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Deutschland & Welt

TV-Sender registrieren Heiligabendrekord

Am 24. Dezember bleibt der Fernseher eigentlich in vielen Haushalten aus. Im Corona-Jahr ist jedoch auch das anders.

Zu Heiligabend saßen 2020 mehr Menschen vor der "Glotze" als in den Jahren zuvor.
Zu Heiligabend saßen 2020 mehr Menschen vor der "Glotze" als in den Jahren zuvor. © dpa/Britta Pedersen

Frankfurt/Main. Eigentlich haben viele Menschen in Deutschland zu Heiligabend Besseres zu tun als vor dem Fernseher zu sitzen. Am 24. Dezember ist die TV-Nutzung in der sogenannten besten Sendezeit (Primetime) von 20 bis 23 Uhr deutlich geringer als an anderen Tagen. In den meisten Jahren ist Heiligabend sogar der Tag im Jahr, an dem abends am wenigsten ferngesehen wird. Doch im Corona-Jahr ist auch das anders gewesen. Statt wie letztes Jahr knapp 19,6 Millionen saßen diesmal an Heiligabend im Schnitt 21,1 Millionen vor dem Bildschirm, wie die AGF Videoforschung am ersten Weihnachtstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

"Die Sehbeteiligung von 21,142 Millionen Zuschauern im Gesamtpublikum markiert ein Zehn-Jahres-Hoch. Sie liegt mit 8,0 Prozent oder anderthalb Millionen deutlich über dem Wert vom 24. Dezember 2019", sagte am Freitag Kerstin Niederauer-Kopf, die Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung.

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Fernsehen als Alternative zur Familienfeier

Der Anstieg komme vor allem durch eine höhere Sehbeteiligung älterer Zielgruppen, das heißt bei Personen ab 50 Jahren, zustande. "Die im Vergleich zu den Vorjahren sehr deutlich angestiegene Sehbeteiligung deutet darauf hin, dass die Corona-Beschränkungen den traditionellen Weihnachtsablauf insbesondere bei älteren Zielgruppen verändert haben. Offensichtlich wurde Fernsehen als Alternative für etwa das fehlende Zusammenkommen im Kreis der Familie oder die Absage von Präsenzgottesdiensten genutzt."

Die TV-Hitliste war laut Niederauer-Kopf geprägt von nostalgischen Sendungsformaten wie "Kevin - Allein zu Haus" und der "Feuerzangenbowle", von Weihnachtsshows wie "Heiligabend mit Carmen Nebel", aber auch von Gottesdiensten, die von vielen als Alternative zum Kirchgang gesehen wurden. "Gottesdienste haben im Vergleich zu Vorjahressendungen einen deutlichen Zuschauerzuwachs."

Im Jahresschnitt 2020 lag die Sehbeteiligung in der Primetime (20 bis 23 Uhr) bis Weihnachten im Schnitt bei etwa 28,8 Millionen Zuschauern. Grundsätzlich wird in den Wintermonaten mehr ferngesehen als in den Sommermonaten.

Die AGF Videoforschung ist ein Unternehmen für Bewegtbildforschung. Sie erfasst die Nutzung von Bewegtbildinhalten und wertet die erhobenen Daten aus. Im Jahr 2017 wurde die AGF zur eigenständigen GmbH, an der nun zehn Gesellschafter beteiligt sind. Es sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten der ARD und des ZDF (damit auch Arte, Kinderkanal, Phoenix und 3sat) sowie die Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media SE, Sky Deutschland, Discovery Communications Deutschland, Tele 5, Viacom, Welt und Sport1.

Die kontinuierliche Fernsehzuschauerforschung in Deutschland begann 1963 mit dem Sendebeginn des ZDF. Damals gab es zunächst nur zwei Programme. Die Reichweiten wurden stellvertretend in 625 Haushalten gemessen und die Daten schriftlich frühestens nach einer Woche ausgeliefert. 1979 wurden 1.500 und 1990 schon 4.400 Haushalte an die Messung angeschlossen. Heute erfolgt die Zuschauerforschung in mindestens 5.400 berichtenden TV-Haushalten, wie es von der AGF heißt. (dpa)

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