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So war der "Tatort" mit Borowski

In „Borowski und die Angst der weißen Männer“ geht es ins rechts angehauchte Milieu der „Incels“, und der Kommissar überzeugt als Feminist.

Schwere Frauentagskost. Am Ufer eines alten Hafenbeckens finden Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) die misshandelte Leiche einer jungen Frau.
Schwere Frauentagskost. Am Ufer eines alten Hafenbeckens finden Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) die misshandelte Leiche einer jungen Frau. © ndr/ARD

Von Thomas Schade

Mario Lohse ist ein Loser. Kein Depp, als Parkwächter unterfordert, gut anzusehen, aber verklemmt. Verstört, weil er bei Mädchen nicht landen kann. Unerfüllte Sexwünsche treiben Mario in den Hass auf Frauen und zu Hank Massmann. In Workshops und Internetforen des selbst ernannten Männerrechtlers radikalisieren sich Männer wie er. Sie nennen sich „Incels“ – „involuntary celibates“, Männer, die unfreiwillig im Zölibat leben.

Der Tatort „Borowski und die Angst der weißen Männer“ führt in diesen Dunstkreis aus Rassisten und Frauenfeinden. Sie gerieren sich als Opfer des Feminismus und ziehen im Film nachts in weißen Overalls los, um ihren Anspruch auf bedingungslosen Sex mit Gewalt durchzusetzen.

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Aufgeputscht von antifeministischen Tiraden und entschlossen, den „Schlampen“ zu zeigen, wer die Hosen an hat, trifft Mario eines Abends im Kieler Club „Paradise“ auf Meike. Am nächsten Morgen liegt die 21-Jährige misshandelt und tot am Ufer eines alten Hafenbeckens. Auf verschiedenen Spuren tasten sich die Ermittler in das frauenfeindliche Milieu vor.

Die Kommissare mit Mario Lohse.
Die Kommissare mit Mario Lohse. © dpa

Axel Milberg verpasst seiner Rolle ausgesprochen feministische Züge, die der Tatort-Fan dem eher brummeligen Borowski kaum zugetraut hätte. Als Protagonisten des Milieus überzeugen vor allem Joseph Bundschuh als Mario Lohse und Arnd Klawitter als Männer-Guru. Bundschuh (31) überzeugt als gedemütigter, mitleiderregender, hilfsbereiter Parkwächter ebenso wie als völlig ausrastender Frauenhasser, der sogar „Vicky“ brutal niederschlägt, die Erste, die ihn mag. „Vicky“ wird von Mathilde Bundschuh gespielt, der Schwester des Gaststars. Beide stammen aus Plauen.

Kontrapunkt zum Gefühlschaoten Mario ist Massmann, von Arnd Klawitter überzeugend gespielt als eloquenter, gefühlskalter und zynischer Demagoge, der dem Milieu verbal das Gewaltpotenzial injiziert. Beide Antihelden spielen auf Augenhöhe mit Borowski und seiner Assistentin, ohne ihnen den Rang abzulaufen. Nicolle Weegmann (Regie) und Peter Probst (Buch) ist ein Tatort gelungen, der bist zum Schluss spannend bleibt und ein dramatisches Finale bereithält.

Der Sendetermin zum 7. März war natürlich kein Zufall. Aber man darf zweifeln, ob die ARD ausgerechnet zum Frauentag den Antifeminismus thematisieren musste. Dem NDR ist es gelungen, ein eher unterbelichtetes Phänomen eindrucksvoll ins Bewusstsein zu rufen.

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