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So war der Tatort aus Wien

Der Krimi am Sonntag war diesmal 08/15. An der Donau löst Fredo den Fall und verlässt dann Eisner und Fellner – demütig und unspektakulär, wie immer.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) in einer Szene aus "Tatort - Unten".
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) in einer Szene aus "Tatort - Unten". © ARD Degeto/ORF/Superfilm

Von Thomas Schade

Die Botschaft der Sackerl-Grete ist bedrückend wahr: „Wenn Du ganz unten bist, dann ist nix mehr, wie es früher einmal war.“ Sozial „Unten“, so der Titel, beginnt der 26. Fall des Wiener Duos Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Investigativ-Journalist Aigner war stets hinter Leuten von oben und krummen Geschäften her. Dafür haben sie ihn fertiggemacht und in den „Lebensraum“ getrieben, wo Obdachlose eine Bleibe finden und öfter streiten. Nun ist Aigner tot. Ein 08/15-Fall in den Niederungen gestrauchelter Existenzen, kündigt Chef Ernstl schon mal an. Dass der Oberst und die Majorin am Ende oben auf der sozialen Leiter stehen, haben sie vor allem Fredo zu verdanken, ihrem stets loyalen, etwas tollpatschigen, aber fast untertänigen Inspektor Schimpf (Thomas Stipsits).

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Seit 2012 erledigte der 38-jährige Kabarettist Stipsits die Kleinarbeit für Fellner und Eisner, war meist Erster am Tatort, hat für die Internetmuffel mit den neuen Medien gekämpft und erledigt, wozu sich die Vorgesetzten zu fein waren. Seine Rolle sei „auserzählt“, so Stipsits, Aber er sei „eine unglaubliche Bereicherung gewesen, sagte Krassnitzer.

In seinem letzten Fall steht Fredo ebenbürtig neben Bibi und Moritz. Beiden nehmen ihn bildgewaltig in die Mitte. Er bringt sie auf die Spur nach „oben“ zur skrupellosen Heimärztin. Die Mörderin im weißen Kittel verhilft Reichen illegal zu Spenderorganen. Dabei verschwinden Obdachlose.

Vor allem die Figuren aus dem Milieu, die Sackerl-Grete (Inge Maux), Tina (Maya Unger) und ihr Freund Indie (Michael Steinocher) bieten den Stars vom Bundeskriminalamt Paroli. Die Gäste brillieren in den Episoden, die von Regisseur Daniel Prochaska kraftvoll in Szene gesetzt werden.

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So sorgt gerade das Milieu dafür, dass dieser Wiener Tatort nicht ins 0815-Niveau abgleitet. Denn vom gewohnt grantigen Eisner ist wenig zu sehen. Die hippelig Bibi ist so was von solide, hat lediglich die Haare schön. Und aufmüpfige Wortgefechte mit Chef Ernstl Rauter degenerieren zum Rapport. Nur ironische Untertöne erinnern noch an die einst spitzfindige Dialogkunst.

Vorsicht ORF: Altersmilde würde dem Wiener Tatort und seinen Protagonisten keineswegs gut zu Gesicht stehen.

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