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Feuerwehr verteilt Löscheimer

Steinbacher Kameraden weisen mit einer witzigen Idee auf ein ernstes Thema hin.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Jörg Richter

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Steinbach/Großenhain. Da waren wohl viele Menschen in Steinbach überrascht. Vor ihrer Haustür fanden sie am Sonntag einen roten „Haushalts-Löscheimer“. So steht es jedenfalls auf der Vorderseite des Fünf-Liter-Gefäßes. Der Aufkleber auf der Rückseite lässt den Leser schmunzeln. In vier Schritten wird erklärt, wann der Eimer bei Feuer zum Einsatz kommen soll. Erstens: Brand melden, Wählen Sie den Notruf 112! Zweitens: Ca. 8 Minuten warten. Hoffen, dass die Feuerwehr kommt. Drittens: Wenn keine Feuerwehr kommt, Haushalts-Löscheimer mit Wasser füllen! Viertens: Wenn Feuer jetzt zu groß, Nachbarn informieren, Eimer-Kette bilden!

Spätestens da will man unweigerlich lachen, wenn der Grund, warum die Steinbacher Feuerwehrleute die Haushalts-Löscheimer verteilt haben, nicht so ernst wäre. Ortswehrleiter Marco Hoffmann und seine Kameraden machen sich Sorgen, dass wochentags nicht genügend freiwillige Helfer da sind, wenn die Sirene ertönt. „Wir wollen mit dieser Aktion vermeiden, dass unsere Feuerwehr irgendwann aus Personalmangel nicht mehr ausrücken kann“, so Hoffmann.

Zwar gibt es in Steinbach 23 aktive Feuerwehrleute. Aber die meisten arbeiten auswärts und stehen in der Woche tagsüber nicht zur Verfügung. So geht es den meisten Feuerwehren auf dem Lande. In Lausitzer Dörfern, würden bereits Feuerwehren von 6 bis 18 Uhr bei der Leitstelle abgemeldet, weil eh keiner da ist.

Das verrät das Anschreiben, das die Steinbacher Kameraden in den Haushalts-Löscheimer hineingelegt haben. Darin erfährt der Leser, dass das Sächsische Brand- und Katastrophenschutzgesetz vorsieht, dass innerhalb von acht Minuten die ersten Feuerwehren am Einsatzort sein sollen. „Wir haben Sorge, dass wir diese wichtige und lebensrettende Zeitvorgabe in Zukunft nicht mehr halten können“, so der Wehrleiter. Und die Steinbacher werden auch ziemlich an ihrer Ehre gepackt. Immerhin würden in dem Moritzburger Ortsteil rund 1000 Menschen leben. Rein rechnerisch seien damit gerade Mal 2,3 Prozent der Steinbacher in der Feuerwehr aktiv.

100 Haushalts-Löscheimer hat der Förderkreis der Freiwilligen Feuerwehr Steinbach gekauft und selbst bekleben lassen. Die Idee dazu hat Hoffmann im Internet entdeckt. Feuerwehren aus Bayern hatten sie wohl vor einigen Jahren zuerst. Dort heißen die Eimer allerdings „Haushalts-Löschkübel“.

Marcus Mambk, Mitarbeiter in der Kreisbrandmeisterei in Großenhain und selbst in seiner Freizeit Radeburger Stadtwehrleiter, hat auch schon von den Haushalts-Löscheimern gehört. Vereinzelt gab es in Sachsen bereits Nachahmer. „Aber im Landkreis Meißen dürften die Steinbacher die Ersten sein“, glaubt Mambk. „So eine Aktion mit persönlichem Kontakt bringt meistens was“, macht er den Steinbachern Mut. „Mehr jedenfalls als Plakate.“ Die landesweite Plakataktion des sächsischen Innenministeriums „Helden gesucht“ brachte nur mäßigen Erfolg.

Seit Jahren sind die Mitgliederzahlen in den Freiwilligen Feuerwehren Sachsens rückläufig. „Der Abwärtstrend dauert an“, sagt der 1. stellvertretende Kreisbrandmeister Wolfgang Sax. Gab es 2015 im Landkreis Meißen noch 3219 aktive Feuerwehrleute, waren es ein Jahr später 3163. Die aktuelle Statistik für 2017 wird momentan noch zusammengetragen und soll Ende März auf der Jahreshauptversammlung der Kreisbrandmeisterei veröffentlicht werden. Dass die 3 000er-Marke bereits unterschritten wurde, hofft Sax nicht. Aber irgendwann wird es soweit sein. Sax sieht darin auch ein Gesellschaftsproblem. „Viele Leute haben in ihrer Freizeit andere Prioritäten, als nach der Arbeit auch noch zur Feuerwehr zu gehen. Und das auch noch freiwillig, ohne Bezahlung“, so Sax. Zudem würden viele Menschen glauben, es gebe doch reichlich Feuerwehrleute. Das Gegenteil sei der Fall.

Die Steinbacher Feuerwehr hat ihre 100 Haushalts-Löscheimer gezielt verteilt. „Vor allen bei den Zuggezogenen, die uns nicht kennen“, so Hoffmann. Oft hatten die Kameraden Leute vorm Haus oder im Garten angetroffen und kamen mit ihnen ins Gespräch. „Es gab keinen, der negativ reagiert hat“, erzählt der Wehrleiter. „Jetzt heißt es abwarten.“ Die Feuerwehr hat für den 7. April zu einer Kennenlernrunde ins Gerätehaus eingeladen.