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Arbeit und Bildung

Firmenverkauf im Mittelstand

Wenn Unternehmen vor dem Nachfolgeproblem stehen

Schmiede
Schmiede © Bild von Dirk Hoenes

Bereits 2017 meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass tausende Firmeninhaber keinen Nachfolger für ihre Betriebe finden. Das Handwerk Magazin folgte nach einer breit gefächerten Umfrage mit der Meldung: "Bis Ende 2019 suchen 236.000 Firmen einen Nachfolger". Beim Nachfolgerproblem sind verschiedene Aspekte zu beachten. Oft geht das über Generationen angesammelte Fachwissen unwiederbringlich verloren, ist kein in den Betrieb hineingewachsener Nachfolger vorhanden. Obendrein verliert die Belegschaft ihren Arbeitsplatz, der in manchen Regionen in bestimmten Berufen nicht zu ersetzen ist. Darüber hinaus sind solche Unternehmensschließungen mit an einem Investitionsstau beteiligt. Schließt nur eine Schreinerei die Tore und die gebrauchten Maschinen werden verkauft, ist dies kein Schaden für die Wirtschaft. Wenn allerdings 10.000 Schreinereien aufgelöst werden, landen zahllose billig aufgekaufte Handwerkermaschinen in den bestehenden Unternehmen, die folglich über Jahre nicht in Neuanschaffungen investieren.

Die moderne Welt verändert Traditionen

Als Glasermeister Schmitt zur Schule ging war bereits klar, dass er nach dem Abschluss eine Lehre im väterlichen Betrieb beginnen würde. Anschließend sollte er drei Gesellenjahre in anderen Glasereien absolvieren, seine Meisterprüfung machen und dann den Familienbetrieb übernehmen. Genau so sah die Karriere von Schmitt dann auch aus. Glücklich verheiratet, war der Glasermeister zudem stolz auf seine drei Söhne und die Tochter. Allerdings gingen alle vier Kinder eigenen Interessen nach und beschritten ihre Wege. Keiner davon führte in die Glaserei. Heute ist der Obermeister der Glaserinnung 67 Jahre alt und will nicht bis an sein Lebensende arbeiten. Eigentlich wollte er schon mit Ende 50 in den Ruhestand, doch sein Verantwortungsbewusstsein schaltete sich ein. Neun Männer und zwei Frauen zählt die Belegschaft, die schon beinahe so etwas wie eine Familie geworden sind. Darunter auch der letzte Auszubildende, der vor vier Jahren seine Gesellenprüfung als bester des Kreises abgelegt hat. Wenn am 05.01.2020 zum letzten Mal die Belegschaft in den Betrieb kommt, wird sich der Chef bei ihnen mit einem kleinen Empfang für Jahre und Jahrzehnte der Treue bedanken. Danach bleibt ihnen nur der Weg zum JobCenter, denn es gibt im Umkreis von 25 km keine andere Glaserei oder einen vergleichbaren Betrieb, in denen sie neue Arbeit finden könnten.

Auch im Mittelstand ist es kritisch

Elf verlorene Arbeitsplätze im Betrieb von Glasermeister Schmitt sind sicher nicht der Untergang der Industrienation Deutschland. Allerdings sind laut Handwerk Magazin mehr als 236.000 Unternehmen in der Bundesrepublik betroffen, davon über die Hälfte aus dem Mittelstand. Und darunter sind innovative Unternehmen mit erstklassigen Bilanzen zu finden, die bis zu 300 Menschen Arbeit auf lange Sicht garantieren könnten, wenn sich denn ein Nachfolger für den in Rente gehenden Chef finden würde. 

Was Unternehmer beim Firmenverkauf im Mittelstand tun können

Wer als Firmeninhaber vor dem Nachfolgeproblem steht, sollte sich zuerst in der eigenen Familie umschauen. Ist dies erfolglos, kann ein treuer und qualifizierter Mitarbeiter als Nachfolger herangezogen werden. Scheitert auch dieses Vorhaben, heißt es kühlen Kopf bewahren. Einige Chefs stürzen sich auf Vermittlungsportale, um einen Nachfolger zu finden. Schlussendlich müssen sie zumeist erleben, wie ihr Lebenswerk von Investoren oder Konzernen zerschlagen und in Einzelteilen verkauft wird. Und dies oftmals ohne Rücksicht auf die Belegschaft und ohne Sozialplan. Für den Firmenverkauf im Mittelstand ist es deshalb umso wichtiger, einen kompetenten Partner als Berater zu finden, der tatsächlich mit allen Mitteln versucht einen akzeptablen Nachfolger zu präsentieren.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin M. Zettler.