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Filter killt Fäulnisgestank

Der Abwasserzweckverband hat auf Beschwerden der Anwohner reagiert. Ein Filter sorgt dafür, dass es an der Äußeren Wehrstraße nicht mehr stinkt.

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© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Roßwein. Wer schon mal faule Eier gerochen hat, kann vielleicht nachvollziehen, weshalb die Anwohner der Äußeren Wehrstraße im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll hatten. Seit mehr als zehn Jahren mussten sie und auch die Mitarbeiter der umliegenden Betriebe den typischen Gestank ertragen, den Schwefelwasserstoff erzeugt, wenn Sauerstoff fehlt. Mit dem Begriff „ekelig“ ist der wohl gut beschrieben. Die Fenster zu öffnen oder draußen den lauen Sommerabend genießen, war da häufig ein frommer Wunsch. Das soll in Zukunft anders werden. Dafür haben der Abwasserzweckverband Obere Freiberger Mulde (AZV) und die Abwasserentsorgung GmbH (OFM) rund 7 000 Euro investiert.

Auch in Gleisberg stinkt’s noch

Konkret haben sie Geld ausgegeben für einen Filter. Der kommt von der Firma Dolge aus Eschwege, die sich ansonsten mit Korrosionsschutzanlagen beschäftigt. Der Filter steht an der Äußeren Wehrstraße und sieht in etwa aus wie ein Hydrant – nur etwas größer und in Schwarz. Darin befindet sich unter anderem ein Aktivkohlefilter, der regelmäßig zu kontrollieren, zu erneuern und auf der Deponie zu entsorgen ist.

„Das Besondere ist, dass wir diesen Filter mit einer Dosieranlage gekoppelt haben. Kommt an der Äußeren Wehrstraße an einem Sensor zu viel Schwefelwasserstoff an, wird am Standort Adamsstollen Eisenchlorid zugesetzt“, erklärt Frank Lessig, Geschäftsführer des AZV und der OFM. Dieses Anlagenkonzept haben die Roßweiner gemeinsam mit ihrem Betriebsführer, der Eurawasser, entwickelt. „Wir testen es in Deutschland in dieser Art zum ersten Mal“, so Lessig weiter. „Funktioniert es, und davon gehe ich aus, könnte es noch an anderen Standorten zum Einsatz kommen“, stellt der Geschäftsführer in Aussicht. Im Gebiet des Abwasserzweckverbandes gebe es noch weitere Beschwerden über Gestank. Als Beispiele nennt Lessig Gleisberg und Ullrichsberg.

Wohnqualität steigern

Aus Gleisberg wird das Abwasser gepumpt, das bislang an der Wehrstraße gestunken hat – je nach Wetterlage mal mehr und mal weniger. Das führt der Geschäftsführer auf ein technisches Problem zurück. Er erklärt, dass der Fäulnisprozess beginnt, sobald der Sauerstoff aufgebraucht ist. Der Gestank sei dann häufig dort aufgetreten, wo die Abwasserdruckleitung endet und die Abwässer in den Kanal eingeleitet werden. An der Äußeren Wehrstraße befindet sich so eine „Übergabestelle“. Das Gleisberger Abwasser wird, wie das aus anderen Stadtteilen auch, im Klärwerk Fischers Teich behandelt. Um das neue System noch effektiver zu machen, sind mehrere Abwasserschächte auf der Straße mit Aktivkohlfiltern ausgestattet worden.

Vorm Anschaffen der Anlage haben die Abwasserverantwortlichen nach anderen Möglichkeiten gesucht, die Geruchsbelästigung aus der Welt zu schaffen. „Wir haben die Leitungen häufiger gespült“, erklärt Frank Lessig. Das habe allerdings nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Ziel des Filters ist es, den Gestank vollständig auszuschalten. Der Geschäftsführer hält das aus zweierlei Gründen für wichtig: um die Wohnqualität zu steigern und vor allem, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Das Gas Schwefelwasserstoff stinkt nicht nur, es ist auch stark giftig, in hoher Konzentration sogar tödlich. Außerdem zersetzt es die Betonrohre. Das Binden des Gases erhält also auch die Kanäle. Wie sehr es andernfalls die Betonkorrosion vorantreibt, ist beim Rückbau des Pumpwerkes Adamsstollen sichtbar geworden. Dort hatte das Gas den Beton fast in Pappe verwandelt. Teure Investitionen wären nötig gewesen.