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Filmlegende Olivia de Havilland gestorben

Als Melanie Hamilton in "Vom Winde verweht" war Olivia de Havilland weltberühmt - nun starb die Oscar-Gewinnerin in Paris.

Die amerikanische Schauspielerin Olivia de Havilland wurde 104 Jahre alt. Zuletzt lebte sie in Paris.
Die amerikanische Schauspielerin Olivia de Havilland wurde 104 Jahre alt. Zuletzt lebte sie in Paris. ©  dpa

Los Angeles/Paris. Die Filmlegende und Oscar-Gewinnerin Olivia de Havilland ist tot. Sie sei am Sonntag in Paris mit 104 Jahren eines natürlichen Todes gestorben, bestätigte ihre Sprecherin. Bekannt war de Havilland für ihre Rolle als Melanie Hamilton im Südstaatenepos "Vom Winde verweht" (1939).

Als Kind britischer Eltern in Tokio geboren, zog Olivia de Havilland noch als Kleinkind nach Kalifornien. Der österreichische Theatermann Max Reinhardt entdeckte die 19-Jährige in der Rolle der Hermia von Shakespeares "Sommernachtstraum". Das Filmstudio Warner Brothers nahm sie gleich für sieben Jahre unter Vertrag und brachte sie an der Seite von Eroll Flynn groß heraus. 

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Acht Filme drehte sie mit dem Herzensbrecher, darunter die Abenteuerschinken "Der Verrat des Surat Khan" und "Robin Hood, König der Vagabunden". Auf der Leinwand knisterte es heftig, doch allen Gerüchten zum Trotz seien sie nie ein Liebespaar gewesen, beteuerte die Schauspielerin.

Die Schauspielerin spielte einst die stille Melanie im Südstaatenepos "Vom Winde verweht".
Die Schauspielerin spielte einst die stille Melanie im Südstaatenepos "Vom Winde verweht". © dpa/Paramount

In einem ihrer seltenen Interviews schaute sie 2015 auf "Vom Winde verweht" zurück. Sie denke gerne an das Südstaatendrama, das sie "etwa 30 Mal" gesehen habe, und an ihre Co-Stars, erzählte sie dem US-Magazin Entertainment Weekly. Mit dem Film verband sie aber auch eine bittere Enttäuschung. In der Oscar-Nacht 1940 wurde das Kostüm-Epos mit acht Trophäen ausgezeichnet, sie ging als Nebendarstellerin jedoch leer aus. In dieser Sparte gewann die schwarze Darstellerin Hattie McDaniel in der Rolle einer Haushälterin.

Feldzug gegen die Filmstudios

Doch den Verlust machte De Havilland später wett. 1946 gewann sie ihren ersten Oscar in der Hauptrolle von "To Each His Own". Der Film lief in Deutschland unter dem Titel "Mutterherz". Drei Jahre später kam die Auszeichnung als beste Schauspielerin in William Wylers "The Heiress" (Die Erbin). Viel Anerkennung wurde ihr auch als neurotische Exzentrikerin in "Der dunkle Spiegel" und "Die Schlangengrube" zuteil. Daphne du Maurier schlug sie 1952 für die Hauptrolle in der Verfilmung ihres Romans "Meine Cousine Rachel" vor. Das Stück wurde ein weltweiter Erfolg. Mit ihrer langjährigen Freundin Bette Davis spielte sie in "Wiegenlied für eine Leiche".

Aus der Ehe mit dem Schriftsteller Marcus Goodrich (1946 bis 1953) ging der Sohn Benjamin hervor. In Paris heiratete de Havilland den Journalisten Pierre Paul Galante und hatte die Tochter Gisèle mit ihm. Auch diese Ehe zerbrach. Gerüchte über eine Affäre mit dem früheren britischen Premierminister Edward Heath wurden indes nie bestätigt. 

Der damalige US-Präsident George W. Bush verleiht Schauspielerin Olivia de Havilland 2008 im Weißen Haus in Washington die National Medal of Arts.
Der damalige US-Präsident George W. Bush verleiht Schauspielerin Olivia de Havilland 2008 im Weißen Haus in Washington die National Medal of Arts. ©  dpa

Schlagzeilen machte de Havilland auch mit ihrem Feldzug gegen die Macht der Filmstudios. Anfang der 1940er Jahre prozessierte sie erfolgreich gegen Warner Bros., um sich aus einem langjährigen Vertrag zu befreien.

Auch im hohen Alter, das man de Havilland kaum ansah, zeigte sich der Hollywood-Star noch in der Öffentlichkeit. 2003 flog sie zum 75. Jubiläum der Oscar-Verleihung nach Los Angeles und sprach auf der Bühne über ihre große Liebe für den Film. 2008 nahm die Schauspielerin vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush die hohe Auszeichnung National Medal for the Arts entgegen. 2009 vertonte sie einen Dokumentarfilm über Alzheimer-Therapien.

Ihre Langlebigkeit schrieb sie laut Vanity Fair den drei L-Worten "Liebe, Lachen und Licht" zu. Wie die zweifache Mutter Entertainment Weekly vor ihrem 100. Geburtstag verriet, konnte sie ihr rundes Jubiläum kaum erwarten. "Die Vorstellung, ein ganzes Jahrhundert zu leben, gefällt mir sehr. Stellen sie sich das einmal vor. Was für eine Leistung." (dpa)

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