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Feuerwehr Lawalde baut komplett neu

Gemeinderat beschließt Aufgabe der bisherigen Standorte in der Ortsmitte und in Lauba. Kameraden hatten bei anderer Lösung mit Austritt gedroht.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

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Beim im Wortsinne heißesten Thema des noch jungen Jahres wäre der Gemeinderat Lawalde beinahe nicht beschlussfähig gewesen. Erst als eine sechste Gemeinderätin die von der Grippe gelichteten Reihen ergänzte, sagte Bürgermeisterin Nadja Kneschke (parteilos) erleichtert: „Jetzt kann uns nichts mehr passieren.“

Das Depot der Feuerwehr im Ortsteil Lauba bekam vom Gutachter ein „Mangelhaft“.
Das Depot der Feuerwehr im Ortsteil Lauba bekam vom Gutachter ein „Mangelhaft“. © Matthias Weber
Der Standort der Feuerwehr in Kleindehsa ist „Unzureichend“, die Wehr dort oft nicht einsatzbereit.
Der Standort der Feuerwehr in Kleindehsa ist „Unzureichend“, die Wehr dort oft nicht einsatzbereit. © Matthias Weber

Auf der Tagesordnung stand der Brandschutzbedarfsplan. Der ist von einer Kommune laut Brandschutzgesetz und Feuerwehrverordnung alle fünf Jahre als Nachweis einer leistungsfähigen Feuerwehr aufzustellen. Die Gemeinde Lawalde hatte dafür bei der Dresdner Brandschutzberatung Emragis eine „empirisch mathematische Risikoanalyse“ in Auftrag gegeben. Als Ergebnis dieser Analyse wird das Lawalder Feuerwehrwesen nun völlig neu aufgestellt. Der mit der Analyse befasste Sicherheitsingenieur Christoph Gurath trug im Gemeinderat einige Mängel des bisherigen Systems vor.

Der Brandschutz in Lawalde ruht auf den traditionell gewachsenen Feuerwehr-Strukturen im Kernort sowie den Ortsteilen Lauba und Kleindehsa. Die Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr bemisst sich einerseits nach deren technischer Ausstattung und andererseits nach dem Ausbildungsgrad und der Verfügbarkeit von Feuerwehrkräften. Als standardisierten Referenzfall zur Messung der Leistungsstärke nannte Gutachter Gurath einen sogenannten „kritischen Wohnungsbrand“ im 1. oder 2. Stock mit einer vermissten Person und verrauchten Rettungswegen. Bei diesem Szenario müsse innerhalb von vier Minuten nach dem Alarm ein erstes Tanklöschfahrzeug am Brandort eintreffen, spätestens nach 13 Minuten ein zweites Rüstfahrzeug.

Laut der Risikoanalyse ist diese Wehrbereitschaft bei den drei Lawalder Ortsfeuerwehren unterschiedlich ausgeprägt. Während am Standort Lauba mit 40 aktiven Feuerwehrkameraden jederzeit die doppelte Besetzung beider Fahrzeuge gewährleistet sei, fehle es in Lawalde tagsüber bereits an Feuerwehrkräften. Für den Standort Kleindehsa konstatierte Gutachter Christoph Gurath gar: „Oft ist die Feuerwehr nicht einsatzbereit.“ Darüber hinaus beurteilte er das Gerätehaus der Ortsfeuerwehr Lauba als „Mangelhaft“, das in Kleindehsa als „Unzureichend“.

Die vorgeschlagenen Lösungsvarianten sorgten für Zündstoff unter den reichlich in der Gemeinderatssitzung anwesenden Feuerwehrkameraden. Die sogenannte „Variante II“ sieht bei einer Investition von zwei Millionen Euro vor, die vorhandenen Feuerwehrstandorte zu ertüchtigen und aufgrund der Personalsituation in Kleindehsa die Feuerwehr des benachbarten, aber zu Löbau gehörenden Großdehsa mit in den Brandschutzbedarfsplan zu ziehen. Die vom Gemeinderat bevorzugte „Variante V“ dagegen macht den radikalen Schnitt: Die Ortsfeuerwehrstandorte Lauba und Lawalde aufgeben und an zentraler Stelle ein neues Feuerwehrhaus errichten. Die dafür nötigen Mittel schätzte der Experte auf 1,9 Millionen Euro ein.

Bürgermeisterin Nadja Kneschke wollte die Beschlussfassung zunächst auf den März verschieben, damit sich die Feuerwehrkameraden eine Meinung zu den Varianten bilden können. „Wenn wir ein zentrales Gerätehaus bauen, wird es keine Aufrechterhaltung der Standorte Lauba und Lawalde mehr geben“, sagte sie mit Blick etwa auf die Vereinstätigkeit und Veranstaltungen der jeweiligen Ortsfeuerwehren. Solche „soziokulturellen“ Gesichtspunkte flossen nämlich ausdrücklich nicht in die Analyse ein. Sie gehören laut Gutachter Gurath „nicht zur kommunalen Daseinsvorsorge“. Welche Variante man auch wähle: „Es wird wehtun und für den ein oder anderen nicht das sein, was er sich vorstellt“, sagte Kneschke.

Viele Feuerwehrkameraden drängten dagegen auf eine sofortige Entscheidung. Der zukünftige Stellvertretende Wehrleiter Jupp Scheibe forderte gar ultimativ eine Entscheidung für die zentrale „Variante V“. Er und andere Kameraden stünden bei einer abweichenden Entscheidung nicht mehr zur Verfügung. Der Gemeinderat beschloss darauf die Neuordnung..