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Fernwärme ist wieder deutlich günstiger

Einst unter Deutschlands teuersten Anbietern, können Pirnas Stadtwerke heute mit Fernwärme werben. Warum?

© Dirk Zschiedrich

Von Christian Eissner

Großes Glück kann so klein sein

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Pirna. Die Nachricht, die Pirnas Stadtwerke vor ein paar Tagen per Pressemitteilung verbreiteten, ließ aufhorchen. „Stadtwerke Pirna GmbH gehört zu den günstigsten Fernwärme-Anbietern und Ostdeutschland“, war sie überschrieben. Sah das vor ein paar Jahren nicht noch ganz anders aus? 2012 und 2013 war der Fernwärmepreis in der Stadt auf ein Rekordniveau gestiegen, Mieter stöhnten unter horrenden Rechnungen für Heizung und Warmwasser, der Stadtrat beschäftigte sich mit dem Thema und zuletzt auch das Landeskartellamt Sachsen. So richtig aufgeklärt wurde das Zustandekommen des Rekordpreises leider nie. Fakt ist aber, dass der Arbeitspreis für Fernwärme seither kontinuierlich sank – nach heftigem Ärger und Klagedrohungen gegen die Stadtwerke wegen undurchsichtiger Kalkulationen. Zahlten Abnehmer Anfang 2013 noch 13,27 Cent pro Kilowattstunde Fernwärmeleistung, sank der Preis Mitte 2016 auf 5,42 Cent. Inzwischen hat er sich bei etwa sieben Cent eingepegelt, rund die Hälfte dessen, was 2013 bezahlt werden musste.

Leitungsnetz wächst

Genau 41 Verwaltungsgebäude, 16 Betriebe und 265 Wohnhäuser, darunter die großen Wohnblöcke auf dem Sonnenstein und in Copitz-West, werden derzeit von den Stadtwerken mit Fernwärme versorgt. Das Leitungsnetz wuchs seit 2014 von 33 auf aktuell rund 36 Kilometer, in den vergangenen Jahren wurden unter anderem das Areal des ehemaligen Strömungsmaschinenbaus auf dem Sonnenstein, das neue Finanzamt, Wohnhäuser in der Otto-Walther-Straße, das neue Evangelische Schulzentrum und das Geibeltbad ans Netz angeschlossen. In diesem Jahr verlegen die Stadtwerke in der Robert-Koch-Straße eine neue Leitung, um das geplante Edeka-Einkaufszentrum Scheunenhof später mit Fernwärme versorgen zu können.

Aufgrund der gesunkenen Betriebskosten rechnet sich das Heizen mit Fernwärme wieder, auch ist es gegenüber eigenen Gas- oder Ölthermen umweltfreundlicher. In den Heizraftwerken auf dem Sonnenstein und in Copitz wird mithilfe von Erdgas sowohl Strom als auch Wärme produziert. Diese Kraft-Wärme-Kopplung erreicht einen hohen Wirkungsgrad. Zudem, betonen die Stadtwerke, wirkt sich die Doppelnutzung der Energie positiv auf den Fernwärmepreis aus.

Warum aber ist die Fernwärme in Pirna wieder günstiger geworden? Aufgrund der extrem hohen Fixkosten beim Betrieb eines Fernwärmenetzes sind örtliche Fernwärme-Anbieter in ihrem Versorgungsgebiet praktisch überall Monopolisten. Das ist auch in Pirna so. Damit die Monopolstellung nicht zum Nachteil der Kunden ausgenutzt wird, sind die Anbieter gesetzlich verpflichtet, ihren Fernwärmepreis an einen Marktpreis-Index zu binden. Dieser zieht als Basis die Kosten für den genutzten Energieträger – also zum Beispiel Gas oder Erdöl – heran. Obwohl die Stadtwerke ihre Fernwärme aus Erdgas gewinnen, orientieren sie sich bei der Kosten-Kalkulation aber am aktuellen Ölpreis. Das wurde in der Vergangenheit als ein Grund für die teure Fernwärme in Pirna ausgemacht, auch wenn sich die hohen Kosten damals nicht vollständig darauf zurückführen ließen.

Größtes Preis-Minus in Deutschland

Bei der Preisdiskussion vor fünf Jahren hatte das Landes-Kartellamt die Fixierung am Ölpreis kritisiert, dennoch halten die Stadtwerke nach wie vor daran fest. Ihre Argumentation: Hohe Preissprünge beim Gas-Einkauf werden durch die Bindung an den Erdöl-Index geglättet, was letztlich vorteilhaft für die Fernwärme-Kunden sei. Die positive Entwicklung der Rohstoffpreise habe so in den vergangenen fünf Jahren an die Verbraucher weiter gegeben werden können. Je nach Ölpreis-Entwicklung kann der Fernwärmepreis in Pirna also auch wieder steigen. Momentan sind die Grundlagen für Fernwärme-Kunden in der Stadt aber wie auch 2016 und 2017 günstig.

Ein Vergleich mit Anbietern in anderen Städten ist immer nur schwer möglich, da die Fernwärmekosten nicht nur aus dem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis bestehen, sondern stark auch von einem mengen-unabhängigen Grundpreis bestimmt werden, der von den Fixkosten des jeweiligen Versorgers abhängt.

Eine verlässliche Vergleichsquelle ist der jährlich durchgeführte Fernwärme-Preisvergleich des Bundesverbands der Energie-Abnehmer (VEA). Dessen aktuellste Ausgabe vom Oktober 2017 sieht die Stadtwerke Pirna als einen der drei günstigsten Fernwärme-Versorger in Ostdeutschland – neben den Städtischen Werken Magdeburg und Vattenfall Europe Wärme in Berlin. Kunden in Pirna bezogen laut VEA ihre Fernwärme im Jahr 2017 durchschnittlich 37 Prozent günstiger als 2012 – das ist das größte Preis-Minus unter allen 90 verglichenen Anbietern deutschlandweit. Allerdings: Gegenüber 2016 war Pirnas Fernwärme im vergangenen Jahr schon wieder knapp zehn Prozent höher.