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"Tatort" Stuttgart: Die Kommissare im Hintergrund

Der Krimi als Vorbild: Wenn schon die Polizisten dauerschwach sind, sollten es nicht auch noch die Täter sein - unsere Rezension.

Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) will sein früheres Leben zurück und versucht, die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) dafür zu instrumentalisieren.
Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) will sein früheres Leben zurück und versucht, die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) dafür zu instrumentalisieren. © ARD

Na das war ja mal eine Überraschung. Seit 2008 agieren Richy Müller und Felix Klare in Stuttgart als gewollt originelle, aber mangels schauspielerischer Qualitäten eher dauerblasse „Tatort“-Kommissare. Meist waren auch die Bücher, von Ausnahmen wie der Mördersuche in einem Autostau 2017, mau oder arg konstruiert. Doch der 26. „Tatort“ des Teams an diesem Sonntag, „Der Welten Lohn“, war so ganz anders: spannend bis zum Schluss, atmosphärisch stark bebildert, zudem sozialkritisch und durchaus aktuell. 

Das Thema: Korruption als wirtschaftspolitische DNA und mögliche Folgen. Das passt, denn Deutschland soll als Exportweltmeister im Ausland ganz groß beim Schmieren dabei sein. Das ist okay, denn es geht ja um Arbeitsplätze. Dieser „Tatort“ zeigte, wohin es führen kann, wenn man sich auf solche Regeln einlässt, was es mit den Beteiligten macht, die irgendwann die Kontrolle verlieren.

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Entscheidend für die Güte dieser Produktion war der Kniff, die Kommissare eher im Hintergrund agieren zu lassen. Beziehungsweise gerieten diese angesichts der Wucht, mit der beide „Täter“-Darsteller ihre Figuren zeichneten, in selbigen.

Beruflich wie privat gescheitert

Stephan Schad, im Fernsehen eher selten zu sehen, aber ein großartiger Theatermime, spielt den Firmenchef Bässler, der keine Moral besitzt, weil er sie sich laut eigenen Aussagen nicht leisten könne. Dessen Wertesystem sich ganz am geschäftlichen Erfolg ausrichtet und der jedem klarmacht, dass er der Einzige sei, der Ahnung habe. Entsprechend überzeugend kommen Sätze wie „Wirtschaft ist Krieg“ und „Polizei schafft keine Werte“, die ziemlich banal klingen könnten, bei ihm authentisch rüber. Diesem Chef-Schwein hätte man schon eine Kugel in die arrogante Rübe gewünscht.

Und ganz stark gibt der sonst oft in Nettigkeiten besetzte Barnaby Metschurat seinen Gegenspieler Manlik. Der ehemalige Mitarbeiter, der für die Firma als Schmiergeldzahlender in den Knast gegangen war, wird nach der Haftentlassung von Bässler & Co. hängen gelassen. 

Man ist sofort auf dessen Seite, so intensiv verkörpert Metschurat einen – auch privat – Gescheiterten zwischen selbstzerstörerischer Implosion und verzweifelter Explosion. Diese Eskalationsspirale der beiden ist schon eine Freude, die durch die tragische Schlusspointe noch getoppt wird. Müller und Klare, nur gelegentlich auftretend, stören gottlob nicht.

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