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So war der "Tatort" aus Berlin

Genervte Ermittler, verzweifelte Mieter und krasse Bilder aus dem echten Leben: Der „Tatort“ aus Berlin verzichtet auf Lichtblicke.

Haben zwar überfallartigen Sex, jedoch nicht den besten Draht zueinander: Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) ermitteln im Mordfall, dem ein fieser Vermieter zum Opfer fiel.
Haben zwar überfallartigen Sex, jedoch nicht den besten Draht zueinander: Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) ermitteln im Mordfall, dem ein fieser Vermieter zum Opfer fiel. © RBB

Wie der Jubiläums-„Polizeiruf“ vergangenen Sonntag spielt dieser Berliner „Tatort“ hauptsächlich in einem prekären Milieu. Wenigstens gab es zuletzt in Halle ein paar skurrile Situationen beim seltsamen Treiben dieser schrägen Typen, somit also durchaus Gelegenheit, grinsend durchzuatmen. Hier wiederum schlägt einem die Geschichte nur auf den Magen, konsequent wie nachhaltig. Und genauso soll es zweifellos sein.

Ein bisschen Sendungsbewusstsein schadet nicht; der Film will eben nicht nur leicht verdauliche Unterhaltung sein, sondern über die Krimi-Brücke den Zuschauerblick auf massive Verwerfungen rund ums Wohnen in deutschen Großstädten lenken. Vielleicht ploppen die eingeblendeten echten Problemfälle manchmal etwas sehr unvermittelt auf, vielleicht ist die Schlagzahl zu hoch, vielleicht fragt sich mancher gar, was ein echtes Obdachlosen-Schicksal in der Filmfiktion soll.

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Diese reale Ebene verpasst dem weder raffiniert inszenierten noch Action-reichen oder hammermäßig spannenden „Tatort“ jedoch seine besondere Dringlichkeit. Ein origineller Ansatz fern aller 08/15-Plots. Selbst wenn die Ermittler, wie üblich in Berlin, grundsätzlich genervt sind. Merkwürdig nur, dass Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) diesmal Sex haben, einmal regelrecht überfallartig, sich dennoch weiter siezen und im Job selten an einem Strang ziehen.

Nach einer rabiaten Zwangsräumung wird Gülay Ceylan tot vor einem seiner Häuser im Wedding gefunden. Schnell ist den Polizisten klar: Der Immobilienmann fiel nicht eben so vom Balkon, da hat jemand mit einem Schlag gegen den Kopf nachgeholfen. Ein Mordmotiv haben nahezu alle in Ceylans Umfeld. Ließ der Mann doch nicht nur einen missliebigen Hausbewohner samt Familie rausschmeißen. Er drohte, trickste, log. Er forderte aus schierer Freude an seiner Machtposition sexuelle Gefälligkeiten von Mieterinnen ein und versuchte sich zudem in Grauzonengeschäften.

Die finale Auflösung verstrickt sich in das parallel laufende Beziehungsdrama einer alleinerziehenden Mutter. Was Nina Rubin dazu bringt, bewusst ein falsches Geständnis als wahr stehen zu lassen, weil es etwas Hoffnung bedeuten würde. Doch Hoffnung ist hier für keinen drin – weder für die Krimi-Protagonisten noch für die Opfer des realen Mietwahnsinns.

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