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Das tote Kind im "Tatort"-Schrank

Der neue Franken-Fall mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs ist ein ebenso bewegendes wie glänzend gespieltes Krimidrama.

Harter Fall für Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs): In einem
Keller wird die Leiche eines Fünfjährigen gefunden. Alles deutet auf ein
besonders tragisches Drama hin.
Harter Fall für Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs): In einem Keller wird die Leiche eines Fünfjährigen gefunden. Alles deutet auf ein besonders tragisches Drama hin. © BR/Claussen+Putz Filmproduktion

Kommissarin Paula Ringelhahn, Ende fünfzig, hat sich Knall und Fall verliebt. In den sympathischen Bamberger Lehrer Rolf, der in einem kleinen Haus am Wald lebt. Sie wacht nach der ersten gemeinsamen Nacht wie im Rausch auf, lächelt versonnen, räkelt sich zufrieden. Er steht schon in der Küche, hält drei Speisen bereit: Rührei, Spiegelei und Ei im Glas. Er hatte vergessen zu fragen, was sie zum Frühstück mag. Eine zauberhafte Szene. Staunend, gelöst und heiter von Dagmar Manzel und Sylvester Groth gespielt. Zwei reife Menschen, die aufblühen und ihr spätes Glück kaum fassen können. Es ist von kurzer Dauer.

Im Keller des Hauses wird der fünfjährige Mike tot in einem Schrank gefunden. Der Lehrer ist unschuldig, doch der Kommissarin kommen Zweifel. Sie hat in ihrem Beruf zu oft in menschliche Abgründe geblickt. Der Verdacht zerreißt sie fast. Im siebenten Franken-„Tatort – Wo ist Mike?“ geht es um vergessene Kinder, gemeinen Rufmord und eine zerbrochene Liebe. Besetzt mit Schauspielern aus der Exquisit-Abteilung, bis hinein in die Nebenrollen. Die blaustichige, dunkle Bilderwucht verstärkt die Düsternis der Vorkommnisse. Der Film von Regisseur Andreas Kleinert ist ästhetisch anspruchsvoll: pointierte Dialoge, schnelle Schnitte, verrätselte Vor- und Rückblenden.

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Die Hilfsaktion endet als Tragödie

Der kleine Mike rennt weg, weil er die Schläge, Schreie und Wutausbrüche seiner Eltern nicht mehr aushält. Ebenfalls auf der Flucht ist der 17-jährige psychisch gestörte Titus, der sich seiner harschen Mutter und ihrem selbstsüchtigen Kontrollzwang entzieht. Simon Frühwirth spielt den jungen Mann, der im Wahn mit seiner imaginären Freundin spricht, schmerzhaft intensiv. Titus will Mike vor Gewalt schützen, versteckt ihn im Schrank und löst eine Tragödie aus.

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Der Lehrer, dem Schüler sexuelle Belästigung unterstellen, wird vom Dienst suspendiert. Etwas bleibt bei so schweren Beschuldigungen immer hängen. Er denkt an Freitod und spielt ihn mit einer grausigen Autofahrt in Gedanken durch. Kommissar Felix Voss ist Ruhepol und Anker in diesem Krimidrama. Hintergründig und feinsinnig von Fabian Hinrichs verkörpert. Urkomisch, wie er an der Tür des Lehrers klingelt und verblüfft Paula in der Wohnung entdeckt. Der schlaksige Ermittler hilft seiner arg gebeutelten Kollegin mit seinem Vertrauen auf die Beine. Hat sie auch die Liebe verspielt, bleibt ihr der Trost eines treuen Freundes.

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