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Technitz will für Edelkarossen liefern

Die Firma MPE baut eine Produktion auf. Die Maschinen stammen von der Pleitefirma Stemke Kunststofftechnik. Mehrere Mitarbeiter auch.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

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Döbeln. Wenn Maschinen so etwas wie Heimatgefühl besitzen, dann wird es bei dem Koloss wohl aufgekommen sein, der am Donnerstag in einer Fabrikhalle in Technitz einschwebte. Die riesige Spritzgießmaschine stand dort bis zum Jahr 2014 und kehrte jetzt zurück. Damals stellte die Firma Stemke Kunststofftechnik darauf Plastikteile her und zog um ins Gewerbegebiet Fuchsloch. Stemke ist mittlerweile Geschichte, zahlungsunfähig, abgewickelt. Die Maschine existiert noch und wird bald für einen neuen Besitzer ihre Arbeit aufnehmen. Die Firma Managed Programs Europe (MPE) will wie Stemke Kleinserien und Prototypen von Plastikteilen, vor allem für die Fahrzeugindustrie, fertigen.

Das über 80 Tonnen schwere Maschinenteil hatten die Mitarbeiter der Logistikfirma Löbert an den Haken genommen und rollten es Zentimeter für Zentimeter in die Halle. Teile bis zur Größe von Türverkleidungen für Autos lassen sich auf der Maschine produzieren, sagte Jörg Kleine, der die Fertigung leiten wird. Für März sei die Aufnahme der Produktion geplant. „Wir werden das langsam steigern“, sagte er. Insgesamt fünf Spritzgießmaschinen verschiedener Größen hat MPE aus der Insolvenzmasse der Firma Stemke aufgekauft. Seit vergangenen Jahr standen sie in einem Zelt eingelagert auf dem Gelände in Technitz und wurden jetzt in der Halle aufgestellt.

Kleine hatte bis zuletzt bei Stemke gearbeitet. Auch Stephan Müller, Prokurist von MPE, kommt aus diesem Dunstkreis. Er war bis 2013 Chefkonstrukteur bei Stemke. Hinter der Firma MPE, die im Jahr 2012 gegründet wurde, steckt ein Gesellschafter aus den USA. „Wir haben schon immer bei der Firma Stemke fertigen lassen“, sagte Müller. Als die Firma dann in Zahlungsschwierigkeiten geriet, gehörte der Amerikaner zusammen mit einem Partner zu den Kaufinteressenten.

Aus dem Geschäft wurde dann aber nichts. Zwei Tage vor Vertragsunterzeichnung hatte sich der Partner zurückgezogen. „Es gab unüberbrückbare Differenzen“, sagte Müller. Stemke wurde abgewickelt, das nagelneue Firmengebäude, die Maschinen und Inneneinrichtung vom Insolenzverwalter verkauft. „Weil es Stemke nicht mehr gibt, müssen wir es selbst machen“, sagte Müller. Zum Kundenkreis von MPE gehören so exklusive Hersteller wie Bugatti und McLaren, die nur geringe Stückzahlen produzieren.

Auf Döbeln als Standort der neuen Produktion fiel die Wahl aus zwei Gründen: „Wir wollen einige Leute einstellen, die bei Stemke gearbeitet haben, und die die Maschinen kennen“, sagte Müller. Zudem sei es in Dresden, wo die Firma derzeit ihren Sitz hat, viel schwieriger, kostengünstige Produktionsräume zu finden. Von drei Mitarbeitern ist die Firma MPE jetzt schon auf sieben gewachsen. „Wir brauchen in diesem Jahr noch drei bis vier weitere Leute“, so Müller. Damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Müller schätzt, dass einmal 20 bis 25 Mitarbeiter in der Firma arbeiten werden.

Den Firmensitz will MPE von Dresden nach Döbeln verlagern. Außerdem soll das Gelände in Technitz gekauft werden. Zudem ist später der Bau einer weiteren Halle geplant. Dass das Gelände im Hochwassergebiet liegt, schreckt den Investor nicht. „Wir würden das Gelände aufschütten.“ Beim Jahrtausendhochwasser 2002 habe die Mulde 20 bis 30 Zentimeter hoch in der Halle gestanden. Müller hält das für beherrschbar.

Derzeit lässt die Firma die Werkzeuge für die Plastikteile vor allem in Asien produzieren. Aber MPE arbeite auch mit einheimischen Werkzeugbauern wie der Firma Polenz zusammen, so Müller. Perspektivisch hält er auch den Aufbau eines eigenen Werkzeugbaus für möglich. „Die Werkzeuge müssen ja auch gewartet und repariert werden“, so Müller.