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Feuerwehr-Prämie sorgt für Skepsis

Die Wehrleiter im Landkreis begrüßen zwar den Geldsegen des Freistaates. Manche Wünsche blieben aber unerfüllt.

© Sebastian Schultz

Von Stephan Hönigschmid und Stefan Lehmann

Landkreis/Riesa. Am Ende hat sich das zähe Ringen ausgezahlt: Mehrfach hatten Oberbürgermeister und Wehrleitung beim Landkreis darauf hingewiesen, die Riesaer Feuerwehr brauche neue Ausrüstung. Offenbar so nachdrücklich, dass auch der Landrat noch einmal auf diese Hartnäckigkeit hinwies, als er am Mittwoch den Scheck übergab. 55 000 Euro kann die Feuerwehr Riesa in diesem Jahr ausgeben: für neue Helme, Einsatzjacken, Hosen und weitere Einsatzkleidung. Drei Viertel davon bezahlt der Landkreis, den Rest die Stadt. Dazu kam der 330 000-Euro-Scheck für einen neuen Gerätewagen, gefördert durch Freistaat und Landratsamt. „Meißen und Radebeul haben schon so einen“, erklärt Wehrleiter Egbert Rohloff. Nur Riesa musste sich seit 1998 mit einem kleineren Wagen begnügen. Dort passe aber nicht alles drauf, das die Feuerwehr bei Gefahrguteinsätzen benötigen könnte. Nun ist das Geld da, schon am Montag soll ausgeschrieben werden.

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Wie viele anderen Feuerwehren profitieren auch die Riesaer von dem Geld, das der Freistaat zusätzlich bereitstellt. Drei Millionen Euro zusätzlich pro Jahr sollen es sein, insgesamt 215 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. In diesem Zuge sollen Sammelbeschaffungen von Feuerwehrfahrzeugen höher gefördert werden und die Kommunen jährlich eine Pauschale von 50 Euro pro aktivem Angehörigen der Feuerwehr erhalten. Sachsenweit sind das derzeit 42 000 Kameraden. Feuerwehrleute, die 50 Jahre aktiven Dienst geleistet haben, erhalten als Anerkennung für ihre ehrenamtliche Arbeit zudem eine Jubiläumsprämie von 500 Euro. Außerdem wird der Führerschein für die Klasse C oder CE, der 2 000 bis 3 000 Euro kostet, mit jeweils tausend Euro gefördert.

„Es wurde Zeit, dass sich etwas tut“, sagt dazu Mirko Knöfel, Ortswehrleiter in Klipphausen. „Unser zweites Löschfahrzeug ist noch von 1972, und ein Teil unserer Dienstkleidung hat noch nicht die vorgeschriebenen Reflektorstreifen.“ Auch die eher symbolischen 50 Euro für die Kameraden begrüße er. „Weil wir viele junge Mitglieder haben, ist denen das wichtiger als eine Feuerwehrrente“, sagt Mirko Knöfel. Riesas Wehrleiter winkt dagegen ab, wenn man ihn auf die 50-Euro-Prämie anspricht. „Davon bekommen wir nicht einmal ein paar Handschuhe.“ Den Kameraden einfach das Geld geben, das gehe wiederum aus steuerrechtlichen Gründen nicht: Geschenke sind nur bis 40 Euro erlaubt. Trotz der Skepsis wolle er abwarten, wie die Prämie am Ende konkret umgesetzt werden soll, ehe er ein abschließendes Urteil fällt.

Ähnlich skeptisch sind die Wehrleiter in Radebeul, Radeburg und Meißen. „Die Idee mit den 50 Euro ist schon nicht schlecht, aber eine Feuerwehrrente wäre noch besser gewesen“, sagt Radeburgs Stadtwehrleiter Marcus Mambk. Ähnlich sieht das Meißens Wehrleiter Frank Fischer. „Der Anreiz für die Feuerwehrleute wäre größer, weil das etwas Bleibendes ist, was sie sich über die Jahre erarbeitet haben. Die Prämie von 500 Euro werden hingegen nur wenige Kameraden bekommen, da nicht viele auf 50 aktive Dienstjahre kommen.“ In puncto Ausrüstung kommt der Geldsegen in Meißen etwas zu spät. „Wir haben bereits neue Überjacken und Überhosen im Wert von 50 000 Euro bestellt“, sagt Fischer. Obwohl die Wehr nach eigenen Angaben gut ausgestattet ist, muss sie demnächst ein neues Löschfahrzeug für 380 000 Euro anschaffen, damit ein anderes von 1993 ausrangiert werden kann. – In Radeburg fehlt es wiederum an einem eigenen Drehleiterwagen, während in Radebeul ein solcher ersetzt werden soll. Am Investitionsprogramm des Freistaates gefällt Wehrleiter Dirk Liebscher vor allem die Führerscheinförderung. „Im Gegensatz zu DDR-Zeiten haben ja heute viele keinen Führerschein mehr für Lkw über 7,5 Tonnen. Dieser wird aber für die Feuerwehr benötigt. Die Förderung von 1 000 Euro im Jahr, die zwei Kameraden jeweils erhalten, finde ich daher hilfreich“, sagt Liebscher, der in Radebeul auf 100 aktive Mitstreiter zählen kann.

Gegen eine höhere Sachförderung haben die Coswiger Kameraden zwar auch nichts einzuwenden. Dennoch beschäftigt Ordnungsamtschef Olaf Lier ein anderes Thema noch mehr. „Die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn man keine qualifizierten Leute hat. Gute Leute haben aber gute Jobs und arbeiten oft auch auswärts, was tagsüber für die Bereitschaft ein Problem ist.“ Im Sinne der Attraktivität der Feuerwehr halte er es für richtig, dass Sachsen die Kapazitäten der Landesfeuerwehrschule in Elsterheide ebenfalls erhöhen will. „Das ist wichtig. Denn Feuerwehr muss auch Spaß machen“, sagt Lier.