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So war der Weihnachts-Tatort mit Udo Lindenberg

Charlotte Lindholm und Udo Lindenberg zusammen in einem ARD-Tatort: Das hat leider nicht wirklich gefunkt.

Von Heinrich Löbbers
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Lauter Lindenberge und eine blutverschmierte Kommissarin. Tolle Szenenbilder und großartige Ausstattung versöhnten am Ende etwas mit diesem misslungenen Experiment.
Lauter Lindenberge und eine blutverschmierte Kommissarin. Tolle Szenenbilder und großartige Ausstattung versöhnten am Ende etwas mit diesem misslungenen Experiment. © NDR/Frizzi Kurkhaus

Man nehme eine populäre Fernsehschauspielerin, einen legendären Rockmusiker und einen kultigen Regisseur. Und was kommt dabei heraus? Ziemlicher Murks. Leider. All die schrägen Gestalten wie aus Lindenbergs Panikfamilie, die überdrehten Szenen, die absurde Ausstattung: dieser Film hätte ein Fest werden können, wenn er nicht ins Tatortkorsett gepresst worden wäre.

Wenn die Story mehr Substanz gehabt hätte. Die meisten Witze nicht so mau gewesen wären. Nicht alles so angestrengt auf Klamauk gebürstet worden wäre. Und nicht ständig stolz zur Schau gestellt worden wäre, dass dieser Tatort mal ganz anders sein sollte – und dass auch echte Prominente mitspielen.

Die Spannung hielt sich in Grenzen in diesem Weihnachts-Tatort. Vielleicht war manchem Zuschauer nach anstrengenden Festtagen auch eher nach Unterhaltung zumute. Maria Furtwängler im lasziven Seidenkleid balanciert gefährlich auf der Grenze zur Ulknudel. Und Udo Lindenberg scheint ja ohnehin nichts peinlich zu sein, solange er als Kultfigur gefeiert wird.

Udo Lindenberg mit kurzen, banalen Auftritten

Was der Paniker in seiner Präsidentensuite im Hotel Atlantic allerdings mit dem Fall als solchem zu tun hatte, blieb ein Rätsel. Die kurzen, banalen Auftritte, die paar genuschelten Sätze, die eingespielten Songs am Piano blieben reine Staffage für das Traumpaar Lindholm und Lindenberg. Und alle die herumwuselnden Udo-Doubletten waren zwar lustig anzusehen. Nur, was sollten die da eigentlich?

Udo Lindenberg, rauchend an der Bar.
Udo Lindenberg, rauchend an der Bar. © NDR Presse und Information

Der Fall an sich passte nicht zur Persiflage: Kommissarin kommt zum Sex-Date ins Luxushotel, wo der Lover schon im Bett liegt – tot allerdings. Kommissarin gerät selbst in Verdacht, bis sich rausstellt, dass es eine Falle war. Aus dem Nichts taucht eine blutrünstige Altlast aus einem früheren Fall auf, der sich an ihr rächen will. All die Nebenstränge und Verwicklungen sind bald kaum noch nachvollziehbar.

Müssen sie auch nicht sein, es ist alles nur eine große Parade der Hamburg-Klischees: Luxus, Luden und lesbische Liebe, Kiez, Koks und Korruption, Alster, Elphi und Reeperbahn. Regisseur Detlev Buck feuert mit Lust aus allen Rohren. Dabei lässt sich durchaus mit Freude zusehen. Großartige Szenenbilder, tolle Ausstattung, starke Kameraführung versöhnen schließlich mit diesem Experiment. Vor allem Buck selbst in seiner Rolle als dauergewellter Puffbesitzer im Whirlpool. Das war groß. Die Beteiligten jedenfalls hatten bestimmt jede Menge Spaß dabei.