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Warum der Hamburger "Tatort" überraschte

Der Film mit Wotan Wilke Möhring verhebt sich fast an seiner komplexen Mafia-Familien-Geschichte. Zum Glück aber nur fast.

Ab jetzt mit Grosz auf Augenhöhe: Falke (Wotan Wilke Möhring).
Ab jetzt mit Grosz auf Augenhöhe: Falke (Wotan Wilke Möhring). © NDR/Meyerbroeker

Ein Bombenattentat, Russenmafia, verdeckte Ermittler, illegale Waffengeschäfte, verräterische Polizisten und mordende Geheimagenten: Aus diesen Zutaten werden üblicherweise Actionkracher mit blitzschnellen Schnitten, dröhnendem Soundtrack und tiefen Löchern in der Handlungslogik fabriziert. Nicht so bei diesem „Tatort“. Von den Löchern mal abgesehen. Etwa dem, aus dem die strunzunsympathische, von Anja Taschenberg unerträglich hölzern gespielte Ermittlerin Katia als Verräterin rausgeholt und in das sie – Gott sei Dank – flugs wieder versenkt wird.

Dafür setzen die Macher ansonsten auf ruhige Bilder, gemächliches Tempo und ausgesprochen elegische Musik. Eine gute Entscheidung. Schließlich läuft schon genug Ballerkram vom unentwegt laufenden Krimi-Fließband. Zudem fällt kaum auf, dass das Ganze ein Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit ist.

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Kommissarin Grosz (Franziska Weisz) kann das Schlimmste verhindern.
Kommissarin Grosz (Franziska Weisz) kann das Schlimmste verhindern. © NDR/Meyerbroeker

Zwei starke Frauen tragen im Wesentlichen die fast schon zu komplexe Geschichte. Die frisch zur Hauptkommissarin beförderte Julia Grosz (Franziska Weisz) darf erstmals einen Einsatz der Hamburger Bundespolizei leiten. Sie enthält ihren Partner Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) einige Informationen vor und bringt dadurch letztlich die taffe LKA-Kollegin Marija Timofejew (Tatiana Nekrasov) völlig unnötig in Gefahr.

Diese sagte sich einst von ihrer Mafiafamilie los, ging zur Polizei und agiert bevorzugt undercover. Jetzt versucht sie, herauszufinden, wer hinter dem Bombenanschlag steckt, bei dem ihr Hallodri-Bruder, der für den kunstsinnigen Waffenhändler-Onkel arbeitet, und ein kurdischer Waffenkäufer (in Wahrheit ein verdeckter Ermittler) im gemieteten Learjet starben.

Wer steckt hinter dem Bombenanschlag?
Wer steckt hinter dem Bombenanschlag? © NDR/Meyerbroeker

Wer hatte etwas gegen den Deal mit Boden-Luft-Raketen, den die Herren eben eingefädelt hatten? Noch fiesere Konkurrenten? Am Ende gar irgendein Geheimdienst? Zumindest taucht ein Russe unter falschem Namen in Hamburg auf, der die Waffenhändler-Sippe ohne erkennbares Motiv weiter dezimiert. Immerhin kommt Marija davon – Hauptkommissarin Grosz drückt gerade noch rechtzeitig ab, killt den Killer und verhindert so, dass ihr Einsatz zum völligen Fiasko wird.

Für sie wie für alle Beteiligten wäre künftig ein Mehr an Zusammenarbeit zweifellos besser. Durch Dienstgradgleichheit operieren Falke und Grosz ja nun auf Augenhöhe. Beste Voraussetzungen also.

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