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So war der "Tatort" aus Wien

Mehrere Leichen und diverse Verschwörungstheorien machen noch lange keinen spannenden Sonntagabendkrimi.

Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in einer Szene des "Tatort: Krank".
Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in einer Szene des "Tatort: Krank". © ARD/Degeto/ORF/Lotus Film

Fühlen Sie sich gesund? Dann sind Sie nur noch nicht gründlich untersucht worden! Wer sicher gehen will, holt eine zweite Meinung ein, und wer es ganz genau wissen will, lässt sein Geld außerdem beim Wunderheiler.

Aber der hat hohen Blutdruck. Deshalb trägt er ein Implantat vom Feinsten. Mit diesem winzigen Gerät werden Puls und Blutdruck lückenlos überwacht. In Minutenschnelle könnte ihm im Fall des Falles geholfen werden. Dass er trotzdem am Schlaganfall stirbt, mögen zynische Zungen ausgleichende Gerechtigkeit nennen. Aber sein Tod hat weniger etwas mit moderner Technik als vielmehr mit den gierigen Menschen um ihn herum zu tun. Im Grunde ist sein Ableben nur ein Kollateraldelikt.

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Bibi Fellner und Moritz Eißner ermitteln ursächlich, weil ein kleines Mädchen gestorben ist, dessen Vater die schulmedizinische Behandlung der Tochter ablehnte. Über dieses heikle Thema kann man stundenlang diskutieren, das Für und Wider von alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden erörtern. Aber mehrere Leichen und diverse Verschwörungstheorien machen noch keinen spannenden Sonntagabendkrimi. Drehbuchautor Rupert Henning, der auch Regie führte, greift tief in die Klischeekiste.

Erst bringt er Moritz Eisner beinahe um und dann ein Bibelzitat nach dem anderen. Das sonst so herrliche Gefrotzel der beiden Ermittler und auch mit ihren Kollegen in der Mordkommission wirkt an manchen Stellen so bemüht, wie die Geschichte um die kolumbianische Mutter mit Karateausbildung und Schießeisen konstruiert ist. Eindimensional angelegte Alternativmediziner, die nichts anderes wollen, als den Patienten das Geld aus der Tasche zu ziehen, und auch der Staatsschutz bleiben blass.

Szenische und zeitliche Überblendungen wirken optisch interessant, sind aber wohl nur ein Zugeständnis an die, die andauernd zum Kühlschrank müssen. Lichtblicke im Dunkel der Paramedizin sind die Akteure. Neben Adele Neuhauser, die als Bibi in einer neuen Jacke steckt, und Harald Krassnitzer, der als Moritz Rücken hat, bewegen sich im heilenden Dunstkreis auch Charakterköpfe wie Martin Leutgeb. Er spielt einen Chiropraktiker, der sieht, was Eisner fehlt. Ließe sich Moritz von ihm behandeln, wäre das eine hübsche Pointe. Aber leider, es kommt schlimmer: Auch Bibi verhebt sich.

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