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Filmdreh auf dem Jäckel

Das Ebersdorfer Grabmal für ermordete Soldaten wird Teil einer Doku. Im Mittelpunkt steht aber das Leben einer Tochter.

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© Andreas Herrmann

Von Andreas Herrmann

Am 7. Mai 1945 wurde Erwin Führing umgebracht. Es geschah auf dem Jäckel, oberhalb von Ebersdorf. Heute mahnt ein Gedenkstein an den Tod von insgesamt acht sinnlosen Opfern des Zweiten Weltkrieges, zu denen eben auch der Mann aus Bochum und Vater von Ulla Führing zählt. Sie führte ein sehr aufregendes, ungewöhnliches und auch schicksalhaftes Leben. Dazu zählt nicht nur die Erschießung ihres Vaters kurz vor Kriegsende, sondern auch die Entführung und Ermordung eines früheren Lebensgefährten 1978 auf Sardinien, was sie seelisch sehr mitnahm.

Erwin Führing wurde 1913 in Bochum geboren. Er starb am 7. Mai 1945 in Ebersdorf. www.loebaufoto.de
Erwin Führing wurde 1913 in Bochum geboren. Er starb am 7. Mai 1945 in Ebersdorf. www.loebaufoto.de © privat

Löbau und der Ort, wo ihr Vater nach einem Standgerichtsurteil erschossen wurde, sind die ersten Stationen eines rund 45-minütigen Streifens von Klaus Ralf. Als er von der Geschichte von Ulla Führing erfuhr, machte er zusammen mit der Regisseurin Gabriela Ballassa einen Plan zu den Drehstationen. Über den historischen Ort, an dem ihr Vater erschossen wurde, wusste Ulla Führing allerdings nur, dass es irgendwie etwas mit der Stadt Löbau zu tun hat. Der Neffe von Ulla Führing, der etwas Ahnenforschung betrieb, stieß dann auf die letzte Ruhestätte und darauf, dass es hier dieses Denkmal gibt. Sehr gefreut hat sich die Familie dabei, dass die am Kriegsende Ermordeten auch ein Unterrichtsthema an Löbauer Schulen ist. Schließlich fand man auch ein Foto vom Vater und schickte es als Dank für ein Bild der Grabstätte mit dem Gedenkstein nach Löbau.

Die Soldaten, die in der Löbauer Gegend umkamen, dachten eigentlich, der Krieg sei zu Ende. Sie gaben die Gewehre ab, damit sie von den anrückenden Russen nicht mehr als Kämpfer angesehen werden, und wollten nach Hause. Weitere Kämpfe und damit Zerstörungen wurden so verhindert. Das sei wohl auch der Grund, sagt Ulla Führing, warum die Leute das Denkmal hier errichtet haben, die Toten begruben und deren Erkennungsmarken nach Berlin schickten.

Dies half, die traurige Gewissheit über den Tod der acht Soldaten zu schaffen. Ohne die Erkennungsmarke würde ihr Vater wahrscheinlich als vermisst gelten. Gleichzeitig möchte Ulla Führing den Menschen in der Region danken, die den Soldaten 1945 ein würdiges Grab bereiteten, es pflegten und bis heute in Ehren halten. Zum Film und den Lebenslinien von Ulla Führing gehört auch, ihre Hinwendung zur Anthroposophie. Dabei fand sie zu ihrem Pflegesohn Timo Karff, der körperlich schwer behindert ist, aber über eine außerordentliche Intelligenz verfügt. Seine leiblichen Eltern hatten ihn in der Klinik gelassen. Ulla Führing förderte seinen wachen Verstand durch tägliche Zuwendung. Der junge Mann, mit einem wie Experten festgestellt haben fotografischen Gedächtnis, studiert inzwischen Jura und war bei den Dreharbeiten auf dem Jäckel natürlich mit dabei.

Die Arbeiten an dem gesamten Film werden sich noch bis Dezember hinziehen, teilt Klaus Ralf von 01 Film TV aus Hamburg mit, der selbst viele Jahre Redaktionsleiter beim Norddeutschen Rundfunk war. Das Drehbuch wurde verschiedenen Sendern angeboten. Der Bayerische Rundfunk sagte zu und im Rahmen der Sendung „Lebenslinien“ soll der Film über Ulla Führing im nächsten Jahr ausgestrahlt werden.