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Wenn Kommissare Komplimente machen

Der „Tatort“ aus Wiesbaden zeigt, was passiert, wenn bindungsunfähige Polizisten in eine „Ehesituation“ geraten.

Sie zog ihn nicht, er sank trotzdem: Monika (Anne Ratte-Polle) und Murot (Ulrich Tukur) verlieren sich in einem Traum. „Verbockt“ resümiert der Kommissar nach 89 Krimi-Minuten. Fürwahr!
Sie zog ihn nicht, er sank trotzdem: Monika (Anne Ratte-Polle) und Murot (Ulrich Tukur) verlieren sich in einem Traum. „Verbockt“ resümiert der Kommissar nach 89 Krimi-Minuten. Fürwahr! © ARD

Erstens: Der Titel suggeriert mehr, als der Film hält. Wer denkt beim Wiesbadener Krimi „Die Ferien des Monsieur Murot“ nicht an den legendären Schwarz-Weiß-Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“ von 1953. Wäre auch passend, orientieren sich doch die Folgen mit Ulrich Tukur in der Rolle des LKA-Ermittlers Felix Murot oft an Filmen und Filmsujets. Es gibt auch ein Zitat: Für Murots schnittig-exzentrischen Aufschlag beim Tennis war Hulot das Vorbild. Nur sonst ist der Deutsche eben nicht so trottelig-amüsant wie der Franzose. Obwohl auch Murot diesmal viel verbockt!

Zweitens: Sind die ersten zwölf Minuten die besten. Tukur wirft sich in seine Doppelrolle als Murot und Gebrauchtwagenhändler Walter Boenfeld mit überschäumender Spielfreude. Der eine still und reserviert beobachtend, der andere laut poltrig und vergnügungsgierig, der eine zurückhaltend schick, der andere mit Goldkette und Hawaii-Hemden schon optisch eigentlich ein Unding. Gut, dass Walter nach seinem gewaltsamen Tod immer mal wieder in Murots Träumen auftaucht. Dieser Gegenpart ist eine Bereicherung der Reihe mit dem mitunter spröden Ermittler.

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Und doch, mit Abstand betrachtet, passt es gerade deshalb. Denn erstens war der Schöpfer von „Die Ferien des Monsieur Hulot“, Jacques Tatis, ein „zärtlicher Romantiker, der mit liebenswürdigem Humor die Absurditäten unserer Existenz aufzeigt“, an dem sich Tukur und das Team orientierten. Wie sonst könnten schrullige Typen wie Walters Nachbarn und Hausarzt auftauchen oder Gartenzwerge weglaufen: Zitat: „Kein Wunder, Zwerg Berti hat ja auch Wanderschuhe an.“

Und zweitens wird in den restlichen 78 Minuten wunderbar vorexerziert, was passiert, wenn sich ein Einzelgänger wie Murot plötzlich in einer langjährigen Beziehung wiederfindet, erstmals in einer Art „Ehesituation“. Gewünscht hat sich der Kriminalist das insgeheim immer. Er liebt ja Menschen, erträgt aber ihre Nähe nicht.

Diesmal geht das, denn die mörderische, schöne Frau Boenfeld ist ja im wirklichen Leben nicht zu haben. Nur im Unerreichbaren, im Traum, findet Murot diese Erfüllung und macht Komplimente, dass er selber staunt. Er weiß: Falls er sie nicht überführt, kann ja nichts passieren. Dann sorgt seine ihn anschmachtende Assistentin Wächter dafür, dass der LKA-Beamte ihr nicht auf diese Weise flöten geht.

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