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So war der Tatort aus Köln

Die Vergangenheit zeitigt gravierende Folgen – auch für den Assistenten der Kölner Mordkommission.

Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind zum Einsatz gerufen worden.
Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind zum Einsatz gerufen worden. © WDR Kommunikation/Redaktion Bild

Eine Weinbergschnecke kriecht über Jüttes Tastatur. Klar, dass sich der Assistent der Kölner Mordkommission von seinen Kollegen Ballauf und Schenk spitze Vergleiche anhören muss. Doch diesmal tun sie ihm Unrecht.

Norbert Jütte, gespielt von Roland Riebeling in atemberaubender Langsamkeit, war in seinem früheren Leben bei der Sitte in Wuppertal. Als in Köln eine Frau mit mehreren Messerstichen ermordet, ja regelrecht übertötet wird, muss Jütte sich an seinen schlimmsten Fall in Wuppertal erinnern. Es geht ihm richtig dreckig damit. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb stellt er den Turbo an und ist kaum wiederzuerkennen. Ein Serienmörder ist unterwegs, der Frauen auf offener Straße nicht nur umbringt, sondern regelrecht übertötet.

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Hätte die Kleidung stutzig machen können?

Was diese Frauen verbindet: Sie sind Mütter, und sie leben mit einem aus der Haft entlassenen Schwerverbrecher zusammen. Per Brieffreundschaft haben sie die Männer kennengelernt, sie in der Haft besucht, sich in sie verliebt und alle Warnungen von Verwandten und Freunden, sogar die Ängste ihrer Kinder in den Wind geschlagen. Was sie am Bösen wirklich reizt, bleibt unklar, weil man über das Vorleben der Frauen, ihre Väter, ihre Enttäuschungen, ihre gescheiterten Beziehungen kaum etwas oder eben gar nichts erfährt. Nur die Gefängnis-Psychologin und Gutachterin, die diese Brieffreundschaften organisierte, darf das Phänomen ganz allgemein erklären. Entfernt erinnert dieser „Tatort“ an jenen Film, in dem die Assistentin Franziska ermordet wurde, die sich ehrenamtlich als Bewährungshelferin engagierte. Das Wasser reichen kann „Der Reiz des Bösen“ dem Film „Franziska“ von 2014 nicht, aber er ist ein solider Sonntagabend-Krimi.

Zwei dieser Liebesgeschichten, die im Gefängnis anfangen und in der Freiheit problematisch werden, aber nicht enden, erzählt der Film parallel. Regisseur Jan Martin Scharf, der mit Arne Nolting das Drehbuch schrieb, lässt die Zuschauer bis kurz vor Schluss in dem Glauben, dass diese Geschichten nahezu zeitgleich ablaufen. Vielleicht hätte die Kleidung einen stutzig machen können? Oder die Wohnungseinrichtung? Oder der Knast? Letzteres ist am unwahrscheinlichsten. Immerhin hat die Maske bei Picco von Grote so überzeugende Arbeit geleistet, dass der Überraschungseffekt gelingt.

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