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Festerling punktet rund um Asylheime

Die Hochburgen der Kandidaten: Ulbig gewinnt nur einen Stadtteil. Alle anderen teilen sich Hilbert und Stange.

© sächsische zeitung

Von Tobias Wolf

Der Widerstand gegen Flüchtlingsheime schlägt sich auch in der Stimmabgabe bei der Oberbürgermeisterwahl nieder. Davon profitiert Tatjana Festerling, die Kandidatin der asylkritischen Pegida-Bewegung. Kommt sie in der Gesamtwertung auf 9,64 Prozent aller Stimmen und Platz vier, gaben ihr in Laubegast durchschnittlich 16,62 Prozent ihre Stimme an der Urne und schoben sie damit auf Rang drei vor Markus Ulbig (CDU). Im Wahlbezirk Gasteiner Straße waren es sogar 22,32 Prozent. Hier sollte in der Nähe ein Flüchtlingsheim im Hotel Prinz Eugen eröffnet werden. Die Pläne wurden wegen des massiven Widerstands der Anwohner fallengelassen.

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In Leuben bietet sich ein ähnliches Bild. Stimmte der Stadtteil insgesamt mit 16,91 Prozent für Festerling, waren es im Wahllokal für das Wohngebiet an der Rottwerndorfer Straße 21,57 Prozent. In unmittelbarer Nähe sollen zwei Asylheime entstehen. Deshalb gaben wohl auch 14,47 Prozent der Dobritzer und 16,67 Prozent der Seidnitzer Festerling ihre Stimme. Im Wohngebiet an der Löwenhainer Straße waren es 20 Prozent. Dort sind viele Asylbewerber dezentral untergebracht.

In Luga soll 2016 eine Flüchtlingsunterkunft in Betrieb gehen. Hier holte Festerling 23,44 Prozent. In Lockwitz eröffnet im Juli ein Übergangswohnheim für Asylbewerber: 16,80 Prozent für die Pegida-Kandidatin. Jeweils ein Heim entsteht in Cotta und Briesnitz. Hier stimmten knapp 14 beziehungsweise knapp 20 Prozent für Festerling. In Klotzsche, wo es ebenfalls Widerstand gegen die geplante Unterkunft gibt, landet Festerling dagegen nur bei 11,68 Prozent.

Ein zweiter, klar erkennbarer Trend unter den Festerlingwählern ist: Sie leben vorwiegend in großen Plattenbaugebieten. Die Hochburgen sind der Südosten mit Seidnitz, Dobritz, Leuben, Prohlis, Reick, Strehlen sowie Luga. An der Lommatzscher Straße in Mickten liegt Festerling bei 22,06 Prozent. In den neun Gorbitzer Wahlbezirken erreicht sie rund ein Fünftel aller Wähler und das höchste Einzelergebnis von 28,53 Prozent. Die einzige ländliche Region, in der Festerling mit über 15 Prozent punkten kann, sind die Ortsteile Gönnsdorf, Pappritz und Rockau. Das niedrigste Wahlergebnis lag bei 0,31 Prozent an der Wundtstraße, wo viele Studenten leben.

Ob die Pegida-Kandidatin, wie selbst behauptet, die Wahlbeteiligung gesteigert hat, ist jedoch fraglich. Jeder zweite Dresdner hat zur OB-Wahl am Sonntag seine Stimme abgegeben. Mit 51,1 Prozent liegt die Wahlbeteiligung damit um knapp neun Prozent höher als 2008. Seither sind jedoch die Einwohnerzahlen gestiegen. Rund 221 000 Stimmen flossen in die Auszählung ein, knapp 2 000 waren ungültig. Dieses Ergebnis sei erfreulich, gerade im Vergleich mit anderen Großstädten, sagte Wahlleiterin Ingrid van Kaldenkerken. Die Wahlergebnisse sind mit Platz eins für Eva-Maria-Stange (SPD) und Rang zwei für Dirk Hilbert (FDP) eindeutig. Klar ist: Die CDU erlebte mit OB-Kandidat Markus Ulbig ein Debakel. Mit Marsdorf erzielte er in nur einem Wahlbezirk von insgesamt 445 den höchsten Stimmenanteil. Stange gewann 219 Bezirke, Hilbert 221. In vier Bezirken liegen Stange und Hilbert bis auf die zweite Kommastelle gleichauf.

Stanges Wähler konzentrieren sich vor allem auf die bevölkerungsreichen Stadtteile im Zentrum. Den höchsten Stimmenanteil erreichte sie mit 76,66 Prozent im Wahlbezirk Schönfelder Straße in der Äußeren Neustadt, den niedrigsten mit 13,12 Prozent im Wahlbezirk Schullwitz/Eschdorf/Rossendorf. Dirk Hilbert bekommt vor allem Stimmen aus den Randbezirken. Er erzielte sein bestes Ergebnis in Gönnsdorf (46,29 Prozent) und sein niedrigstes mit 8,24 Prozent im Wahlbezirk Helgolandstraße in der Leipziger Vorstadt.

Markus Ulbig erreichte sein höchstes Ergebnis mit 35,58 Prozent der Stimmen in Marsdorf. Nur 3,76 Prozent der Wähler ließen sich im Wahlbezirk Rudolfstraße in der Leipziger Vorstadt vom Programm des CDU-Kandidaten überzeugen.

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