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Nationalpark rüstet sich für Waldbrände

In der Sächsischen Schweiz wüten regelmäßig Feuer. Beim Kampf gegen die Flammen helfen auch nicht ausgebildete Feuerwehrleute - mit neuer Technik.

Nationalparkwächter Frank Kowalzik (li.) und Dominique Weidensdörfer von der Feuerwehr Ottendorf testen den neuen Waldbrandanhänger. Die kleine Pumpe ist auch im Gelände gut zu transportieren.
Nationalparkwächter Frank Kowalzik (li.) und Dominique Weidensdörfer von der Feuerwehr Ottendorf testen den neuen Waldbrandanhänger. Die kleine Pumpe ist auch im Gelände gut zu transportieren. © Steffen Unger

Wenn es in den Wäldern der Sächsischen Schweiz brennt, dann meist richtig. Nicht selten entsteht das Feuer in schwer zugänglichem Gebiet der Nationalparkregion: auf Felsriffen oder in Schluchten. Bis der genaue Brandort lokalisiert und erste Feuerwehren vor Ort sind, können sich die Flammen oft ungehindert ausbreiten. Die vielen toten Fichten, die durch den Borkenkäfer abgestorben sind, verschärfen die Situation nun noch mehr.

Erst Ende Juni hatte es in einem Waldstück bei Hinterhermsdorf gebrannt. Zwar auf tschechischer Seite bei Jetrichovice, dennoch waren etliche Feuerwehren aus der Sächsischen Schweiz im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen.

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Der Nationalpark hat für den Brandfall nun weiter aufgerüstet. Die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung haben einen Waldbrandanhänger bekommen, mit dem sie der Feuerwehr bei Löscharbeiten unter die Arme greifen können.

Diese Technik steckt im neuen Waldbrandanhänger

Rund 750 Kilo bringt das kleine Raumwunder auf die Waage, das von jedem Auto gezogen werden kann. Was auf den Anhänger kommt, das konnte die Ottendorfer Feuerwehr mitentscheiden. Denn deren Mitglieder sind oft bei Waldbränden im Einsatz und wissen, was in der Not gebraucht wird.

Zur Ausstattung gehören unter anderem zwei Löschrucksäcke, mit denen 20 Liter Wasser Huckepack genommen werden kann. Die Spritzen können das Wasser bis zu acht Meter weit verteilen - pro Minute acht Liter.

Zur Grundausstattung des Waldbrandanhängers gehören Schläuche, aber auch Staubschutzmasken, Hacken, Kraxen und Löschrucksäcke.
Zur Grundausstattung des Waldbrandanhängers gehören Schläuche, aber auch Staubschutzmasken, Hacken, Kraxen und Löschrucksäcke. © Steffen Unger

Zum Hänger gehört ein Faltbehälter, in den 1.800 Liter Wasser passen. Das sichert den Nachschub - auch für die Löschrucksäcke. Verbandskasten, Hacken, Schläuche, Staubschutzmasken, Handschuhe und Netzmittel finden ebenfalls Platz. Zur Ausstattung gehört zudem eine besonders leichte Pumpe, die pro Minute 340 Liter Wasser heranholen kann. Verteilt wird das mit speziellen Strahlrohren, die bei Bedarf auch feinen Sprühnebel produzieren können.

So wird der Waldbrandanhänger künftig eingesetzt

Genutzt werden soll die Technik nicht von ausgebildeten Feuerwehrleuten, sondern von den Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung. Von Laien wie Nationalparkwächtern, Revierförstern oder auch Forstleuten. Wie sie mit den Gerätschaften umgehen, das haben sie bei einer Übung mit der Ottendorfer Feuerwehr bereits gelernt.

Vor allem bei der Brandwache soll der Anhänger zum Einsatz kommen. Ist ein Waldbrand gelöscht, bleibt auch danach ein Kontrolltrupp vor Ort. Denn oft haben sich im Boden Glutnester entwickelt, die sich neu entfachen könnten. "Die Mitarbeiter im Nationalpark sollen nicht die Feuerwehr ersetzen, sondern in der Brandkontrolle und der Brandwache die Feuerwehr unterstützen und entlasten", erklärt Kreisbrandmeister Karsten Neumann. Wenn die Brandwache zum Beispiel von Rangern übernommen wird, kann die Feuerwehr abziehen, sich von dem Einsatz erholen und sich bereit machen für den nächsten Alarm. "Bisher hat die Feuerwehr den Nationalparkwächtern für die Brandwache die eigene Technik vor Ort überlassen", sagt Dominique Weidensdörfer von der Feuerwehr Ottendorf. Nun hätte der Nationalpark eine eigene Ausrüstung. Dadurch könne die Wehr ihr Material schneller zurück ins Gerätehaus bringen, reinigen und sei dadurch zeitnah wieder einsatzfähig.

