf unterschiedliche Weise, die eine mehr mit dem Bauch, die andere mit dem Kopf, gelangt das Duo zum Ziel – und ergänzt sich prima. Man kann nur hoffen, dass die Kommissarinnen sich weiterhin aneinander reiben und nicht etwa zu Freundinnen werden.

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