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Feuerwehrmesse "Florian": Wo Gaffen erwünscht ist

Im Ostragehege in Dresden ging am Wochenende die "Florian 2021" zu Ende. 13.000 Besucher staunten unter anderem über einen QR-Code gegen Gaffer.

Der Blick von der langen Leiter zeigt: Jede Menge Betrieb war an diesem Sonnabend bei der Feuerwehrmesse Florian.
Der Blick von der langen Leiter zeigt: Jede Menge Betrieb war an diesem Sonnabend bei der Feuerwehrmesse Florian. © René Meinig

Dresden. Normalerweise ist das verboten, kann sogar Strafe kosten: Bis zu 1.000 Ordnungsgeld muss bezahlen, wer Feuerwehrleute oder Retter beim Einsatz beobachtet und dabei sogar stört. Gaffer sind eine Plage und ihr Stören kann im schlimmsten Fall sogar Leben kosten. Doch hier war es ausdrücklich erwünscht, stehenzubleiben, zu fotografieren und zu filmen, auch wenn ein "Verletzter" abgeseilt oder ein blutender "Patient" auf einer Liege versorgt wurde. Im Ostragehege endete am Wochenende die Feuerwehrmesse "Florian", eine Schau, die sich vor allem an Löschprofis, an den Zivil- und den Katastrophenschutz wendet. Vor allem am Messe-Sonnabend strömten aber auch Besucher ins Ostragehege, die sich einfach nur für diese Themen interessierten.

"Pflichtveranstaltung" für Feuerwehrleute und Retter

Thomas Bär ist einer der Profis. Mit seinem Sohn Johann-Carlos kam er zur "Florian 2021", denn der Vierjährige weiß schon genau, was er will: "Feuerwehrmann werden", wie der Papa. Der gehört zu den Löschprofis der Ortsfeuerwehr Paulsdorf, die zur Freiwilligen Wehr in Dippoldiswalde gehört. In wie vielen Feuerwehrautos Johann-Carlos an diesem Sonnabend schon gesessen hat? "Gefühlt in allen", sagt der Papa, nachdem er seinen Sprössling gerade wieder vom Sitz eines der großen roten Einsatzfahrzeuge gehoben hat.

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Auch bei den Paulsdorfer Feuerwehrleuten ist der Vierjährige regelmäßig zu Gast, schließlich gibt es auch dort die roten Autos und sie haben sogar ein Boot - für Einsätze auf der Talsperre Malter. "Pflichtbesuch", kommentiert Vater Thomas Bär die Visite auf der Messe, aber einer, bei dem das Angenehme im Mittelpunkt stand. Ausnahmsweise ging es trotz der vielen Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge mal nicht ums Löschen oder Helfen.

Bei diesem Einsatz von Höhenretter Andreas Spengler sind Handybilder erwünscht.
Bei diesem Einsatz von Höhenretter Andreas Spengler sind Handybilder erwünscht. © René Meinig

Filmen und Fotografieren ausdrücklich erwünscht

Andreas Spengler hatte trotzdem einen Einsatz. Einen, bei dem er sich gern filmen und fotografieren ließ. Er zeigte, wie ein Verunglückter aus großer Höhe gerettet werden kann. Spengler und sein "Patient" hingen an einer ausgefahrenen Feuerwehrleiter in den Seilen und demonstrierten die Höhenrettung - eine Spezialität der Feuerwache Dresden-Übigau. Dort sind die Kollegen stationiert, die in Dresden auf solche Einsätze spezialisiert sind. 45 sind es insgesamt. Alle zusammen sichern ab, dass sechs stets in der Wache verfügbar sind.

Neue Idee gegen Gaffer

In einer der Hallen stand bei der diesjährigen Florian ein Auto mit einem ganz neuen Motiv auf dem Lack. Es handelte sich um einen Rettungswagen der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) aus Berlin, versehen mit einem mehr als mannsgroßen QR-Code auf dem Aufbau. "Gaffen tötet!" heißt das Projekt, das JUH-Rettungsdienstleiter Ben Molderings vorstellte. Wer sein Handy den Code auf dem Kofferaufbau "lesen" lässt, weil er filmen oder ein Foto machen möchte, bekommt einen Hinweis auf die Internetseite der Kampagne "Gaffen tötet!". Dort steht in dicken weißen Buchstaben auf rotem Grund: "Es kann Rettungskräfte behindern und zur Straftat werden."

22 JUH-Verbände testen den Einsatz solcher Fahrzeuge bundesweit mit rund 35 Autos. Zwei davon sind in Berlin im Einsatz. Parallel dazu läuft eine Studie, die nach einem Jahr klären soll, ob und wie die QR-Codes wirken. "Schaulust ist total menschlich", sagt Professorin Marisa Przyrembel von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Andernfalls drohe die Möglichkeit, dass man Gefahren ignoriere. Doch wer weiter zuschaut, wenn er nicht helfen kann, also gafft und dabei gar filmt und fotografiert, ist mindestens unerwünscht - im schlimmsten Fall sogar ein Straftäter. Ob die riesigen QR-Codes Gaffer abschrecken oder wenigstens ihre Zahl minimieren können, ist noch nicht klar. "Aber wir bekommen hier viele positive Rückmeldungen", sagt der Berliner Rettungsdienstleiter Ben Moderings.

Beim Versuch, das Einsatzfahrzeug zu fotografieren, erscheint ein Hinweis auf die Internetseite der Kampagne "Gaffen tötet!".
Beim Versuch, das Einsatzfahrzeug zu fotografieren, erscheint ein Hinweis auf die Internetseite der Kampagne "Gaffen tötet!". © René Meinig

Mehr als 13.000 Besucher

Für die Dresdner Brandschützer und Retter ist der handylesbare Code noch kein Thema. Andreas Rümpel, Chef des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, ist froh, dass alle hiesigen Einsatzfahrzeuge ein stets wiedererkennbares Äußeres haben und sich so ins Gedächtnis eingraben. Auch die "Florian 2021" war für ihn ein Teil der Imagepflege, denn die Messe sprach auch Besucher an, die nicht zur Feuerwehr oder dem Rettungsdienst gehören.

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Vom Messebeginn am Donnerstag bis zum Finale am Sonnabend kamen mehr als 13.000 Menschen zu der Schau im Ostragehege. Das sind rund 30 Prozent mehr als im Corona-Jahr 2020. Diesen Zuspruch wertet Roland Zwerenz, Chef der Messe-Firma Ortec, als ein Zeichen für Zuversicht. "Aussteller und Besucher sind erleichtert wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen."

Tranzparenzhinweis: Die Messe wird von der Ortec Messe und Kongress GmbH veranstaltet, die wie die Sächsische Zeitung und sächsische.de zur DDV Mediengruppe gehört.

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