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Feuerwehr im Dauereinsatz

In diesem Jahr sind die Kameraden öfter als sonst zur Türnotöffnung und Tragehilfe gerufen worden.

© Archiv/André Braun

Döbeln. Die Döbelner Feuerwehr hatte in diesem Jahr bereits 238 Einsätze. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 153. Die meisten Einsätze, es waren 128, gehen auf Unwetterkatastrophen, das Orkantief „Friederike“ und die Starkniederschläge am 2. sowie am 9./10. Juni, zurück. Der DA sprach darüber mit dem Döbelner Wehrleiter Thomas Harnisch.

Thomas Harnisch Gemeindewehrleiter der Großen Kreisstadt Döbeln.
Thomas Harnisch Gemeindewehrleiter der Großen Kreisstadt Döbeln. © Sylvia Jentzsch

Herr Harnisch, die 169 aktiven Kameraden der Döbelner Gemeindewehr hatten allein bis Juni 2018 so viele Einsätze wie seit 20 Jahren nicht. Zehrt das an den Kräften?

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Wir sind eine gute und motivierte Mannschaft, die das verkraften kann. Nicht jeder Kamerad ist bei jedem Einsatz dabei. Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Menschen in Not zu helfen. Dafür sind wir bei der Feuerwehr und bilden uns ständig weiter. Aller 14 Tage haben wir zwei Stunden Dienst zu einem bestimmten Thema. Hinzu kommen zweimal im Jahr Sonderdienste. Die gehen dann über sieben Stunden und werden von allen Kameraden der Gemeindewehr wahrgenommen. Dann wird ein Stationsbetrieb organisiert. Hinzu kommen das Atemschutztraining für die Atemschutzträger und das Sicherheitsfahrtraining. In diesem Jahr hatten wir auch eine große gemeinsame Übung im Stahlbau Lüttewitz. Alle Kameraden sind hoch motiviert. Und es kommt auch ab und zu vor, dass sich Leute bei uns melden, die gern bei uns mitmachen wollen. Dafür sind jedoch verschiedene Voraussetzungen und die Bereitschaft zum Grundlehrgang notwendig.

Wie oft wird die Feuerwehr zu Türöffnungen gerufen? Warum übernimmt das kein privater Schlüsseldienst?

Wir werden dann gerufen, wenn Gefahr in Verzug ist. Das unter anderem der Fall, wenn zum Beispiel der Rettungsdienst nicht in die Wohnung kommt. Dann ist Eile geboten. In Döbeln gibt es nur einen Schlüsseldienst. Der könnte diesen schnellen Einsatz nicht immer garantieren. Wenn allerdings genügend Zeit ist, dann kommt der Handwerker zum Einsatz. In diesem Jahr wurden wir bisher zu 17 Türöffnungen gerufen. Wir werden oft in Verbindung mit einer sogenannten Tragehilfe angefordert. Das geschieht dann, wenn die Rettungssanitäter es nicht schaffen, schwergewichtige Personen über mehrere Etagen zu transportieren. Oft sind Frauen bei den Sanitätern dabei, die Unterstützung beim Tragen des Patienten benötigen. Wir wissen, wie und wo wir zupacken müssen, damit die Person sicher in das Krankentransoportfahrzeug kommt. Die Kameraden haben alle eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Denn wir müssen manchmal auch bei Unfällen Erste Hilfe leisten.

Oft ist der Signalton der Feuerwehr zu hören. Kurze Zeit später rücken die Kameraden wieder ein. Das dann der Fall, wenn eine Brandmeldeanlage ausgelöst hat. Wie wichtig sind diese Anlagen, obwohl sie ab und zu einen technischen Defekt haben?

Die Brandmeldeanlagen (BMA) sind wichtig und für bestimmte Betriebe gesetzlich vorgeschrieben. In diesem Jahr wurden wir 14 Mal blind alarmiert. Das heißt, die BMA hatte einen technischen Defekt. Nachdem wir uns überzeugt haben, dass es für das Auslösen keine Ursache gibt, stellen wir die Anlage zurück und die Wehr wieder ins Depot ein. Und manchmal wird die BMA ihrer Aufgabe auch gerecht. Ich erinnere mich daran, dass wir zwölf Mal zur Firma Autoliv ausgerückt sind, als es sie noch in Döbeln gab. Doch dann hat es eben auch zweimal gebrannt und es konnte Schlimmeres verhindert werden. Früher gab es allerdings noch eine Zeit zwischen dem Auslösen der BMA und der Alarmierung. Wenn vor Ort festgestellt wurde, dass es sich um einen technischen Defekt handelte, konnte der Einsatz verhindert werden. Das ist bei der neuen Leitstelle nicht der Fall. Nach Eingang der Meldung werden wir sofort alarmiert.

Manchmal werden sie auch zu ungewöhnlichen Einsätzen wie zum Beispiel zur Tierrettung gerufen. Wie oft passiert das?

Bisher waren es drei Einsätze dieser Art. Meist sind es Katzen oder Vögel, die wir von Bäumen retten. Doch diesmal war es ein Reh, das uns beschäftigte. Das hatte sich an der Töpfergasse verfangen, wurde aber schon von Passanten befreit. Wenig später ging bei den Feuerwehrleuten ein zweiter Alarm ein. Vermutlich das gleiche Tier hatte sich mit dem Kopf und einem Bein in einem Weidezaun am ehemaligen Obdachlosenheim an der Staupitzstraße verheddert. Wir deckten eine Plane über den Kopf des Tieres, um es zu beruhigen, fixierten die Beine und transportierten es in einer Wanne ab. Das Tier hatte nur leichte Blessuren abbekommen.

Welche Einsätze standen bei der Gemeindewehr noch auf der Tagesordnung?

Wir haben Ölspuren beseitigt, wenn sie eine Gefahrenquelle darstellten. Das ist bedeutend weniger geworden, weil diese Aufgabe in der Woche der städtische Bauhof übernimmt, und bei größeren Ölspuren wird eine Fachfirma eingesetzt. Wir haben in diesem Jahr auch schon kleinere Brände wie den einer Laube gelöscht und waren bei überörtlichen Einsätzen wie den Waldbrand in Hochweitzschen im Einsatz. Nicht vergessen werden darf unsere Sicherheitswache im Mittelsächsischen Theater. Vor allem in der Vorweihnachtszeit gibt es da viele Veranstaltungen.

Für dieses Jahr plant die Stadt noch einige Investitionen in die Feuerwehr. Welche sind das?

Dem Neubau des Beichaer Feuerwehrgerätehauses steht nichts mehr im Weg, nicht einmal die Scheune neben dem bisherigen Vereinshaus. Denn die wurde schon abgerissen. Hier werden zwei Stellplätze entstehen. Die bisherige Garage der Ebersbacher Wehr wird in diesem Jahr für einen Umkleideraum und Sanitärräumen umgebaut. Außerdem soll die Döbelner Wehr ein neues Tanklöschfahrzeug 4 000 erhalten. Wir sind gerade dabei, die Ausschreibung vorzubereiten. Insgesamt investiert die Stadt in diesem und im kommenden Jahr 1,7 Millionen Euro für die Wehr.

Es fragte: Sylvia Jentzsch