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Feuerwehr prüft Einsatz von Drohnen

Die Kreisbrandmeisterei denkt über eine Lageerkundung aus der Luft nach. Noch sind einige Fragen offen.

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© Norbert Millauer

Von Jörg Richter

Großenhain/Meißen. Wärmebildkameras oder Computertablets mit speziellen Apps gehören bei modernen Feuerwehren fast schon zur Grundausstattung. Der technologische Fortschritt bei den Brandschützern kennt offenbar keine Grenzen. Vor Kurzem hat Kreisbrandmeister Ingo Nestler die Stadt- und Gemeindewehrleiter über einen neuen Vorstoß informiert. Die freiwilligen Feuerwehren könnten in nicht allzu langer Zeit den Luftraum erobern – mit Drohnen.

„Wir können uns diesem Thema nicht länger verschließen“, sagt Nestler. Es gebe im Landkreis Meißen bereits drei, vier Kameraden, die Drohnen privat gekauft haben und diese bei Feuerwehr-Übungen einsetzen. Mal aus Spaß, aber oft schon mit ernsthaftem Hintergrund.

So wie vor Kurzem in Moritzburg, als THW-Teams aus ganz Sachsen unter Leitung der dortigen Feuerwehr einen Rettungseinsatz in der alten Mittelschule durchführten. Auch der Moritzburger Hauptlöschmeister Christian Lehmann war mit vor Ort und koordinierte die Übung. Dabei benutzte er seine eigene Drohne, die mit einer Videokamera ausgestattet ist, um den Einsatz von oben zu dokumentieren. „Wenn das Wetter passt, setzen wir die Drohne ein“, hatte er vorher angekündigt. Und das Wetter spielte mit. Die Drohne lieferte klare Luftbilder von der großangelegten Rettungsübung.

Hobby-Drohnenpilot Lehmann ist überzeugt, dass die kleinen, ferngesteuerten Flugobjekte in Zukunft die Arbeit der Einsatzleiter unterstützen können. „Denn von oben habe ich eine ganz andere Perspektive“, sagt der 36-Jährige. Mit einer Wärmebildkamera könnten aus der Luft Glutnester oder verunglückte Personen schnell entdeckt werden, ohne die Angriffstrupps der Feuerwehr, die mit Atemschutz in brennende Häuser gehen, lange suchen lassen zu müssen. Lehmann könnte sich auch Drohneneinsätze bei Elbehochwasser vorstellen. Mit den unbemannten Flugobjekten könnten problemlos Deiche kontrolliert werden, ohne eigene Einsatzkräfte in Gefahr zu bringen. „Bei optimalen Bedingungen komme ich locker fünf, sechs Kilometer weit“, sagt Lehmann. „Aber da hat man die Drohne nicht mehr im Blick.“ Und das sei laut der neuen Drohnenverordnung nicht erlaubt.

Diese regelt seit März, wo und wie hoch (maximal 100 Meter) private Drohnen fliegen dürfen, und wer welche Drohne (je nach Gewicht) überhaupt starten lassen darf. Zum Beispiel benötigen Besitzer von Drohnen, die schwerer als fünf Kilogramm sind, eine Aufstiegserlaubnis der Landesluftfahrtbehörde.

Kreisbrandmeister Ingo Nestler weiß, dass noch einige Fragen offen sind, bevor die erste Feuerwehrdrohne bei einem Einsatz vom Boden abheben kann. „Das Thema ist seit zwei Jahren auf dem Tisch“, sagt er. Feuerwehrausrüster hätten Drohnen mit Wärmebildkameras und entsprechender Software entwickelt. Auch das Messen von Gefahrenstoffen in der Luft soll nun möglich sein. „Zudem sind Luftbilder für den Gesamtüberblick des Einsatzleiters hilfreich. Da kann er schnellere Entscheidungen treffen“, so Nestler.

Dass sich jede Feuerwehr nun aber eine eigene Drohne anschaffen soll, hält er für übertrieben. „Das macht keinen Sinn, weil Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen“, sagt der Kreisbrandmeister. Er plädiert für ein kreisweites Drohneneinsatzkommando mit speziell ausgebildeten Piloten, die in Ausnahmefällen auch die Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde haben sollen, höher als 100 Meter die Drohnen fliegen lassen zu dürfen. Sehr wahrscheinlich würde das Drohneneinsatzkommando dem Katastrophenschutzzug des Landkreises Meißen unterstellt. Dieser ist auf mehrere Feuerwehrstandorte verteilt.

Viele Gespräche auf Kreis- und Landesebene sind dafür noch erforderlich. „Wir reden über die Zukunft, aber wir müssen uns jetzt damit beschäftigen“, sagt Nestler. In seinem Auftrag hat Lehmann das Konzept „Drohnen im Feuerwehr-Einsatz im Landkreis Meißen“ erstellt.