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Brand in Strocken: Wie geht’s nun weiter?

Einen Tag nach dem Feuer haben Ermittler die Brandursache festgestellt. Unterdessen wird die Diskussion um die Löschwasserversorgung laut.

Einen Tag nach dem Brand einer Scheune im Großweitzschener Ortsteils Strocken steht die Brandursache fest. Ermittler der Kriminalpolizei waren vor Ort.
Einen Tag nach dem Brand einer Scheune im Großweitzschener Ortsteils Strocken steht die Brandursache fest. Ermittler der Kriminalpolizei waren vor Ort. © Lars Halbauer

Großweitzschen. Insgesamt knapp zwölf Stunden waren die Feuerwehrleute aus dem Gemeindegebiet Großweitzschen sowie aus Leisnig und Döbeln im Einsatz, um die Scheune auf dem Hof der Familie Munz im Großweitzschener Ortsteil Strocken abzukühlen.

Etwa die gleiche Zeit war auch Einsatz- und Gemeindewehrleiter Knut Herrmann vor Ort. Er erfreut sich einen Tag später vor allem an zwei Sachen: Es gab weder Verletzte, noch ein Übergreifen des Feuers auf den eigentlichen Ausstellungsbereich der „Wundervollen Weihnachtswelt“.

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Sein Einsatzbericht zu den Ereignissen am Mittwochabend beinhaltet 14 Fahrzeuge mit über 50 Kameraden der Feuerwehr, die vor Ort bei der Brandbekämpfung geholfen haben.

Brandursache: Technischer Defekt durch Elektro-Leitung

„Um 8.30 Uhr wurden wir alarmiert. Als Erste waren die Leisniger vor Ort. Knapp viereinhalb Stunden später gegen 13 Uhr war das Feuer soweit unter Kontrolle“, erklärt Knut Herrmann. „Noch einmal sieben Stunden später gegen 20 Uhr konnte die Einsatzstelle an die Polizei übergeben werden.“

Retten konnten die Feuerwehrleute am Mittwoch wenig. Als sie vor Ort eintrafen, stand die Scheune in Vollbrand. „In dem Falle waren wir machtlos. Wir konnten die Scheune nur noch kontrolliert abbrennen lassen und schauen, dass das Feuer nicht übergreift“, sagt der Gemeindewehrleiter.

Mit mehreren Kräften löschten sie sowohl vom Boden, als auch aus der Luft mit einer Drehleiter. Durch Letztere wurde auch eine Seite der Scheune so instabil, dass sie einstürzte.

Ein Tag nach der verheerenden Brand der Theaterscheune in Strocken: Brandursachenermittler der Kriminalpolizei untersuchen am Donnerstagmorgen die Brandstelle.
Ein Tag nach der verheerenden Brand der Theaterscheune in Strocken: Brandursachenermittler der Kriminalpolizei untersuchen am Donnerstagmorgen die Brandstelle. © Lars Halbauer

„Familie Munz hatte Glück im Unglück“, meint Knut Herrmann. Zwar sei der Sachschaden natürlich nicht gering, aber in der Scheune lagerte ihm zufolge durch die kurz vorher durchgeführten Dacharbeiten kaum andere Gegenstände.

Wie Polizeisprecher Marcus Gerschler auf Anfrage von Sächsische.de bestätigt, hätten die Beamten das Gebäude am Donnerstagmorgen untersucht. „Nach bisherigen Ermittlungen geht die Polizei von einem technischen Defekt, ausgehend von einer Elektro-Leitung aus.“ Dem Bericht zufolge soll sich der Brand aus der Mitte der Scheune entwickelt haben.

Große Betroffenheit in und rund um Großweitzschen

Dennoch sind zahlreiche Bürger bestürzt. Unter ihnen ist auch die Leiterin der Musikschule Döbeln Margot Berthold. 15 Jahre lang haben ihre Schüler am dritten Advent um 15 Uhr das Abschlusskonzert in der Theaterscheune der Weihnachtswelt gegeben. „Das war wie ein Gesetz. Wer dabei sein wollte, hat sich dieses Datum frei gehalten“, so Margot Berthold. Der Zuspruch sei immer sehr groß gewesen.

