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So war der neue "Tatort" aus Bremen

Die drei neuen Ermittler in Bremen sind schlagfertig, ehrgeizig, hartnäckig und unglaublich schnell - müssen aber erstmal zueinander finden.

Das Ermittler-Team Linda Selb (Luise Wolfram, l-r), Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Mads Andersen (Dar Salim) müssen im "Tatort: Neugeboren" erst zueinander finden.
Das Ermittler-Team Linda Selb (Luise Wolfram, l-r), Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Mads Andersen (Dar Salim) müssen im "Tatort: Neugeboren" erst zueinander finden. © Radio Bremen

Ambitioniert geht das neue „Tatort“-Team in Bremen ans Werk: Aus einer Klinik wird ein Neugeborenes entführt und kurz darauf die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Liv Moormann kommt morgens in der Bremer Mordkommission an und nicht mehr aus dem Mantel raus, obwohl es erst mal ein Einstellungsgespräch geben sollte.

Mads, ein alter Hase, hat seinen Koffer gepackt und will zum Zug nach Kopenhagen. Aber der Chef lässt ihn nicht fahren. Personalmangel. Die Neue heftet sich an seine Fersen. „Der Frischling und der Wikinger machen ihre Sache gut“, lobt die Dritte im Bunde. Linda Selb, die „Wunderwaffe vom BKA“, ermittelt schon zum sechsten Mal in Bremen und hat einst ihrem Kollegen Stedefreund den Kopf verdreht. Luise Wolfram spielt das Superhirn, das sich einen intelligenten Verbrecher wünscht, eine echte Herausforderung auf Augenhöhe.

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Aber in dem Milieu, in dem „Neugeboren“ spielt, hat sie es mit einem trinkenden Ex-Fußballer zu tun, drei drogensüchtigen und dealenden Halbintellektuellen, einer Mutter, die ihr Neugeborenes nicht lieben will, und zwei jungen Frauen, für die Kinder ein Statussymbol sind, um sich und der Welt zu beweisen, dass dieses Leben total in Ordnung ist.

BKA-Expertin Linda Selb (Luise Wolfram, M) erläutert Mads Andersen (Dar Salim, l) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, r), was die Tatort-Analyse ergibt.
BKA-Expertin Linda Selb (Luise Wolfram, M) erläutert Mads Andersen (Dar Salim, l) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, r), was die Tatort-Analyse ergibt. © Radio Bremen

Selb macht ihren Job mit messerscharfer Ironie und gnadenlosem Selbstvertrauen. Eine seltsame Person. Die Mimik von Luise Wolfram spricht Bände. Als Mads während einer Verfolgungsfahrt aus ihrem Auto auf die Ladefläche eines Pickups springen will, warnt sie ihn: „Das ist wahnsinnig, das könnte dich killen“. Ihr Blick sagt: „Wow, was bist du doch für ein geiler Typ, nun spring!“. Auch Mads, der Mann mit der undurchsichtigen Vita, ist nicht auf den Mund gefallen. Seine Ermittlungsmethoden sind nicht die feinsten, aber erfolgreich. Dar Salim spielt den Dänen, der aussieht wie ein Araber und erst dann kraftvoll zuschlägt, wenn sein Kontrahent auch den dritten Warnschuss nicht hören will.

Jasna Fritzi Bauer ist Liv Moormann, die die deutsche Normgröße für Polizistinnen deutlich unterschreitet. Ihren Platz in der Mordkommission erkämpft sie sich mit cleveren Aktionen und coolen Sprüchen. Insgesamt sind die Dialoge intelligent, witzig. Sie wirken nicht überdreht, zumal der Film ab und an auch schweigt. Wenn Bilder alles sagen, muss nicht gequatscht werden.

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Absolut verzichtbar sind allerdings Livs Einlassungen darüber, dass ein Moment, zumal ein Mord, das ganze Leben verändern kann. Geradezu irrwitzig ist das Tempo, in dem die Fälle gelöst werden, die – vorhersehbar – auf tragische Weise zusammenhängen. Keine 24 Stunden sind vergangen, seit das Drama seinen Lauf nahm und keine 14 Stunden, bis die Ermittler Feierabend machen können.

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