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Eine besondere Feuerwehr-Übung

Nach der Corona-Pause können die Wehren im Kreis Bautzen wieder trainieren. Die Kameraden aus Schmölln-Putzkau holten sich dazu jetzt spezielle Unterstützung.

Seit Kurzem können die Feuerwehren im Kreis wieder Einsätze nachstellen. Bei einer Übung in Putzkau ebenfalls dabei: Ein Team aus Notfallseelsorgern, das die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit unterstützt.
Seit Kurzem können die Feuerwehren im Kreis wieder Einsätze nachstellen. Bei einer Übung in Putzkau ebenfalls dabei: Ein Team aus Notfallseelsorgern, das die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit unterstützt. © SZ/Uwe Soeder

Putzkau. Ein weißer Kastenwagen steht scheinbar verlassen an einem Baum, als zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr mit Martinshorn und Blaulicht vorfahren. Die anschließende Chaosphase, wie der stellvertretende Gemeindewehrleiter von Schmölln-Putzkau, Silvio Riedel, diesen Moment später nennen wird, ist schnell vorbei. Innerhalb kurzer Zeit sind die Kameraden aus den Fahrzeugen geklettert, haben sich sortiert, die Lage erkundet und beginnen, systematisch ihre Aufgaben abzuarbeiten.

Alles wirkt routiniert: Während ein Teil der Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Putzkau die Unfallstelle absperrt, geht ein Kamerad zur Fahrertür. Sie lässt sich öffnen, die Frau am Steuer ist ansprechbar. Eine braune Plane wird auf der Wiese ausgebreitet, die Fahrerin aus dem Auto gehoben. Wenig später betreten zwei Frauen in violetten Westen den Ort des Geschehens, unterhalten sich kurz mit dem Einsatzleiter, bevor eine von beiden sich neben die scheinbar Verletzte hockt und ihr fortan nicht mehr von der Seite weicht.

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Nachdem festgestellt wurde, dass das vermeintliche Unfallopfer ansprechbar ist, wurde die junge Frau von den Kameraden geübt aus ihrem Auto befreit.
Nachdem festgestellt wurde, dass das vermeintliche Unfallopfer ansprechbar ist, wurde die junge Frau von den Kameraden geübt aus ihrem Auto befreit. © SZ/Uwe Soeder

Trubel herrscht auch wenige Meter weiter. Dort baut ein Einsatzzug der Freiwilligen Feuerwehr Schmölln eine Wasserversorgung auf. Ein Schlauch platzt. Bis das Wasser läuft, vergehen wertvolle Minuten. Mit hysterischem Geschrei machen indes am Wiesenrand einige Menschen auf sich aufmerksam. Der Grund ihrer Aufregung: Eine Katze wird im Heu vermisst. Unentwegt piepen und schnarren die Funkgeräte. Die Geräuschkulisse passt nicht recht zu den geordneten Abläufen.

Kriseninterventionsteam des Kreises ist vor Ort

Seltsam ist bei genauerer Betrachtung vieles an den geschilderten Szenarien: Nicht nur, dass beide Einsatzorte nebeneinander und außerdem direkt neben dem Depot der Freiwilligen Feuerwehr von Putzkau liegen - der Kastenwagen hat keinen Kratzer, das Wasser aus den Schläuchen prasselt auf eine Wiese ohne Feuer.

Beide Einsätze sind nicht echt, sondern Übungen in Sachen technische Hilfeleistung und Löschangriff, zu denen die Feuerwehren aus Putzkau und Schmölln sich an einem Freitagabend getroffen haben. Geprobt werden der Einsatz an Verkehrsunfallstellen und das Löschen eines Ödlandbrandes. Auch das Kriseninterventionsteam des Landkreises Bautzen ist vor Ort; probt gemeinsam mit den 27 Kameradinnen und Kameraden den Ernstfall.

Um einen vermeintlichen Ödlandbrand zu löschen, mussten die Kameraden die Wasserzufuhr aus der Wesenitz sicherstellen, bevor sie den Löschangriff auf der benachbarten Wiese starten konnten.
Um einen vermeintlichen Ödlandbrand zu löschen, mussten die Kameraden die Wasserzufuhr aus der Wesenitz sicherstellen, bevor sie den Löschangriff auf der benachbarten Wiese starten konnten. © SZ/Uwe Soeder

Die Übung ist aus zwei Gründen besonders: Erst seit dem 9. Juni 2021 können die Feuerwehren nach langer Corona-Zwangspause wieder trainieren, weil die Inzidenz im Landkreis Bautzen seither kontinuierlich unter der 50er-Grenze verharrt. Eine große Erleichterung für die freiwilligen Wehren in der Region, deren Schulungs- und Ausbildungssituation auch vor der Pandemie bereits prekär war. Zwar habe man, erinnert sich Silvio Riedel an den Lockdown zurück, auch während des Kontaktverbotes versucht, zu üben und zu schulen. Aber das sei unter den gegebenen Sicherheitsvorkehrungen schwierig gewesen.

"Man kann am Monitor zwar zeigen, wie man den Atemschutz aufsetzt, aber da können die Kameraden vor den Bildschirmen eben nur zugucken. Alle anderen Sinneseindrücke fehlen", erklärt der stellvertretende Gemeindewehrleiter, der die Übung an diesem Abend koordiniert. Diesen Mangel an geübter Routine habe Riedel während des Lockdowns bei Einsätzen selbst erlebt: "Man überlegt schon manchmal eine Sekunde mehr, wo was liegt", sagt er.

Nach Verpuffung brauchen Helfer seelischen Beistand

Besonders ist die Übung aber nicht nur, weil sie für die Wehren eine Rückkehr in die Normalität signalisiert. Ungewöhnlich ist auch die Anwesenheit eines zwölfköpfigen Teams von Notfallseelsorgern aus dem Landkreis Bautzen. Das ist nicht selbstverständlich: Noch viel zu selten greifen Einsatzkräfte momentan auf die Unterstützung des Kriseninterventionsteams zurück, findet dessen neue Leiterin Claudia Freudenberg.

Die gemeinsame Übung von Feuerwehrkameraden und Seelsorgern ist an diesem Abend deshalb nur ein Grund für den kombinierten Übungseinsatz. Der andere ist es, Kontakte zu knüpfen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen: "Die beste Weiterbildung findet nach den Übungen statt, am Grill und am Tisch", so Freudenberg.

Das klappt an diesem Abend tadellos, berichtet sie später. Und schon der auf diesen Freitag folgende Sonnabend zeigt, wie wichtig das Netzwerken zwischen Einsatzkräften und Seelsorge ist: Als bei einem Feuer in Steinigtwolmsdorf infolge einer Verpuffung zahlreiche Menschen verletzt werden, sind es auch die Einsatzkräfte selbst, die anschließend seelischen Beistand brauchen. "Das Gute war, dass die Feuerwehr von Steinigtwolmsdorf von uns gewusst und uns zur Einsatznachsorge gerufen hat", sagt Claudia Freudenberg anschließend.

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Und auch sonst zeigt die Übung vom Freitagabend: Trotz Corona-Zwangspause sind die Feuerwehren fit. Zwar gab es beim Wasserpumpen aus der Wesenitz Probleme und zum Verbleib der Katze aus dem Heu keine Meldung, aber sonst findet Übungsleiter Silvio Riedel nur lobende Worte: "Alle Einsätze wurden ordnungsgemäß abgearbeitet. Wenn wir so weiter machen, kann es immer besser werden", sagt er zum Abschluss.

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