Als sie aus dem Internet vom Brand erfahren habe, konnte sie es nicht fassen. „Ich bin entsetzt und betroffen. Es ist einfach unfassbar, was in Strocken passiert ist“, sagt die Leiterin der Musikschule. „Es tut mir so unendlich leid, was passiert ist. Das hat Familie Munz nicht verdient. Sie würde sich riesig freuen, wenn der Termin am dritten Advent weiterhin Gesetz bliebe.“

Betroffen zeigen sich auch Bürger und die Gemeinderäte von Großweitzschen, wie Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos) weiß. „Es ist ein Ereignis, das man nicht in seiner Gemeinde haben will. Und dennoch muss es jetzt weitergehen“, sagt er und weist darauf hin, dass die Verwaltung jegliche Unterstützung der Familie Munz zusagt. „Sobald der Anruf bei mir eingeht, werden wir helfen. Wir sind da sehr offen.“

Burkert zufolge soll es sowohl Susann Munz, als auch ihrem Mann Hans-Georg gut gehen. Auf telefonische Anfrage von Sächsische.de wollten sich die Inhaber der „Wundervollen Weihnachtswelt“ zu den Ereignissen am Mittwoch nicht äußern. Susann Munz, die auch Gemeinderätin ist, teilt nur so viel mit: „Es gibt keine Verletzten. Uns geht es gut.“

Braucht Strocken mehr Löschwasser?

Unterdessen gibt es zwischen den Nachbarn in Strocken sowie unter Feuerwehrleuten Sorge um die Löschwasserabdeckung im Großweitzschener Ortsteil. Derzeit gibt es im Ort einen Hydranten, doch dieser reicht nicht für den kompletten Löschvorgang.

„Wir mussten gestern die Kameraden aus Leisnig und Döbeln mit alarmieren, um einen Pendelverkehr sicherzustellen und somit jederzeit ausreichend Wasser vor Ort zu haben“, erklärt Einsatzleiter Knut Herrmann. „Bedanken müssen wir uns auch bei allen Landwirten, die uns tatkräftig unterstützt haben.“

Denn genau diese fuhren mit ihren Maschinen ebenfalls in andere Orte, um Wasser aufzunehmen und in ein entsprechendes Becken in Strocken zu füllen. Dieses wurde extra für Brände in kleineren Ortschaften mit schwieriger Wasserzufuhr gekauft. Doch eigentlich sollte es auch ohne diese Hilfe gehen, meint Knut Herrmann.

Landwirte aus Großweitzschen mussten mit ihren Maschinen die Feuerwehr bei der Löschwasserzufuhr am Mittwoch in Strocken unterstützen.
Landwirte aus Großweitzschen mussten mit ihren Maschinen die Feuerwehr bei der Löschwasserzufuhr am Mittwoch in Strocken unterstützen. © Erik-Holm Langhof

„Wir brauchen hier einen benutzbaren Löschwasserteich. Den gibt es auch auf Privatgelände, und die Besitzer haben sogar der Nutzung zugestimmt, doch die Gemeinde hat sich bislang noch nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt.“

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Bürgermeister Jörg Burkert bestätigt, dass Verhandlungen zur Nutzung zweier Teiche laufen. Einer befindet sich sogar auf der Fläche der Familie Munz. „Aber wir müssen die Gewässer zum Laufen bringen. Das dauert einige Zeit. Auch muss geklärt werden, wie Wasser nachkommt“, so der Bürgermeister. Es gestalte sich schwierig, weil die Gemeinde unter anderem in Strocken kein eigenes Land besitzt.

Denn auch für die Alternative, ein Wasserkissen wie in Schmorren bei Ostrau, benötige Großweitzschen geeignetes Land, auf dem so etwas aufgebaut werden könnte. „Wir werden die Möglichkeiten mit der Feuerwehr besprechen“, so Burkert.

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