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Fischzüchter bauen auch Gemüse an

Die Kirschauer Aquakulturen bieten am Sonnabend erstmals selbst gezogenen Salat an. Und ein weiteres neues Produkt.

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© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Kirschau. Zwei neue Produkte bringt das Unternehmen Kirschauer Aquakulturen auf den Markt. Sie resultieren aus dem, was die Firma hauptsächlich macht – Fische in großen Becken in einer Halle züchten. Das dabei anfallende nährstoffreiche warme Wasser wird jetzt weiter verwendet. „Wir verlängern die Wertschöpfungskette in zwei Richtungen“, sagt Geschäftsführer Karl Dominick. Zum einen wird Salat angebaut, zum anderen Dünger hergestellt. Beide Produkte verkauft das Unternehmen beim Fischerfest am Sonnabend erstmals.

Der Salat wohnt bis zu seiner Ernte in einer Art Hochhaus. Unter einem Glasdach sind an der Außenwand der Fischzucht-Halle lange weiße Kunststoffrohre angebracht. Zehn Reihen übereinander. Auf der Oberseite der Rohre befinden sich in regelmäßigen Abständen kreisrunde Löcher. Darin stecken die Salatpflanzen. Ihre Wurzeln werden von dem warmen nitrathaltigen Wasser umspült, das aus der Fischzucht kommt. Bisher wurde es zum Reinigen in ein Schilfbeet geleitet. „Wir können es doch auch nutzen, um Gemüse zu produzieren“, nennt Karl Dominick seine Überlegungen. Diese Aufgabe hat er seinem Sohn Björn übertragen.

Drei Sorten im Angebot

Der 19-Jährige lebte zehn Jahre lang in England, bis er vor acht Monaten nach Deutschland kam. Künftig wird er in Rodewitz wohnen, wo er die ehemalige Schule und Kita entsprechend umbauen will. Über seinen Wunsch, beruflich „was mit Bio“ zu machen, freut sich sein Vater und hat auch gleich das Passende gefunden. „Der Salat wächst bei uns ohne Zugabe von Düngemitteln und absolut pestizidfrei“, betont Karl Dominick. Das Wasser aus der Fischzucht sei optimal für den Anbau von Breitblattgemüse und Strauchobst wie Beeren, erklärt er. Derzeit wachsen in den Kunststoffrohren drei Sorten Salat – Lollo Rosso, Lollo Bionda und Feldsalat. Durch die übereinander angeordneten Rohre können auf einem Quadratmeter Fläche 96 Pflanzen angebaut werden. Sie kommen als Minis aus einer Gärtnerei und brauchen im Sommer vier bis fünf Wochen, bis sie erntereif sind, im Winter voraussichtlich etwas länger. Verkauft wird der Salat ab kommender Woche im Fischladen der Aquakulturen. Und zwar mit Wurzel. „So bleibe er länger frisch“, erklärt Björn Dominick und kündigt an, künftig auch Chilis, Gurken, Cherrytomaten und Kräuter anzubauen. Sein Vater stellt in Aussicht: „Wenn es sich bewährt, errichten wir ein 800 Quadratmeter großes zweistöckiges Gewächshaus“.

Neue Jobs in Aussicht

Das zweite neue Produkt des Kirschauer Unternehmens ist Dünger aus reinem Fischkot. Mit einem Sieb werden aus dem Wasserkreislauf der Fischzucht die festen Stoffe herausgefiltert und in einer Sickergrube gesammelt. Bisher stellten die Aquakulturen dieses Material Gärtnereien zur Verfügung. „Jetzt, wo wir mehr als 200 Tonnen Fisch im Jahr produzieren, lohnt es sich für uns, den Fischkot zu verarbeiten“, sagt Karl Dominick. Ein biologisches Verfahren wandelt das darin enthaltene Ammonium in Nitrat um, das Pflanzen zum Wachsen brauchen. Dann wird das Ganze mit Holzspänen versetzt, getrocknet und zu Pellets gepresst. So entsteht ein Düngesubstrat ohne Zusatzstoffe. Es wird als Fisch-Guano bezeichnet, riecht aber nicht nach Fisch. Geeignet ist es nach Aussagen des umtriebigen Kirschauer Unternehmers besonders für breitblättriges Gemüse, zum Beispiel Mangold, Gurken oder Basilikum. Verkauft wird es in Zehn- und Fünf-Liter-Kartons. Aber nicht im Fischladen. „Das geht aus Gründen des Lebensmittelrechts nicht“, erklärt Karl Dominick. Er eröffnet deshalb neben dem Autohaus Grellert an der Friesestraße ein Geschäft namens Öko-Bilanz. Dort gibt es künftig den Fisch-Guano und andere Naturprodukte.

Mit der Salat- und Düngerproduktion hat der Kirschauer einen zusätzlichen Arbeitsplatz geschaffen. Nach dem Versuchsstadium könnten zwei weitere Mitarbeiter mit Gärtnerei-Erfahrung einen Job finden. Insgesamt hat das Unternehmen derzeit 18 Beschäftigte. Im Oktober kommen zwei weitere für die Fisch-Verarbeitung hinzu.