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Fernsehserie über den Leipziger Kinderzimmer-Dealer

Netflix verfilmt die Geschichte des jugendlichen Drogenbarons. Mit der Realität hat das am Ende aber nicht mehr viel zu tun.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Er wurde als Kinderzimmer-Dealer berühmt und verkaufte alle Arten von Drogen, außer Heroin: Der erst 20 Jahre alte Maximilian S. aus Leipzig hatte ab Herbst 2013 unter der Internetadresse „Shiny Flakes“ (glitzernde Flocken) ein Online-Imperium aufgebaut und Millionen damit umgesetzt. Nun wird seine spektakuläre Kriminalgeschichte sogar für das amerikanische Streamingportal Netflix verfilmt. Arbeitstitel: „Don’t try this at home“ – Probier das nicht zu Hause.

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In der mit hintergründigem Humor gespickten Netflix-Story startet ein Schüler zusammen mit seinem besten Freund aus seinem Kinderzimmer heraus Europas größten Online-Drogenversand. Mit dem Erfolg, so schildert Netflix die geplante Lovestory, wolle der umtriebige Schüler die Liebe seines Lebens zurückerobern. Die Kölner Autoren Philipp Käßbohrer, Sebastian Colley und Stefan Titze haben die wahre Geschichte für das Fernsehen verarbeitet. Regie bei der Serie führen der Starregisseur Arne Feldhusen, der mit „Stromberg“, „Der Tatortreiniger“, „Ladykracher“ und der Schmunzel-Krimiserie „Mord mit Aussicht“ einigen skurrilen und spannenden Filmprojekten seine Handschrift gab, sowie Lars Montag, der mehrere Sonntags-„Tatorte“ und einen „Polizeiruf“ gedreht hat. Produziert wird die Serie von der Kölner Produktionsfirma „Bildundtonfabrik“ (BTF), die auch für Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royal“ verantwortlich ist. Die Dreharbeiten für „Don’t try this at home“ laufen bereits.

Der wahre Maximilian S. wohnte als Dealer noch bei seiner Mutter in einem Plattenbau im bürgerlichen Leipziger Stadtviertel Gohlis. Nachdem er erst das Gymnasium und später eine Restaurantfachlehre bei einem Italiener abbrach, gingen fast eine Tonne Drogen und andere heiße Ware durch sein Kinderzimmer: Crystal, Kokain, Speed, Ecstasy, Marihuana, LSD und Medikamente. Gelagert ordentlich in Bücherregalen, gehandelt über das verdeckte und sogar über das offene Internet, vertrieben über die DHL-Packstationen vor seinem Haus. Den Marktwert seiner Umsätze schätzten Ermittler auf mindestens vier Millionen Euro. Bezahlt wurde stets mit Bitcoins – ein Teil des Erlöses wurde bis heute nicht gefunden. Vor Gericht hatte der ehrgeizige junge Mann eingeräumt: „Im Grunde war es eine Schnapsidee.“ Sein Antrieb sei gewesen, „es besser zu machen als andere – und perfekt zu sein“.

Seine Kunden saßen vor allem in Deutschland und Europa, aber auch in den USA, Asien und Australien. Auf die Schliche kamen die Ermittler dem „Drogenbaron“, weil Sendungen mit Ecstasy und Amphetaminen nicht ausreichend frankiert waren. Als die Post weder deren Adressat noch Absender zuordnen konnte und Hinweise auf Drogen in den Päckchen entdeckte, wurde die Polizei eingeschaltet. Die Ermittler beobachteten wochenlang die Packstation, dann schlugen sie zu. Das Landgericht verurteilte ihn zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren.

Maximilians Mama soll indessen von alledem nichts gewusst haben – Maximilian habe seine Zimmertür immer verschlossen gehalten, hieß es vor Gericht. Doch die „Don’t try this at home“-Serie können der Kinderzimmer-Dealer und seine Mutter wohl wieder zusammen gucken. Sein Anwalt Stefan Costabel sagte auf SZ-Anfrage, er rechne damit, dass sein Mandant schon im Februar oder März wieder auf freien Fuß kommen könnte. Die Kölner Produktionsfirma betont derweil auf Anfrage, auch wenn die Geschichte „von wahren Ereignissen inspiriert“ sei, seien doch alle Figuren, Orte und Handlungen „eigens für die Serie erdacht“ worden.