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Feuerwehr ohne Wasser

Ein Wehrleiter beklagt sich über den schlechten Zustand der Feuerlöschteiche. Die Antwort könnte große Teile der Bevölkerung beunruhigen.

© Archiv/Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Käbschütztal. Ein Feuerwehrmann schlägt Alarm. Marcus Schmuck, stellvertretender Wehrleiter in Löthain, machte jetzt im Gemeinderat auf die Situation bei den Feuerwehren aufmerksam. „Die Feuerwehren stehen im Notfall an der Einsatzstelle und können im schlimmsten Fall nicht helfen, weil zu wenig Personal, Technik oder Löschwasser vorhanden sind“, sagte er. Vor allem die Versorgung mit Löschwasser sei flächendeckend mangelhaft oder schlicht nicht vorhanden. „Wahrscheinlich ist vielen Bürgern der Gemeinde gar nicht bewusst, dass es zahlreiche Ortsteile gibt, die nicht über den gesetzlich vorgeschriebenen Löschwasservorrat verfügen“, sagte Schmuck.

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Selbst die Ganztagsschule in Krögis, in der zahlreiche Kinder unterrichtet werden, verfüge nicht über den notwendigen Löschwasservorrat. So könnten die Feuerwehren im Einsatzfall nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig Hilfe leisten, da alle Löschfahrzeuge der Gemeinde nur geringe Wasservorräte mitführen können. Besonders prekär sei dieses Problem in denjenigen Ortsteilen, in denen gar keine Löschwasservorräte vorhanden seien, weil es entweder keine Feuerlöschteiche gibt oder diese versandet sind. „Bis ausreichend Kräfte nachgefordert sind, kann bei einem Brand vermutlich nur noch der Brandschutt gelöscht werden“, so Marcus Schmuck. Hinzu komme, dass das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Planitz-Deila, welches immer noch nicht zu allen Einsätzen primär alarmiert werde, weil es sich um ein Sonderfahrzeug handelt, meist erst nachgefordert werden müsse.

„Sie haben vollkommen recht. Was nützt es, wenn die Feuerwehr kommt und sie hat kein Wasser. Doch bei 37 Ortsteilen ist es schwierig“, sagte Bürgermeister Uwe Klingor (CDU). Die Gemeinde habe erst in den vergangenen Jahren fünf Feuerlöschteiche instandgesetzt, diese seien jedoch innerhalb kurzer Zeit wieder verschlammt. Der Teich in Mohlis sei vor zehn Jahren gemacht worden. „Auch dort ist es wieder ganz schlimm.“ Kurzfristige Lösungen könne er keine anbieten. Alles hänge am Geld. Eine Hoffnung habe er aber. Der Landkreis solle vom Freistaat in diesem Jahr statt der geplanten 1,2 Millionen Euro jetzt drei Millionen Euro für die Feuerwehren bekommen. Käbschütztal hofft, von dem Kuchen ein großes Stück abzubekommen.

Dass Gemeinden mit dem Geld auskommen können, um die Löschwasserversorgung zu gewährleisten, dafür genügt ein Blick über den Tellerrand. Hirschstein hat zum Beispiel kürzlich in Böhla eine Löschwasserzisterne gebaut. Damit ist nun in allen Ortsteilen dieser Gemeinde die Löschwasserversorgung gesichert, teilweise über Teiche, teilweise über Hydranten.

Doch in Käbschütztal fehlt es praktisch an allem. Darüber, dass zwei Feuerwehrautos auf mehr als 25 Jahren alten Reifen fahren, ist schon berichtet worden, auch dass das Geld kaum reicht, um Schutzkleidung und Schuhe für die Kameraden zu kaufen. Doch es hängt noch an weiteren Dingen. So ist es der Ortsfeuerwehr Löthain vor zwei Jahren gelungen, vier neue Kameraden zu gewinnen. Als diese ihren Dienst antreten wollten, gab es für sie nicht mal Spinde.

„Damit sie nicht gleich wieder auf dem Absatz kehrt machen, sind wir Feuerwehrleute auf eigene Kosten nach Bayern gefahren und haben uns dort gebrauchte Spinde besorgt“, berichtet Marcus Schmuck. Er wollte wissen, was der Gemeinderat getan habe, um die Tageseinsatzbereitsschaft der Feuerwehren zu verbessern. Jens Langer, Gemeinderat für die CDU und stellvertretender Bürgermeister, schob alle Verantwortung von sich: „Das ist nicht Aufgabe des Gemeinderates, sondern der Verwaltung. Fragen sie die übergeordneten Behörden, die eine Gemeinde finanziell krachen gehen lassen“, wies er den ehrenamtlichen Feuerwehrmann zurecht.

Langer hätte sich eine Eilentscheidung des Bürgermeisters zur Erneuerung der alten Reifen gewünscht. Dieter Buhlig (Wählervereinigung Käbschütztal), stellvertretender Wehrleiter in Kleinkagen und zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters, sieht dafür offenbar keinen Anlass: „Die Fahrzeuge sind doch mit diesen Reifen immer durch den TÜV gekommen, warum sollte ich da zum Bürgermeister gehen und um Geld für neue Reifen betteln?“

Udo Scholz (Wählervereinigung Käbschütztal) wiederholte seinen Vorschlag, die Kräfte zu bündeln, Feuerwehrstandorte zusammenzulegen und zwei der vier Feuerwehrstandorte zu schließen. Das stößt allerdings auf Widerstand sowohl in der Verwaltung als auch in der Feuerwehr selbst. Dann seien die vorgeschriebenen Einsatzzeiten nicht mehr zu gewährleisten. Es wird im Gegenteil sogar in Erwägung gezogen, den einst geschlossenen Standort Niederjahna wieder zu öffnen.

Die Feuerwehr in Löthain wird auch in diesem Jahr vier Kameraden in die aktive Wehr übernehmen. „Ich hoffe nur, dass für die neuen Kameraden wenigstens dieses Mal die Schutzkleidung und die Spinde finanziert werden können“, sagt der stellvertretende Wehrleiter.