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Feuer im Flüchtlingsheim

In einem Zimmer in Langburkersdorfs Heim hat es gebrannt. Ein Bewohner soll das Feuer gelegt haben – volltrunken.

© Marko Förster

Von Marko Förster und Katarina Gust

Langburkersdorf. Im Asylbewerberheim in Langburkersdorf hat es am frühen Mittwochmorgen gebrannt. Kurz vor 2 Uhr wurde der Alarm ausgelöst und Feuerwehren in das Gebäude an der Kirschallee gerufen. Ein Bett in einem Zimmer im zweiten Obergeschoss stand in Flammen. Durch den Rauch wurden andere Bewohner auf den Brand aufmerksam. Ein Mann vom Sicherheitsdienst konnte das Feuer noch vor Eintreffen der Wehren ersticken. Ersten Informationen zufolge wurde niemand verletzt. Mehrere Bewohner mussten wegen der Rauchentwicklung jedoch kurzzeitig das Gebäude verlassen.

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Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Ein Heimbewohner selbst soll das Feuer gelegt haben. Im Verdacht steht ein 35-jähriger Mann aus Indien. Er soll seine Matratze nachts angezündet haben. Laut Polizei stand der Asylsuchende dabei unter erheblichem Alkoholeinfluss. Ein Test ergab 3,82 Promille. Gegen den Mann wurde ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung eingeleitet. Die Dresdner Kriminalpolizei hat den Fall übernommen. Angaben zum Sachschaden wurden nicht gemacht. An dem Einsatz waren Feuerwehrleute aus Langburkersdorf, Neustadt, Berthelsdorf, Krumhermsdorf, der Rettungsdienst sowie die Polizei beteiligt. Nach gut einer Stunde rückten die Kräfte wieder ab.

Schon der dritte Brand im Heim

Es ist der dritte größere Brand in dem Flüchtlingsheim an der Kirschallee. Zuletzt hatte es hier vor vier Jahren ein Feuer gegeben. Es brach ebenfalls nachts in einem Zimmer im Obergeschoss aus. Der Großbrand im August 2011 war so schwer, dass das Gebäude abgerissen werden musste. Glutnester, die die Feuerwehr schwer löschen konnte, hatten sich unter Wellplatten gebildet. Sie hatten das Gebäude so stark beschädigt, dass es nicht mehr bewohnt werden konnte. Seitdem kann nur noch ein Haus im Wohnkomplex von den Flüchtlingen genutzt werden. Nur ein Jahr zuvor, im Juni 2010, hatte es an der Kirschallee zum ersten Mal gebrannt. Betroffen war ebenfalls ein Zimmer. An der Kirschalle leben aktuell 120 Asylbewerber, wie das Landratsamt Pirna mitteilt. Das Heim ist damit voll belegt. Die Belegung erfolgt vorrangig nach der Nationalität. Familien und allein reisende Frauen werden dezentral in Wohnungen untergebracht.

Heim schließt Ende des Jahres

Die Tage des Asylbewerberheimes sind jedoch gezählt. Bis Ende dieses Jahres werden alle Bewohner ausziehen müssen. Dann endet der Vertrag, den der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge geschlossen hat, um das Grundstück als Asylbewerberheim nutzen zu können. Die Situation um die Unterbringung von Flüchtlingen spitzt sich damit dramatisch zu. Dem Landkreis bleiben nur noch wenige Wochen, um die Bewohner in alternative Unterkünfte zu vermitteln. Neustadt kann die Flüchtlinge nicht allein aufnehmen, das sagte Ex-Bürgermeister Manfred Elsner (FDP) noch vor einer Woche. Die Kapazitäten in der Kommune sind begrenzt. Neustadt hat dem Landkreis entsprechend dem vorgegebenen Verteilerschlüssel bereits Unterkünfte angeboten, sodass diese Aufgabe erfüllbar sei. Untergebracht werden die Asylbewerber aktuell im privaten Bereich sowie in Wohnungen der kommunalen Wohnungsgesellschaft wie auch in Wohnungen der Kirchgemeinden. Das Landratsamt arbeitet nun an einer Lösung für die Langburkersdorfer Flüchtlinge. Sie sollen in den nächsten Monaten auf dezentrale Unterkünfte verteilt werden, äußerte Margitta Gärtner, Abteilungsleiterin Ordnung im Landratsamt, Anfang Juli. Passiert ist seitdem noch nichts.

Fest steht: Das Flüchtlingsheim wird nach dem Vertragsende weggerissen. Der Abriss ist Teil des Millionenprojektes an der Kirschallee, das Neustadt startet. Das verwaiste Industriegebiet soll revitalisiert werden. Noch in diesem Jahr ist der Baustart geplant. Die alten Ruinen sollen abgerissen werden, mit dem Ziel, das Areal wieder in ein florierendes Gewerbegebiet zu verwandeln. Das Landratsamt hatte erst kürzlich im Eiltempo den Bebauungsplan genehmigt. Mitte 2016 sollen erste Kaufverträge mit Unternehmen geschlossen werden, die sich vor Ort ansiedeln wollen. Interessenten gäbe es bereits.