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Feueralarm in Sörnewitz

© Roland Halkasch

Nachts zum Freitag ist das Vereinsheim abgebrannt. Vermutung – wieder ein Zündler. Die Fußballer treten trotzdem an.

Von Peter Redlich

Sörnewitz. Vielen, nicht nur Coswigern und Sörnewitzern, war am Freitag zum Heulen zumute, als sie die verkohlten Reste vom Vereinsheim der 320 Motor-Sportler direkt oder auf sz-online sahen. In der Nacht ist ein großer Teil des Heimes niedergebrannt.

Den Vereinsbus konnten die Männer gerade noch rechtzeitig vor den Flammen wegzerren. © Jens Ruppert
Völlig niedergebrannt, ausgeglühte Spinde, die Kegelbahn vernichtet. Das traurige Bild jetzt. © Arvid Müller

Begonnen hat das Unheil gegen zwei Uhr. Dieter Scherf, Geschäftsstellenleiter: „Um diese Zeit hat der Bewegungsmelder an der Westseite des Gebäudes angeschlagen. Daraufhin ist der Sicherheitsdienst der nicht mal einen Kilometer entfernten Firma Michalke zum Heim geeilt. Da schlugen die Flammen schon durchs Dach.“

Kurz darauf traf die alarmierte Feuerwehr ein. Erst die Coswiger, dann die Weinböhlaer und Meißner und schließlich auch noch die Kameraden aus Kötzschenbroda. Insgesamt etwa 60 Männer. „Bei dem extremen Wind hatten wir keine Chance, das Gebäude mit der beliebten Kegelbahn zu retten“, sagt Andreas Schorbogen. Der Einsatzleiter hat schnell erkannt, dass zwischen dem großen Westteil des Heims und dem östlichen Bau eine Brandmauer steht. Genau da haben die Feuerwehrleute mit ihren Wasserkanonen und teils bis zu 500 Meter weit ausgerollten Schläuchen angesetzt. Vor allem auch deshalb, weil dort das Öltanklager, die Heizung und die Küche drin sind. Auch den Kleinbus des Vereins konnten die Männer noch rechtzeitig aus dem hölzernen Carport wegzerren.

Die Kameraden verhinderten schließlich – trotz des aufpeitschenden Westwindes – dass sich die Flammen weiter auf den Küchentrakt durchfressen. Doch für das Gebäude mit der Kegelbahn, dem Hausmeisterbüro, den Umkleiden gab es keine Rettung mehr. „Wir mussten alles kontrolliert niederbrennen lassen“, so Wehrleiter Andreas Schorbogen.

Noch morgens acht Uhr waren die Männer im Einsatz, bis auch die letzten Brandnester sicher gelöscht wurden. Was sich danach dem Betrachter bietet, ist ein Jammer. „Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder saniert, Geld ins Dach, die neuen Türen und die energetische Dämmung gesteckt“, berichten Dieter Scherf und Peter Kandler, der mit den Fußballern vom FC Coswig auch hier trainiert. Trikots und Bälle sind verbrannt. An diesem Sonnabend müssen die Männer bei Fortschritt Meißen antreten. Dieter Scherf: „Wir werden spielen. Die Meißner haben uns angerufen und gesagt, dass sie mit Kleidung aushelfen.“

Auf mindestens eine halbe Million Euro wird bisher der Schaden für den Sportverein geschätzt. Die Brandermittler vom Polizeirevier Meißen waren am Freitagvormittag mit großer Besatzung bereits vor Ort. Ob sie etwas gefunden haben, was auf Brandstiftung hindeutet, war noch nicht zu erfahren.

Allerdings machen Vermutungen die Runde, dass Einbrecher am Werk waren – und davon die Alarmanlage ausgelöst wurde, so Dieter Scherf. Die könnten das Feuer gelegt haben, vielleicht um Spuren zu verwischen. Fakt ist in jedem Fall, dass dies in nur wenigen Monaten seit letztem Sommer der vierte Großbrand in Neusörnewitz ist. Erst eine Industriehalle, dann ein im Rohbau befindliches Eigenheim einer Familie, zuletzt die Halle eines Getränke- und eines Fischhändlers. Diese Woche erschien die Nachricht, dass die Halle wieder aufgebaut wird. Der Rohbau des Einfamilienhauses steht inzwischen wieder. Brandstiftung war an all den Orten wiederholt festgestellt oder zumindest vermutet worden.

Ist hier ein neurotischer Zündler am Werk oder waren es beim Vereinsheim andere, die eben eingebrochen sind und dann Feuer legten? Jedenfalls bittet die Polizei wiederum Anwohner dringend um Hinweise: Wer hat in der Freitagnacht Personen oder Fahrzeuge im Umfeld des Sportlerheims beobachtet, die mit dem Brand in Verbindung stehen könnten? Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter Telefon 0351 4832233 entgegen, so Sprecherin Jana Ulbricht.