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Fernsehturm-Studie kostet 90 000 Euro

Die Rechnung ist fertig, die Untersuchung zur Wiederbelebung aber noch nicht. Im Juni wollen Stadt, Land und Telekom die Studie vorstellen. Dabei soll noch eine Variante mehr geprüft werden, als bisher bekannt.

© Robert Michael

Von Andreas Weller und Sandro Rahrisch

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Dresden. Noch immer wird die Machbarkeitsstudie zur Wiedereröffnung des Fernsehturms unter dem Deckel gehalten. Fest steht inzwischen aber, wie viel die Untersuchung kostet. Fast 90 000 Euro geben die Stadt, der Freistaat und die Telekom aus, um die Zukunft der Wachwitzer Nadel auszuloten. Das hat eine Anfrage des Landtagsabgeordneten André Schollbach (Linke) ergeben. Laut Landesregierung liege die Studie derzeit auch nur in Entwurfsform vor und sei noch nicht vom beauftragten Büro abgenommen worden.

Außerdem teilte die Regierung mit, es würden vier Varianten zur Wiederbelebung des Fernsehturms geprüft. Anfang Mai waren Details der Studie durchgesickert. Damals war noch von drei Varianten die Rede: Die Idee von der Seilbahn, inklusive Televersum – einem erlebbaren Wissenschaftsstandort – ist die teuerste Variante. Sie würde 61,5 Millionen Euro kosten.

Nur mit der Seilbahn läge der Preis bei etwas mehr als 30 Millionen Euro. In jedem geprüften Fall soll der Turm saniert werden und wieder ein Café erhalten. Dieses wäre oben oder unten möglich. Die Kosten für Turmsanierung und Café liegen bei 16 Millionen Euro. Allerdings sind bei diesen Berechnungen die Bus-Anbindung, Straßen und Parkplätze noch nicht inbegriffen. Die Kosten dafür fallen extra an. Damit sich das Café rechnet, müssten jedes Jahr mindestens 230 000 Besucher kommen und 7,20 Euro nur für den Eintritt zahlen.

Dresdner sollen abstimmen

Offiziell soll die Studie Mitte Juni der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Über 25 Jahre ist es her, dass die Dresdner im Wachwitzer Fernsehturm Kaffee und Kuchen genießen durften. Damit dies schnell wieder geht, drängt der Fernsehturmverein auf ein Ratsbegehren. Für ein Bürgerbegehren müssten mindestens 22 000 Unterschriften gesammelt werden. Damit die Dresdner bereits zur Bundestagswahl im September über den Turm abstimmen können, würde die Zeit kaum reichen. Initiiert der Stadtrat ein Begehren, könnte der Termin gehalten werden. Am Mittwoch hat der Verein seine Idee Fraktionsvertretern vorgestellt.

Doch die meisten Politiker sehen eine solche Entscheidung derzeit skeptisch, obwohl sie das Projekt zur Wiederbelebung des Fernsehturms toll finden. Ohne die Machbarkeitsstudie gesehen zu haben, könne man nicht entscheiden, sagt CDU-Fraktionschef Jan Donhauser: „Außerdem sehe ich den Verein in der Pflicht. Wenn viele Unterschriften gesammelt werden, ist ein Bürgerentscheid gerechtfertigt.“ Er sehe aber die Stadt nicht in der Lage, die mindestens 16 Millionen Euro alleine zu bezahlen.

Generell sei ein Café im Turm laut Donhauser eine „schöne Idee“. SPD-Fraktionschef Christian Avenarius findet es sogar „faszinierend: Aber nur, wenn das Projekt vernünftig finanziert ist.“ Stadt, Land, Bund und Telekom müssten sich beteiligen. „Und auch die Bürger, über Spenden wie bei der Frauenkirche“, so Avenarius. Dass Spenden zusammenkommen würden, dessen ist sich FDP-Fraktionschef Holger Zastrow sicher. Er würde sofort für ein Ratsbegehren stimmen. „Aber das ist gar nicht notwendig, weil die Mehrheit der Dresdner für den Turm ist.“