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Thomas Gottschalk umarmt nicht mehr

Wie macht man eine Show über Dinge, die es wegen Corona nicht gab? Der Entertainer probiert es am Montag in der ARD aus: in „2020 – Gottschalk holt’s nach“.

Kein Publikum, Distanz zu Gästen: "Alles, was mich als Entertainer ausmacht, die Nähe zu meinem Publikum, hat sich momentan erledigt", sagt Thomas Gottschalk.
Kein Publikum, Distanz zu Gästen: "Alles, was mich als Entertainer ausmacht, die Nähe zu meinem Publikum, hat sich momentan erledigt", sagt Thomas Gottschalk. © ARD

Um Geschichten von Menschen soll es gehen, denen die Corona-Pandemie einen dicken Strich durch die Jahresplanung gemacht hat, und die sie nun nachholen wollen. Auch der Vollblut-Unterhalter Thomas Gottschalk (70) muss sich dafür anpassen. „Alles, was mich als Entertainer ausmacht, die Nähe zu meinem Publikum, hat sich momentan erledigt“, sagt er. Wir sprachen mit ihm über seine Show zum „ausgefallenen Jahr“ und krankhafte gute Laune.

Herr Gottschalk, Sie blicken in Ihrer Show auf Dinge zurück, die wegen Corona ausgefallen sind. Sie machen also einen Jahresrückblick, oder?

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Es gibt ja eigentlich nicht viel, auf das man zurückblicken kann. Deswegen ist es kein Jahresrückblick. Es ist der freundliche Versuch, einigen Menschen, denen in diesem Jahr etwas weggebrochen ist, ihre Wünsche relativ spät noch zu erfüllen.

Kann man schon verraten, was das für Menschen sind?

Man kann schon erzählen, dass es ein Mädchen gab, das im Beethoven-Jahr einen Beethoven-Wettbewerb gewinnen wollte. Bei mir sitzt sie am Klavier, und Lang Lang applaudiert danach, live aus Shanghai. Es gab eine 13-Jährige, die als Skateboarderin für Deutschland bei Olympia teilnehmen wollte. Die haben wir in der Show und zeigen ihre Olympiakür, die sonst niemand gesehen hätte.

Eine Show über ausgefallene Dinge zu machen klingt erstmal ein wenig melancholisch. Welchen Ton schlagen Sie dabei an?

Die Sendung entspricht meiner Gefühlslage: Die gute Laune ist bei mir relativ krankhaft. Wenn ich sie verliere, sind die anderen schon am Heulen. Daher sage ich: Wenn es einer richten kann, dann ich. Die Leute sind es ja gewohnt, dass ich am Abend bei ihnen reinschaue und gute Laune verbreite.

Wird Ihnen das Publikum im Studio sehr fehlen?

Natürlich. Die Sendung krankt notgedrungen an allem, woran die Nation jetzt auch krankt. Ich thematisiere das aber auch. Ich gehe da nicht rein und verneige mich vor einem imaginären Applaus. Ich sage offen: Das kommt vom Band. Ich will ja keine Fake-Show.

Ihre Stärke ist es normalerweise, auf Menschen zuzugehen. Das ist momentan auch eher schwierig.

Na klar. Wenn ich zum Beispiel ein 15-jähriges Mädchen sehe, das bei mir einen Jodel-Wettbewerb nachholen will, aber weint, weil es sich verjodelt hat, dann würde ich es normalerweise in die Arme nehmen. Heute muss ich sagen: Tut mir leid, ich kann dir nicht näher kommen. Alles, was mich als Entertainer ausmacht, die Nähe zu meinem Publikum, hat sich momentan erledigt.

Was ist Ihnen in den vergangenen Monaten selbst weggebrochen? Sie gelten ja zum Beispiel als Vielflieger.

Es war ja eine Retro-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ für 2020 geplant, die ins nächste Jahr gerutscht ist. Das finde ich richtig. Es kann keine Bagger-Wette geben, bei der einer mit Mundschutz im Bagger sitzt. Eine große Show funktioniert momentan nicht, man kann sich nicht vor einem Publikum verneigen, das nicht da ist.

Das heißt: Sie schauen optimistisch ins nächste Jahr? Wird alles besser?

Ich habe mein ganzes Leben lang optimistisch ins nächste Jahr geblickt und tue das auch dieses Jahr. Ich habe mich mein Leben lang bemüht, positiv zu sein. Nur jetzt bin ich froh, negativ zu sein, wenn ich wieder einen Corona-Test abliefern muss, bevor ich ins Studio darf.

Die Fragen stellte Jonas-Erik Schmidt

Sendetermin von „2020 – Gottschalk holt’s nach“: Montag (21.12) um 20.30 Uhr, ARD

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