Bei einem Brand am Großen Zschand bei Schmilka im September 2020 waren die Einsatzkräfte auch mit Löschrucksäcken im unwegsamen Gelände unterwegs.
Bei einem Brand am Großen Zschand bei Schmilka im September 2020 waren die Einsatzkräfte auch mit Löschrucksäcken im unwegsamen Gelände unterwegs. © Repro: Marko Förster

Zudem hilft der Anhänger dann, wenn es in schwer zugänglichem Gebiet brennt, in das große Löschfahrzeuge nicht vordringen können. Der Anhänger, der an jeden Pkw oder SUV passt, hat den Geländevorteil.

"Dieses Jahr sind wir bis jetzt gut weggekommen", sagt Nationalparkleiter Ulf Zimmermann im Hinblick auf die Waldbrandsituation. Dennoch stehe man vor großen Herausforderungen. Die Brandgefahr sei aufgrund des vielen Totholzes in den Wäldern hoch. Umso wichtiger sei es, gerüstet zu sein.

Wie die Polizei Brandstiftern auf die Spur kommt

Nicht immer würden Waldbrände auf natürliche Weise entstehen, zum Beispiel durch einen Blitzeinschlag. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass oft Brandstiftung die Ursache ist - ob vorsätzlich oder fahrlässig. Dann ist der Waldbrand auch ein Fall für die Polizei. "Ende Juni hatten wir allein vier Brandstiftungen im Raum Lohmen, Heeselicht und Stolpen", sagt Uwe Lottermoser, Leiter des Polizeireviers in Sebnitz. Vor Ort haben die Ermittler Wachsreste gefunden. Ein Indiz, das auf Brandstiftung hindeutet. Der Verursacher konnte jedoch nicht gefunden werden. Die Ermittlungen laufen aber weiter.

2018 hatte ein Waldbrand im Basteigebiet die Feuerwehr eine Woche lang in Atem gehalten. Auch hier ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Brandstiftung. Nahe des Brandherdes wurde eine illegale Boofe entdeckt, in der Schlafutensilien und persönliche Dinge gefunden wurden. "Trotz der Fundsachen ist bis heute jedoch kein Täter ermittelt", sagt Lottermoser.

Etwas mehr Erfolg scheint die Polizei bei einer Brandserie rund um Lichtenhain zu haben. Hier standen 2018 und 2019 mehrfach Holzstapel in Flammen. Die Kripo hat an einer Stelle eine Art Brandsatz entdeckt: mit Klopapierrolle, Zigarette und Anzünder. "Ein Brandsatz ist glücklicherweise nicht hoch gegangen", sagt Sandro Hickmann von der Pirnaer Kriminalpolizei. Die Beamten konnten eine DNA-Spur sichern, die zu einem Tatverdächtigen geführt hat. Dieser wohnt aktuell nicht mehr im Raum Sebnitz. Nahe seiner neuen Wohnadresse hätte es eine neue Brandserie gegeben. Kann das Zufall sein? Diese Frage beschäftigt die Polizei. Die dort gefundenen DNA-Spuren würden jedoch nicht zu dem Tatverdächtigen aus dem Raum Sebnitz gehören. "Das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen", wie Hickmann erklärt.

Wie die Feuerwehr der Polizei helfen kann

Beispiele die zeigen, wie schwer die Ermittlungen im Falle von Brandstiftungen sind. "Denn Spuren werden nicht nur vom Feuer vernichtet, sondern auch von der Feuerwehr", schildert der Sebnitzer Revierleiter Uwe Lottermoser. Die Beamten würden nach dem Löscheinsatz oft vor einem Scherbenhaufen stehen und müsse dennoch nach der Ursache suchen. Lottermoser appellierte deshalb an die Feuerwehren und Mitarbeiter des Nationalparks, aufmerksam zu sein. Beim kleinsten Verdacht solle die Polizei eingeschaltet werden. Hinweise, wie das Flammenbild aussah, seien ebenfalls hilfreich. Das unterscheidet sich, je nachdem, ob Benzin oder andere Anzünder im Spiel sind.

Täter, die bewusst Brände legen, würden sich den Ort vorher meist ansehen und gezielt aussuchen. Nationalparkwächtern, denen etwas ungewöhnliches in ihrem Gebiet auffällt oder die verdächtige Personen sehen, sollten dies ebenfalls der Polizei melden. Eine Aufgabe, die angesichts der rund 3,5 Millionen Besucher jährlich in der Nationalparkregion nicht einfach sei, wie Nationalparkchef Zimmermann bemerkte.

Das Herzstück des Anhängers ist diese leistungsfähige Pumpe, die gerade einmal 14 Kilo auf die Waage bringt und damit tragbar ist. Sie kann pro Minute etwa 340 Liter Wasser bewegen.
Das Herzstück des Anhängers ist diese leistungsfähige Pumpe, die gerade einmal 14 Kilo auf die Waage bringt und damit tragbar ist. Sie kann pro Minute etwa 340 Liter Wasser bewegen. © Steffen Unger

Zimmermann hofft, dass der neue Waldbrandanhänger so wenig wie möglich tatsächlich eingesetzt werden muss. Die Technik sei ein weiterer wichtiger Schritt beim Thema Brandschutz. Und den könne die Feuerwehr in dieser Region nicht allein gehen. Die Kooperation mit der Nationalparkverwaltung sei deshalb der richtige Schritt, um die Zusammenarbeit zu vertiefen.

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